und ich wollte die Welt darum geben, wenn ich den Unvorsichtigen erst glücklich aus Widdin wüsste!"
"Nicht ohne Sie, Helene!" sagte eine männliche stimme neben ihr.
Erschrocken fuhr sie empor und sah die fremde Gestalt an ihrer Seite; Feredschi und Yaschmak fielen zwar zu Boden, aber bestürzt fuhr die Gräfin trotz der bekannten Laute zurück, als sie einen Baschi-Bozuk in seiner wilden seltsamen Tracht vor ihr auf das Knie geworfen und ihre Hand ergreifen sah; ein zweiter blick zeigte ihr jedoch die Züge des russischen Capitains und der Angstschrei erstickte in ihrer Kehle.
"Um aller Heiligen willen, Sie hier? o, fliehen Sie, Sie bringen uns Beide in's Verderben!"
"Ich bin hier, Sie dem zu entreissen. O, hätten Sie meiner Warnung Gehör gegeben in Wien und sich von jenem Tun freigehalten, das ausser der Sphäre des Weibes bleiben soll! Ich musste Sie sprechen, Gräfin Helene, um Ihnen zu sagen, dass die wahren Zwecke Ihres Verweilens auf Ihrem Gute bekannt sind, dass einer Ihrer Boten aus dem türkischen Lager aufgefangen worden ist. Der kommandirende General hatte in derselben Nacht den Befehl gegeben, Sie zu verhaften, an deren Morgen Sie von den Dorobandschen entführt wurden. Mein Bote, der Sie warnen sollte vor der drohenden Gefahr, traf leider zu spät ein."
Die Gräfin sah ihm voll in's Gesicht.
"Und kapitän Meiendorf hat wirklich dies gewagt für Eine, die er so schwer verletzte, für die Feindin seines kaiserlichen Idols?"
Er presste ihre hände in den seinen.
"Was wog jener Schmerz, den Sie mir bereiteten, jener Sieg meines Nebenbuhlers gegen Ihre Rettung? was galt die Republikanerin gegen das Weib meines Herzens? – Als ich nach der blutigen Schlacht das Unglück vernahm, das Sie betroffen, da zog es mich wie mit tausend Banden Ihnen nach, und ich musste wissen, welche Gefahr Sie hier bedrohte."
"Aber bedenken Sie auch, dass man Sie erkennen und gefangen nehmen kann!"
Der Baron schaute sie ruhig und fest an.
"Werde ich hier ergriffen," sagte er ernst, "und bei Gott! es war vor kaum einer halben Stunde nahe daran, so werde ich ohne Weiteres als Spion erschossen, und nicht allein mein Leben, auch meine Ehre ist vernichtet."
"Für mich! für mich!" jammerte die junge Frau; "o, fliehen Sie, ich beschwöre Sie bei unserer Liebe!"
Sein Auge glänzte entzückt, als er stürmisch ihre hände an sein Herz drückte.
"Dies Wort allein, Helene, bezahlt tausendfach alle Gefahren. Wie habe ich von diesem Augenblick geträumt unter den Donnern der Schlachten und auf dem ruhelosen Lager, und ich sollte ihn kürzen in jämmerlicher Furcht für meine Sicherheit? O, Helene, wiederholen Sie mir das Wort, dass u n s e r e Liebe Sie besorgt macht, dass Ihr Herz, Ihr reiches, schönes Herz wirklich das meine ist! Darf ich's wagen, darf ich's glauben?"
Sie strich ihm lächelnd die braunen Haare aus der Stirn.
"Zweifelten Sie wirklich noch daran nach unserer Fahrt im Prater zu Wien? O, wie weh Sie mir damals taten durch Ihr hartes unverdientes Scheiden!"
"Aber Pisani – ich hörte zufällig, wie Sie ihm versprachen, zu kommen ..."
"Zur Baronin Czezani. Was ist mir der Oberst anders als ein Mann, mit dem mich politische Meinung verband! Ich habe in diesen Tagen, den schwersten meines Lebens, einsehen lernen, wie töricht ich gehandelt, wie recht Sie haben, und in welch' schmähliche Stellung mich dieser politische Wahnsinn verlockt hat. Ich werfe ihn von mir, das schnöde unwürdige Männerwerk, und will einzig und allein dem Frauenherzen seine Rechte gönnen. Morgen bin ich frei – zum letzten Male will ich mich des Beistandes dieses Mannes bedienen; – ich eile nach Wien und verlasse das Haus meines Oheims nicht mehr, bis dieser unglückselige Krieg beendet ist und ..."
"O, vollenden Sie!"
"Bis kapitän Meiendorf seine Braut fordert."
Er drückte sie an das entzückte Herz. Tausend Schwüre der Liebe quollen über seine Lippen, welche die ihren suchten und fanden –
Da schnitt der scharfe Knall von Pistolen dazwischen, wildes Geschrei, Waffenklingen, Tumult in den Höfen, das Lärmen und Rufen vieler Menschen: "Haltet den Dschaur! Nieder mit dem Spion!"
Ein Flintenschuss fiel dicht unter dem Fenster, der gelle Aufschrei eines Getroffenen folgte, dann schien eine wilde Hetze durch die Höfe zu beginnen – –
Aus dem ersten Gemach stürzte Marutza herein.
"Heilige Mutter Gottes! sie sind hinter Miloje d'rein – Alles ist verraten, die Höfe sind voll Soldaten!"
Die Unvorsichtige hatte aus dem Fenster mit dem Haiducken gesprochen, der verkleidet im hof umherschlich und das verabredete Zeichen gegeben.
Man hörte, wie der Strom der Verfolger hinter Miloje sich entfernte, den man wahrscheinlich für das edlere wild hielt.
Im Augenblick hatte die Ungarin alle Energie ihrer Seele wiedergefunden. Schnell hüllte sie selbst den Geliebten in Mantel und Schleier.
"Rasch, rasch, Marutza! fort mit ihm im Schutz dieser Verwirrung, ehe es zu spät ist. In Wien sehen wir uns wieder!"
Ein Druck der Hand, und die Frauen drängten ihn aus dem Gemach; Marutza folgte ihm.
Ali, der Khawass