zu setzen, und der Sarde liess alle Anstalten der Art treffen, dass der russische Offizier bei seinem Verlassen des Selamliks ergriffen werden musste. Der Oberst wollte absichtlich vermeiden, selbst handelnd aufzutreten, und sein scharfer Verstand hatte ihm bereits die Art und Weise gezeigt, wie er diese gelegenheit zur Erreichung seines Hauptzwecks ausbeuten könne.
Wir haben bereits gesehen, wie die ausgestellten Wachen Michael Miloje, den Haiducken, der sich in das Konak geschlichen, für den kapitän nahmen und ihn verfolgten. Dennoch, trotz dieses glücklichen Zwischenfalls, sollte der Offizier der Gefangennahme nicht entgehen, denn Sta Lucia, der sich in der Nähe des Tores umhertrieb, entdeckte die Flüchtlinge, und wir haben erzählt, auf welche Weise es ihm gelang, den kapitän gefangen zu nehmen.
Verdriesslich und mit Vorwürfen von Sami-Pascha überhäuft, den der Tumult in der Ruhe seines Haremliks gestört, waren die Offiziere nach langem Suchen zur Locanda des Slowaken zurückgekehrt, fanden aber hier einen Gefangenen vor, denn die türkischen Wachen, aus ihrer Schläfrigkeit erweckt, hatten Mungo, den Spion, ergriffen, als er um die Locanda schlich und seinen Herrn zu treffen suchte, und Hidaët-Aga war bereits in einem scharfen Verhör mit ihm begriffen. Der Bursche schwieg jedoch trotzig und Iskender-Bei befahl, ihn, an Händen und Füssen gebunden, in einen Winkel des Tschardaks zu werfen und dort scharf zu bewachen, bis man am andern Morgen Mittel finden werde, ihm die Zunge zu lösen. Die Gesellschaft kehrte hierauf zu der gewöhnlichen Beschäftigung des Trinkens und Spielens zurück; Graf Pisani jedoch beschloss, seine Nachforschungen bei Alexo, dem Wirt, fortzusetzen, dem er in dieser Angelegenheit stark misstraute. Er gab ihm daher einen Wink, mit ihm zu gehen, und der Slowake, vor der Entdeckung seiner Doppelzüngigkeit besorgt, folgte ihm nach dem abgesonderten Gemach, das schon mehrfach zu ihrem geheimen Verkehr benutzt worden. Die Nachricht, dass der russische kapitän glücklich entkommen, hatte jedoch seine Furcht einigermassen beseitigt, und er durfte hoffen, von allem Verdacht sich mit der gehörigen Portion dreister Lügen rein zu waschen.
Zu ihrem Erstaunen fanden sie jedoch an der Kammertür Sta Lucia Wache halten, der es nicht gewagt, diese Stelle zu verlassen und den etwaigen Helfershelfern seines Gefangenen gelegenheit zu bieten, diesen entfliehen zu lassen. Der Bandit fluchte gräulich, dass man ihn so lange hier allein gelassen, und erzählte dann lachend seinem Herrn, auf welche Weise er den Vogel erwischt.
Der Graf wandte sich mit finsterm blick zu dem jetzt ernstlich vor Entdeckung zitternden Wirt.
"Verräterischer Hund," sagte er, "Du hast offenbar um die Anwesenheit dieses Spions gewusst, sonst wäre er nicht hierher geflüchtet. Du wolltest am Ende gar wagen, meine Pläne zu durchkreuzen, und solltest morgen hängen, wenn das Glück Dir nicht wohlgewollt und uns dennoch die Beute in die Hand geliefert hätte. Aber nimm Dich in Acht, Alexo, ich kenne Dich, und bei dem geringsten weitern Beweis, dass Du treulos bist, hängst Du!"
Der Wirt beteuerte mit hundert Eiden, dass er von Nichts wisse, dass der Gefangene da drinnen leicht möglich ein russischer Spion wäre, da der Graf ja wisse, dass er mit solchen verkehren müsse, um Nachrichten aus dem russischen Lager zu erhalten, dass er aber nicht das Geringste gegen die Absichten seines hohen Gönners unternommen; der Oberst jedoch, dies Geschwätz zur Genüge würdigend, befahl ihm, zu leuchten, und Lucia, die Tür zu öffnen, indem er sich die grausame Lust nicht versagen wollte, sich durch den eigenen Anblick zu überzeugen, dass der Gefangene sein verhasster Nebenbuhler sei.
Der kapitän, durch den Aufentalt bei Tageszeit in dem kleinen Zimmer belehrt, dass dieses nur den einen Ausgang habe und das starke Eisengitter des engen Fensters jeden Fluchtversuch unmöglich mache, hatte sich mit entschlossener Ruhe auf den Divan gesetzt, der an der einen Wand als Lagerstätte hinlief, und erwartete, die arme über die Brust geschränkt, in finstern Gedanken das Kommende. Im Augenblick, da er gerade das höchste ersehnte Glück genossen, das geständnis des Weibes, das er seit vier Jahren liebte, empfangen, da ihr Besitz ihm in Aussicht stand, – gab das Schicksal ihn als Gefangenen in die hände seiner Feinde mit der Aussicht auf einen schimpflichen Tod; denn er konnte nichts Anderes erwarten, als dass die Türken ihn als Spion behandeln würden.
Der Oberst trat mit dem Wirt, welcher die Lampe trug, in das Gemach, während Sta Lucia an der Tür blieb. Ein blick überzeugte den Sarden, dass der Gefangene der verhasste Feind; dennoch gab er kein Zeichen, dass er ihn erkannt.
"Dies ist der Spion, den Du gefangen?"
"Ja wohl, Signor Conte!"
"Bene! er kann morgen früh mit seinem Kameraden in Gesellschaft sterben. Bist Du Soldat, Bursche, oder treibst Du Dein Handwerk bloss aus Liebhaberei?"
Der kapitän, der bei Erwähnung der Gefangennahme eines seiner gefährten – er wusste nicht, ob Mungo's oder Michael's – zusammengefahren, blickte ihn trotzig und verächtlich an.
"Ich will zunächst wissen," fuhr der Oberst fort, "wie Du in dieses Haus kamst und in welcher Verbindung Du mit dem alten Schurken hier stehst? Dass eine solche existirt, liegt aus Deiner Kenntniss dieses Zimmers auf der Hand. Rede, Bursche, oder ich will Dir die Zunge lösen lassen."
Der Graf hatte italienisch