, Du bist ein Schurke, und tust, was Du tust, um Gold, nicht um der Sache willen! Doch höre mich! Bist Du mindestens in dieser Sache mir treu und ergeben, so sollst Du einen Lohn erhalten, wie Dir schwerlich ein Verrat einbringen würde. Hier ist ein gültiger Wechsel auf Sina in Pest, den Du durch den österreichischen Consul prüfen lassen magst. Er lautet auf fünfhundert ungarische Dukaten, und sie sollen Dir ausgezahlt werden, wenn Du mich in meinem Unternehmen unterstützest und wir ungefährdet aus Widdin kommen. Jetzt sprich, ob wir uns auf Dich verlassen können?"
Der Slowake prüfte sorgfältig den Wechsel.
"Euer Excellenz können sich auf Alexo verlassen; ich schwöre Ihnen bei der Seele meines Vaters, dass ich Alles tun werde, was möglich ist."
"Gut, w i r sind einig. Nun zu Euch. Ich will und muss die Dame sprechen, die im Konak des Gouverneurs gefangen gehalten wird, denn es droht ihr eine neue Gefahr. Habt Ihr irgend ein Mittel, dies im Laufe des Abends möglich zu machen?"
"Der Weg über den Festungswall bis zum haus des Pascha's wird in einer Stunde frei sein," sagte der Haiduck. "Ich kenne einen alten Winkel, durch den man unbehindert aus und ein gelangen kann."
"Aber die Wachen?"
"Es steht eine einzige in der Nähe jenes Teiles des Selamlik, die uns hindern könnte; ich nehme sie auf mich."
"Das würde für die Flucht genügen, wenn diese nötig wird. Aber wie gelange ich zu der Gräfin selbst?"
"Wenn wir die Gewänder einer türkischen Frau hätten," sagte Marutza, "so wüsste ich Rat."
"Ich kann sie mit leichter Mühe anschaffen," meinte der Wirt.
"Wohl, so tue es. Ich muss jetzt zum Selamlik zurückkehren, ehe die Tore geschlossen werden. Ich werde die Kleider in einem Packet mit mir nehmen. Der Signor Offizier folgt mir in kurzer Entfernung, es kann keinen Verdacht erregen, wenn ein BaschiBozuk in die äussern Höfe eintritt, es treiben sich der Männer dort fortwährend umher, bis die Tore geschlossen werden. Nur der Zutritt in das Selamlik selbst ist gefährlicher, da dort Wachen stehen, und was geschieht, muss vor der vierten Stunde (9 Uhr) geschehen, denn nach dieser Zeit kann Niemand das Selamlik verlassen oder in den Höfen verkehren, ohne von den Wachen angehalten zu werden. Ich werde vor dem Capitano hergehen bis zu einem dunklen Winkel, wo er sich ruhig lagern mag. Wenn ich sehe, dass der Schwarze, unser Wächter, trunken oder unaufmerksam ist, werde ich unter einem Vorwand zurückkehren und ihn holen. In den Yaschmak und den Mantel einer türkischen Frau gehüllt, kann er mir ohne Besorgniss folgen, die trüben Augen Ali's, unsers Wächters, werden ihn nicht erkennen."
Der Plan wurde gut befunden, und während Alexo ging, die Gewänder herbeizuschaffen, machte sich der Offizier fertig zu dem gefährlichen Wege. Mungo erhielt den Auftrag, den Wirt mit den Pferden für alle Fälle bereit sein zu lassen, und der kühne Haiduck übernahm es, den kapitän auf dem Schlupfwege wieder aus der Festung zu schaffen und nötigenfalls die Flucht der Frauen in derselben Weise zu bewerkstelligen. Marutza trieb zur Eile und der Wirt entliess die Verbündeten auf demselben Weg, auf dem er sie in seine Locanda geschmuggelt hatte.
Das Mädchen schritt eilig voraus durch die bereits dunklen Gassen. In einer Entfernung von etwa 20 Schritt folgte ihr der kapitän, in den zerlumpten kurdischen Mantel des Bozuks gehüllt. Viele Menschen bewegten sich auf den Gassen; so waren sie bereits bis zu dem Damm gekommen, welcher auf das Tor der Festung zuläuft, als zwei in Mäntel gehüllte Männer, die ihnen entgegenkamen, auf das Mädchen im Vorübergehen aufmerksam geworden schienen. Der Eine, ein Offizier, blieb stehen und sah Marutza nach, und so kam es, dass er durch eine rasche Bewegung mit dem falschen Baschi-Bozuk zusammenstiess und diesem für einige Augenblicke der Mantelzipfel vom Gesicht fiel. Einen Moment lang starrten beide Männer sich an, der kapitän erkannte sogleich den Grafen Pisani in seinem Gegner, dieser jedoch schien durch das matte Sternenlicht, was allein den Platz erhellte, getäuscht zu sein, und wenn ihm in dieser Nähe auch das Gesicht bekannt vorkam, doch im Augenblick nicht zu wissen, wo er es hin tun solle. Der Russe hatte Geistesgegenwart genug, um sich nicht zu verraten, und den Mantel rasch wieder um sich ziehend sprach er den gewöhnlichen türkischen Gruss und ging weiter.
Der Sardinier blieb nochmals einige Augenblicke stehen und schaute den Beiden nach.
"War es mir doch, als müsste ich den türkischen Lümmel kennen," sagte er zu seinem Begleiter, dem Banditen und jetzigen Diener Sta Lucia. "Sieh, ich glaube gar, er folgt dem Mädchen in den Konak und – Demonio! – sie macht ihm ein Zeichen!" Er lachte laut auf. "Die bulgarische Dirne hat sich einen verzweifelt zerlumpten Galan ausgesucht!" Er wollte eben weiter gehen, als er auf der Erde etwas Weisses blinken sah, grade an der Stelle, wo er mit dem Fremden zusammengestossen war. Es hatte eine Briefform und, dadurch aufmerksam gemacht, hob er das Blatt auf und behielt es in der Hand, indem Beide ihren Weg fortsetzten.
Wie es so häufig geht, dass ein zufällig aufgestossenes