, ich habe ein Recht zu fragen, und ich will wissen, auf welche Weise die Geheimnisse des staates in Ihre hände kommen?"
Der alte Mann verbeugte sich ehrerbietig. "In Frankreich," sagte er, "hat stets das Wort eines Edelmannes gegolten und ich bin im Vertrauen auf dasselbe hierher gekommen. Das Recht, nicht gekannt zu sein oder zu scheinen sei ein b e i d e r s e i t i g e s ."
Der Andere hüllte sich wieder in den Mantel. "Nach Ihrem Belieben, mein Herr, doch ich glaube, Sie sind uns noch immer das Resultat schuldig."
Der Pole zog nochmals Papiere hervor und überreichte sie dem wieder herangetretenen Grafen. "Hier finden Euer Excellenz das, was jede englische Zögerung aufheben wird. Es ist die geheime Instruction des Fürsten Mentschikoff und weist ihn an, auf unbedingte Anerkennung des Protektorats Russlands über die griechische Kirche und somit auf Unterwerfung der Pforte unter die russische Oberhoheit zu dringen und einen Vertrag mit ihr abzuschliessen, der 400,000 Mann und die Flotte von Sebastopol zu ihrem Schutz gegen die Westmächte stellt."
Der Mann im Mantel riss ihm die Papiere aus der Hand und durchflog sie eilig. "Das ist genug, mehr als genug!" sagte er hastig. "Lesen Sie, Graf."
Der Pole überreichte ein zweites Papier. "Hier ist das Verzeichniss der sämtlichen Streitkräfte, welche Russland in diesem Augenblick disponibel hat. Die Positionen der Truppen und die Dauer der Etappen sind genau verzeichnet, eben so die Streitkräfte und Vorräte an den Ufern des schwarzen Meeres."
"Gut, sehr gut! Aber was raten Sie nun, mein Herr?"
"Der Kaiser, von dem unterrichtet, was ich so eben hier vorzutragen die Ehre hatte, wird seine Vorbereitungen treffen, um im Augenblick der Krisis eine entsprechende und die brittische Streitmacht überwiegende Landarmee nach Constantinopel oder an die Ufer des schwarzen Meeres werfen zu können. Die Bildung eines Nord- und eines Südlagers würde die Zusammenziehung der Truppen erleichtern. Während Frankreich ohne Mühe 100,000 Mann zum Schutz der Türkei an das andere Ende des Mittelmeeres senden kann, wird eine solche Anstrengung England in seinen besten Lebensquellen erschüttern. Es wird genötigt sein, die Truppen aus Indien und den Kolonieen heranzuziehen, und indess seine unzureichende Armee im Kampf gegen Russland sich aufreibt, wird Frankreich kräftiger und mächtiger denn je als der wahre Hort Europa's und der zivilisation dastehen. Dann – ja dann, wenn England und Russland sich gegenseitig geschwächt haben, wird es Zeit sein, die Maske fortzuwerfen und die Asche des grossen toten, der hier ruht, zu rächen an seinen beiden stolzen Feinden. Dann werden der russische Doppelaar und der brittische Leoparde sich krümmen und beugen unter den Krallen des napoleonischen Adlers, und das Blut des Kaisers wird wieder der Herr der Welt sein, wie es ihm und Frankreich gebührt."
"Aber Oesterreich – Deutschland? – –"
"Oesterreich? – Es wird zuerst den Fuss des Siegers auf seinem Nacken fühlen, von zwei Seiten zugleich, an der Donau und am Po bedroht. Deutschland? – Will der Kaiser den Rheinbund? er wird im Nu zu seinen Füssen speichellecken. Und dies Preussen, hochmütig und abgeschlossen in sich selbst, es wird zaudern und zaudern, bis ihm nur der Kampf bleibt und die eigene Existenz, und in diesem Kampfe wird es sich selbst verbluten. An dem wiedererstandenen Polen und Ungarn und an dem neugeborenen Italien wird das kaiserliche Frankreich drei Stützen haben, die ihm die Welt unterjochen helfen."
Der Mann im Mantel hatte, die Rechte fest auf die Stirn gepresst, die entflammenden Worte des alten Offiziers angehört, während die Linke sich auf den Vorsprung der Gruft stützte. Der Mantel war von seinen Schultern gesunken, so stand er eine Weile stumm und still; dann wandte er sich mit einem stolzen Ausdruck zu dem Polen.
"Was immer auch Ihr Zweck sein mag, und ich glaube ihn in jenem schönen Traum von der Wiederherstellung Ihres Vaterlandes zu erkennen, – Sie haben gesiegt, und ich werde um jenes grossen toten willen Ihre Prophezeihung erfüllen, wenn Gott mir so lange das Leben lässt. – Leben Sie wohl, mein Herr, und nehmen Sie meinen Dank. Es ist hoffentlich nicht das letzte Mal, dass wir uns sprechen und ich bitte Sie, mir recht bald wieder Nachricht zu geben."
Er grüsste den Fremden höflich aber vornehm, während der Graf ihm den Mantel wieder umhing, und wandte sich nach dem Ausgang der Kirche. "Sie gehen mit uns?" fragte sein Begleiter den Offizier und verweilte einen Augenblick bei diesem. "Verzeihen Sie, Excellenz, ich habe hier noch ein Gebet zu verrichten. – In London werden Euer Excellenz das Weitere von mir hören und ich bitte Sie, jedem Boten zu vertrauen, der Ihnen zu seiner Beglaubigung dies Zeichen übergeben wird." Er zeigte dem Grafen ein eigentümlich geformtes kleines Kreuz von schwarzem Holz mit Silberstiften geziert. Der Graf neigte bejahend den Kopf, grüsste und eilte dem Vorangegangenen nach, um mit dem erhaltenen Schlüssel die Kirchtür zu öffnen.
Draussen fanden sie den General auf seiner übernommenen Wache. Mit gezogenem Hut begleitete der Veteran die geheimnissvollen Gäste bis an den harrenden Wagen und schloss selbst den Schlag. Der Graf legte zum deutungsvollen Zeichen den Finger auf den Mund, während sein Gefährte nur mit leichtem Kopfnicken Abschied nahm, und dahin rasselte die Equipage.
Der Mann