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gesprochen. Ein flehender blick des Slowaken traf den Baron, als dieser voll und ruhig sein Auge auf das boshaft funkelnde des Sardiniers richtete.

"Die Wahl der Sprache, Herr Graf," sagte er stolz, "zeigt mir, dass Sie mich kennen. Ein weiteres Verbergen wäre unwürdig Ihrer und meiner. Haben Sie die Güte, diese Leute zu entfernen, ich habe Ihnen einige Worte zu sagen."

Graf Pisani konnte trotz seiner grossen Selbstbeherrschung eine kleine Verlegenheit nicht verbergen, der ruhige Stolz des Gegners hatte seine Bosheit geschlagen.

"In diesem Augenblick glaube ich Sie erst zu erkennen und bitte um Entschuldigung für meine Worte. Hinaus mit Euch und sorge dafür, Lucia, dass dieser alte Schurke nicht horcht."

Die beiden untergeordneten Personen entfernten sich aus dem Gemach und liessen den Grafen und den kapitän allein. Die Gegner standen sich jetzt auge' in Auge gegenüber.

"Herr von Meiendorf, kapitän in der russischen Armee? wenn mich mein Gedächtniss und die flüchtige Bekanntschaft in Wien trotz dieser Kleidung nicht trügt." Er wies spöttisch auf das Costüm.

Der Russe verbeugte sich schweigend.

"Ich bedaure als Offizier aufrichtig, dass Sie sich zu dieser Rolle hergegeben haben, um so mehr, als es ausser meiner Macht ist, Sie den Ihnen bekannten Folgen derselben zu entziehen. Ich stehe in türkischen Diensten und der Muschir hat die strengsten Befehle in Betreff der Entdeckung von Spionagen gegeben."

Die bleiche Lippe des Russen zuckte bei dem beleidigenden Wort.

"Ich habe noch mit keiner Sylbe verlangt, Herr Oberst, dass Sie zu meinen Gunsten Ihrer Pflicht untreu werden sollen und würde das Geschenk der Freiheit aus Ihrer Hand auch schwerlich annehmen. Ohne mein Tun Ihnen gegenüber rechtfertigen zu wollen, sage ich Ihnen nur, dass der Grund, der mich hierher gebracht, die Entführung einer uns Beiden bekannten Dame aus den russischen Linien durch Ueberläufer war, – der Gräfin Laszlo."

"Meiner Braut," sagte nachlässig der Graf. "Ich weiss davon, denn ich selbst habe die Entführung veranlasst."

"Wie, Sie selbst wären der Urheber jenes Bubenstücks? Sie wagen es, die Dame Ihre Braut zu nennen?" – Das Blut quoll dem Offizier zu Kopf und Herzen, seine Augen blitzten.

"Mässigen Sie sich, mein Herr," sagte stolz der Oberst, "und bedenken Sie, dass Sie hier alsSpion gefangen sind, und ich Ihnen keine Rechenschaft zu geben habe. Um meiner Selbst willen, und da ich glaube, dass auch Sie zu den Bewerbern um der Gräfin Herz gehörten, werde ich Ihnen meine Worte beweisen. Sie erinnern sich vielleicht der Handschrift der Gräfin Laszlo?"

Der kapitän wurde rot, er zuckte unwillkürlich mit der Hand nach der tasche, in der er den Brief der Geliebten noch verborgen wähnte. – "Ich hoffe, Herr Graf!"

Pisani hatte ruhig aus seiner Brieftasche das Versprechen der Betrogenen genommen und hielt es dem kapitän hin.

"Lesen Sie."

Vor seinen Augen schwammen die verhängnissvollen Worte in einander, alles Blut schien in sein Herz zusammen zu strömen.

"Wiederum getäuscht von ihr! Fahre hin, Glauben und Glück!" – Er murmelte es zwischen den Lippen und warf sich auf den Divan zurück.

"Sie sehen, Herr kapitän," sagte mit leichtem Hohn der Graf, "dass ich ein Recht hatte, die Dame aus einer Umgebung holen zu lassen, die meinen Absichten nicht convenirte. Die etwas rauhe Art ist Schuld der Verhältnisse. Ich begreife übrigens wirklich nicht, Herr Baron, mit welchem Recht Sie sich heute Abend in die Nähe meiner Braut gedrängt haben, wie ich nach den mir zugegangenen Berichten glauben muss."

"Ich kam hierher," entgegnete hastig der kapitän, "um die Gräfin vor jedem Wiederbetreten des russischen Gebiets zu warnen; man hatte am Tage vor ihrer Entführung die Zwecke ihres Aufentalts entdeckt und ihren Boten aus Widdin aufgefangen. Der Befehl zu ihrer Verhaftung ist gegeben."

"Ich weiss es, ich weiss es," sagte, die Nachricht schnell benutzend, der Graf, "und deshalb eben liess ich sie am Morgen der drohenden Gefahr entführen. Ihre Absicht war edel, Herr kapitän, und ich hoffe, dass sie die Folgen Ihrer Gefangennahme mildern wird, wennSie mir Ihr Ehrenwort geben können, dass dies der e i n z i g e Zweck Ihres gefährlichen Wagstücks war."

Der schlaue Sarde konnte sehr wohl berechnen, dass dies nicht wahrscheinlich war und der russische Offizier schwerlich für Privatangelegenheiten die erlaubnis seiner Vorgesetzten zu dem kecken Unternehmen erhalten hatte.

Der kapitän schwieg.

"Dann bedaure ich aufrichtig, dass ich Sie nicht retten und dem Kriegsgericht entziehen kann. Verheimlichung ist nicht möglich, da Ihre Gefangennahme bereits mehreren Offizieren bekannt ist und der Bursche, dem sie geglückt, nicht schweigen wird. Kann ich Ihnen sonst mit irgend Etwas dienen, Herr Baron?"

Der Offizier verneinte durch ein Zeichen.

"Ich bitte, verlassen Sie mich."

"Ich bin im stand, wenigstens diese Nacht Sie noch vor den Unannehmlichkeiten harter Behandlung zu bewahren und werde veranlassen, dass Sie erst morgen nach dem gewöhnlichen gefängnis gebracht werden. Alexo wird Sie mit Erfrischungen versorgen und ich scheide mit dem Wunsche, dass Ihre Angelegenheit einen glücklichen Ausgang nehmen möge, obschon Sie sich die Gefahr Ihrer Lage nicht verhehlen werden."

Der Gefangene erwiderte finster die Verbeugung des Obersten, der das Gemach verliess. Seine