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seinem Engel zu dem Werke des Friedens helfen. I c h werde glücklich sein, diese Lösung von Ihrer Hand annehmen zu können."

Sie sah ihm trübe lächelnd in die heiterer gewordenen Augen.

"Meinen Dank, mein Freund, meinen innigen ewigen Dank! – und jetztmein Lebewohl!"

Sie wandte sich rasch nach der Tür, er eilte ihr nach, aber sie selbst kehrte sich an dieser noch einmal zu ihm. Ihre hände fassten die seinenihre Augen hafteten auf den seinen, Minuten lang, innig und zärtlich, und doch wie unter dem Flor einer tiefen Traurigkeit. Er zog sie näher, – unwillkürlichim stummen Glückruhten ihre Lippen einen Moment auf den seinen voll und heissdann rauschte die Portiere hinter ihr zusammensie war verschwunden!

Der Vicomte trat in's Seitenzimmer, die teure Gestalt noch ein Mal zu sehen; eben eilte sie mit Annuschka, von dem Araber begleitet, durch die Pforteim nächsten Augenblick rollte der Wagen davon. –

Als der Fiaker in die Rue de Grenelle gebogen war, befahl Annuschka dem Kutscher:

"Nach der Faubourg St. Honoré 33, Hotel der russischen Gesandten." ––––––––––––––––––––––––––––

Fürst I w a n , – durch ein Billet des Grafen Wassilkowitsch von der veränderten Bestimmung des Rendezvous in Kenntniss gesetzt, – hatte eben seinen gewöhnlichen Besuch im Palais und Büreau der Gesandtschaft gemacht und wollte sich entfernen, als Herr v o n K i s s e l e f f , der damalige Vertreter Russlands in Paris, ihn in sein Kabinet rufen liess. Etwas beunruhigt folgte er dem Boten, sah sich aber in seiner Besorgniss getäuscht, da der Gesandte ihn auf's Freundlichste empfing, mit keiner Sylbe ein Kenntniss des vorgefallenen Zwistes an den Tag legte und ihn einlud, mit ihm en deux zu speisen, da mehrere geheime Depeschen zu erledigen wären, wegen deren er für die nächsten Stunden seiner hülfe in Anspruch nehmen müsse.

Im Ganzen war es dem jungen Mann nicht unlieb, einen Vorwand zu finden, der ihm erlaubte, nicht in sein Hotel zurückzukehren und so den fragen der Schwester auszuweichen. Vor Abend hatte er ohnehin keine Bestimmung über seine Zeit getroffen, und die Stunden vor einem Duell allein zu verbringen, ist eben für Keinen angenehm. So fügte er sich also gern und die Arbeit zerstreute ihn. Aber Stunde auf Stunde verrann, der Gesandte, der von Zeit zu Zeit das Kabinet verliess und ihn bei der Arbeit einschloss, häufte immer neue Manuscripte vor ihm, und die Zeit nahete, zu der er versprochen hatte, an einer anderen Stelle zu sein.

Abgespannt und ärgerlich warf er endlich die Papiere zur Seite. Die Depeschen waren vollendet und er nahm seinen Hut, um sich zu entfernen. Die Uhr im Kabinet zeigte eben halb Zehn, als Herr von Kisseleff wieder eintrat und die letzten Unterschriften vollzog.

"Ich muss Sie noch einen Augenblick bemühen, Fürst," sagte er artig; "die Secretaire haben bereits das Hotel verlassen und ich bitte Sie, die Papiere zu couvertiren."

Der Fürst gehorchte. Der Gesandte legte noch eine eigenhändige Depesche dazu und das Briefpacket wurde fertig gemacht. Herr von Kisseleff schellte.

"Ist der Wagen bereit?" fragte er den eintretenden Jäger.

"Zu Befehl, Excellenz."

Der Diener trat ab.

"Jetzt, Fürst, muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass diese Depeschen, wie Sie sich selbst überzeugt haben, von der höchsten Wichtigkeit sind. Den Telegraphen können wir in dieser Angelegenheit nicht benutzen, die Gründe liegen auf der Hand. Sie werden daher auf Ihr Ehrenwort dieses Paket nicht von Ihrer Seite lassen, bis Sie es dem Herrn Staatskanzler selbst übergeben haben."

"Wie? ich – –?"

"Allerdings, Sie selbst. Ich bin genötigt, Sie damit als Courier nach Petersburg zu schicken, da ich augenblicklich Niemand weiter zur Disposition habe, dem ich so wichtige Interessen anvertrauen könnte. Sie werden mit dem Zug um elf Uhr nach Brüssel abreisen."

"Aber Excellenzdas ist unmöglich! Ich bin nicht im Geringsten vorbereitet."

"Das ist unnötig, – es ist Alles getan; die Fürstin, Ihre Schwester, hat für Alles gesorgt und wird Sie begleiten."

Er öffnete die Seitentür, Iwanowna trat ein im Reisekleide.

Dem jungen mann schwirrte und dunkelte es vor den Augen. Das Blut schoss in Strömen ihm zum Kopf, er fühlte, dass er überlistet worden.

"Ich werde Paris nicht verlassen, mein Herr! Ich habe morgen früh eine Ehrenverpflichtung und will nicht das Spielwerk einer Intrigue sein, die ich durchschaue."

Iwanowna eilte auf den Bruder zu, sie hing sich an seinen Hals.

"Iwan, bedenke, was Du tust!"

Der Gesandte trat dicht an ihn heran.

"Fürst Oczakoff, ich befehle Ihnen im Namen des Kaisers, ohne Widerrede zu gehorchen. Sie werden auf der Stelle abreisen. Denken Sie an Sibirien!"

Der junge Mann knirschte. Er wand sich in den umschlingenden Armen der Schwester.

Herr von Kisseleff legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte in freundlicherem Tone:

"Es ist unbedingt nötig, dass Sie reisen, Fürst, um Ihrer selbst willen. Ich weiss Alles; Sie haben eine bittere Uebereilung begangen und wollen dieselbe durch ein Verbrechen wieder gut machen. Der Kaiser würde Ihnen nie verzeihen, wenn in diesem kritischen Augenblick, wo Alles auf dem