, hatte sich bei dem Lärmen erhoben und stand an dem Ausgang zur Treppe.
"Mashallah! was wollt Ihr Weiber hier? Geht zurück, das ist keine Sache für Euch!"
Schritte eilten den gang daher, der aus dem inneren der Gebäude zur Treppe führte. Es galt einem raschen Entschluss. Mit kräftiger Hand hatte in Gedankenschnelle der kapitän den alten Mohren gefasst und schleuderte ihn zurück in den Winkel, dann sprang er die kurze Treppe zum Tschardak hinunter und aus diesem in den Hof, von Marutza gefolgt. Schleier und Mantel blieben in der Hand des Mohren, der ernüchtert den ihm gespielten Betrug erkannte und hinter ihnen d'rein brüllte. Das Rufen vieler Stimmen belehrte sie, dass im nächsten Augenblick die Verfolger auf ihren Fersen sein würden, und die überlegung eines Moments bewies ihnen, dass eine Flucht durch das bewachte Tor in diesem Augenblick unmöglich sei.
Kaum wissend, was sie tat, zog die junge Bulgarin den Offizier, dessen Rechte ein gespanntes Revolver-Pistol hielt, mit sich fort. Der Hof war im Augenblick menschenleer, weil Alles auf den Haiducken Jagd machte. So gelang es ihnen, unbemerkt in den Schatten der Wälle und zu dem halb verfallenen Brunnen zu kommen, in dessen Winkeln Marutza vorhin den kapitän verborgen hatte.
Beider Brust hob sich keuchend – sie konnten deutlich die neuen Verfolger sehen, die – Ali an der Spitze – jetzt aus dem Tschardak drangen und mit Verwünschungen nach den Flüchtlingen suchten.
"Wir müssen in wenigen Augenblicken entdeckt sein," flüsterte der Offizier und seine Hand umspannte fester den Griff des Pistols.
"Still – keinen laut!" sagte leise eine dritte stimme in bulgarischer Sprache dicht an ihren Ohren. Marutza erkannte sie sogleich und hielt den Arm des Capitains nieder, der sich eben gegen den unerwartet nahen Gegner wandte und auf ihn schiessen wollte.
"Ruhig, Herr, es ist Miloje, unser Freund. Um der vierzig Märtyrer willen, wo kommst Du her, Michael?"
Der kühne Haiduck lachte still für sich hin.
"Die Knechte des falschen Propheten meinten mich zu fangen. Pah! als ob ich nicht jeden Stein hier besser kennte, denn sie. Bückt Euch und folgt mir, wir haben keine Zeit zu verlieren."
Er kroch ihnen voran durch die Oeffnung eines Kanals, welcher den Abfluss der Cisterne leitete. Einige Schritte weit mussten sie sich auf Händen und Füssen fortbewegen, dann wurde das Gewölbe höher, sie vermochten aufrecht zu stehen und der Haiduck liess sie durch ein gehobenes eisernes Gitter passiren, das er hinter ihnen wieder senkte.
"Jetzt mögen sie kommen, sie werden die Vögel ausgeflogen finden! Die Oeffnung geht durch den Wall dicht am Haupttor. Vorsichtig, Herr, wir haben den Graben zu durchschreiten."
Sie kamen glücklich hinüber, und während im Konak der Aufruhr der Verfolgung und Nachforschung tobte, führte der Huiduck sie glücklich an den Wachen vorbei, durch die Lücken der Mauern und Wälle aus der Festung.
Alle atmeten leichter, als das Wagstück gelungen, während dessen nur wenige Worte gewechselt worden, da der Russe ohnehin sich mit dem Haiducken nicht verständigen konnte. Er wandte sich daher auch jetzt an das Mädchen und bat sie, den Geliebten zu fragen, wohin er sie zu führen gedächte.
"Bei der Panagia! wohin sonst, als fort aus diesem Nest in die freien Berge," erwiderte der Sohn derselben. "Gawra oder der Zigeuner warten mit den Pferden und die Verfolger werden uns bald auf den Fersen sein, wenn sie sich müde im Konak gesucht. Ich habe meine Flinte wieder, die mir Dein Vater für schweres Gold von diesen türkischen Hunden gelöst hat, und meine Moma – was brauch' ich mehr!"
"Ich muss wenigstens vorher Alexo, den Wirt, sprechen," sagte entschlossen der Offizier. "Er wird Mittel und Wege finden, über das Schicksal der Dame das Weitere zu erfahren und mit ihr in Verbindung zu bleiben. Schickt mir Mungo zur Hinterpforte der Locanda, er wird mich in einer halben Stunde zu Euch geleiten und ich bin dann bereit, Euch zu folgen."
Vergebens waren die Einreden des Mädchens – der kapitän bestand auf seinem Sinn, und da die Gassen durch den Lärmen in der Festung sehr belebt geworden und man sich nicht aufhalten durfte, trennte man sich eilig und der Offizier folgte der Richtung, die Marutza ihm gewiesen, auf die Dunkelheit und seine Verkleidung vertrauend.
So bemerkte er es nicht, wie aus dem Schatten der Gebäude ein Mann, der die Flüchtlinge schon bei ihrem erscheinen beobachtet, ihm folgte, Sta Lucia, der Bandit. Glücklich gelangte er an die hintere Pforte der Locanda, deren Tschardak und Zimmer mit Menschen besetzt war, und, da ihm jetzt die gelegenheit bekannt, bis zu dem kleinen Gemach, das ihm vorher zum Versteck gedient hatte, indem er hoffte, von hier aus leicht dem Wirt ein Zeichen seiner Anwesenheit geben zu können. Kaum jedoch war er eingetreten, als ein lautes höhnisches Gelächter, das Schliessen der Tür und das Vorschieben eines Riegels ihn belehrte, dass er verraten und in die hände seiner Feinde gefallen sei. –
Graf Pisani, nachdem er die Anwesenheit des russischen Offiziers in der Festung entdeckt und leicht den Zweck derselben erraten hatte, eilte, die gelegenheit zu benutzen, sich von dem gefährlichen Nebenbuhler zu befreien, ohne als der Urheber zu erscheinen. Eine Mitteilung an Iskender-Bei genügte, um sofort die Verfolger in Bewegung