worauf er besonders lüstern, – in ihr Herz schleicht er sich ein durch tausend listige Ränke, und wenn er in der Braut- oder Liebesnacht sie in die arme presst, schwindet ihr Bewusstsein und das Blut weicht langsam aus ihren Adern, das Antlitz wird bleich und täglich bleicher, die Quellen des Lebens vertrocknen, statt frisch zu erschwellen in befruchtender Kraft; – denn allnächtlich teilt der Vampyr ihr Lager und saugt der Schlummernden das Mark aus dem Gebein, das frische rote Blut aus der zitternden Brust, und das junge Leben welkt und welkt, und ehe der Mond zwanzig Mal seinen Kreislauf vollendet, deckt die Erde den frischen Leib und das gebrochene Herz, und der Wudkoklak darf nach neuen Opfern suchen.
Zuweilen auch paart er sich mit der Wjeschtitza, dem weiblichen Gnomen, dem Gespenst mit Feuerflügeln, das Nachts sich auf die Brust des schlafenden Kriegers niedersenkt, ihn in seine arme presst und ihm seine Wut einflösst. Alsdann raubt wohl die Wjeschtitza, in Gestalt einer Hyäne, kleine Kinder und schleppt sie fort in den Wald, da die Liebe des Wudkoklak kein Leben zu zeugen vermag. Das sind dann die klagenden Stimmen, die in Fels und Wald nach den Eltern rufen, das sind die wankenden bleichen Lichter, die den Wanderer in den Moder der Sümpfe begraben!
Der Bulgare macht drei blutige Kreuze an seine Tür, um dem Wudkoklak und der Wjeschtitza den Eingang zu sperren. Doch vergeblich, denn die Wjeschtitza senkt sich im Hass und in der blutigen leidenschaft auf jede Menschenbrust, und über die Schwelle des Palastes und der Hütte, durch die ganze Welt schreitet der Wudkoklak und heftet den gierigen Mund an Unschuld und Tugend, an Alles, was schön, vertrauend und erhaben ist, und mästet sich von dem Lebensmark der Lebendigen, die sich machtlos winden in seinen Schlangenarmen! ––––––––––––––––––––––––––––
In einem Gemache des Selamlik von S a m i -Pascha zu Widdin lag auf weichen Polstern die schöne Gräfin H e l e n e L a s z l o am zweiten Morgen nach der Schlacht von Czetate. Ihre geistige und körperliche Kraft war erschüttert von dem unerwarteten Schreckniss, das über sie gekommen. Jene unerklärliche geheimnissvolle Laune des Frauenherzens, das sich selbst vermeidet, Rechenschaft zu geben, hatte sie vermocht, den Vorspiegelungen und Aufreizungen des Grafen Pisani Gehör zu geben, der ihr mit der schlauen, ganz den Interessen der revolutionairen Propaganda ergebenen Freundin auf ihre Güter nach Ungarn gefolgt war und hier verstanden hatte, den exaltirten Geist der jungen Frau zu Entschlüssen und Handlungen zu erregen, deren sie sich – hätte eben nicht ein kaum bewusster Wunsch im Grund ihrer Seele sie unterstützt, – sicher entalten haben würde. So wagte sich denn die Gräfin auf ihre Güter am Schyl und der Deszneizia, mitten in die Gefahren und die Wirrniss eines occupirten Landes und auf einen Schauplatz, der jeden Augenblick selbst die Stätte der Schlacht und des Todes werden konnte, indess der sardinische Oberst sich in's türkische Heerlager begab. Die Gräfin, in steter geheimer Verbindung mit diesem mann, der ihre politische Exaltation zu fesseln verstand, öffnete in Krajowa und auf ihrem Gute ihr Haus der Gesellschaft der russischen Offiziere und hatte die unwürdige Rolle der Spionin übernommen und seit Wochen durchgeführt, indem sie zugleich mit den zurückgebliebenen Bojaren des Fürstentums eine enge Verbindung unterhielt, unter denen Fuad-Effendi durch seine Intriguen und Versprechungen eine starke Partei für die Pforte warb.
Nur hatte der schlaue Graf ohne das Herz der jungen Frau gerechnet, dessen geheimnis allein sie zur Uebernahme jener Rolle bewogen. Nach langem und schwerem Kampf mit dem in Wien so tief verletzten weiblichen Stolz waren dem kapitän die kurzen Zeilen geworden: "Gräfin Helene Laszlo hat die Ehre, Baron von Meiendorf ihre Anwesenheit auf Schloss Badowitza anzuzeigen und wird, wenn der Dienst ihn in diese Gegend führt, den Besuch eines Freundes mit Vergnügen empfangen." – So kalt diese Mitteilung in ihrer conventionellen Form auch war, so genügte sie doch, wie wir gesehen haben, den kapitän nach Krajowa zu führen.
Zwei Mal seiter war er der schönen Frau begegnet, in Krajowa selbst und bei einem Besuche auf ihrem Gute, doch beide Male hatten der zahlreiche Hof, der die Gräfin umlagerte, und der kalte Ernst, der in dem Benehmen des Capitains lag, jede Verständigung, ja jede vertraulichere Annäherung verhindert.
So fern standen sich die Herzen, die einander gehörten und die geschaffen waren, sich zu beglücken – als die Schlacht von Czetate und die Intrigue des Sarden auf's Neue sie trennte.
Die Gräfin war bei der gewaltsamen Entführung von Schloss Badowitza durch die Dorobandschen1, die mit einer Plünderung und einem kurzen Kampfe gegen den schwachen russischen Posten verbunden war, zwar von jeder Beleidigung verschont geblieben, aber es war ihr keiner der Schrecken, keine Gefahr ihrer Lage erspart worden. Trotz aller Bitten und Versprechungen auf eine Kerutza geworfen, von Zweien der wilden Söhne des Landes bewacht, führte die wilde Jagd der Flucht sie nach den Ufern der Donau, und vergeblich ersehnte jetzt die ungarische Patriotin Hilfe und Rettung durch die Hand der russischen Unterdrücker, denn die Zahl der zum Feinde flüchtenden Dorobandschen war so bedeutend, dass sie die schwachen begegnenden Pikets leicht in die Flucht schlug.
So gelang es – während wenige Meilen davon die blutige Schlacht tobte – Apollony, dem Agenten des Sarden, im rücken der russischen Stellung seine Beute am Nachmittag glücklich bis an's Ufer der Donau und zu den türkischen Posten zu bringen. In einem Boote wurde hier