verwundet, die Jäger zum dritten Mal gegen den Feind führte und die Husaren und kosacken sich in seine Flanken warfen, ohne dass es den Führern der türkischen Kavallerie gelang, den Angriff aufzuhalten.
Die Türken wurden nach der Strasse zurückgeworfen. Zugleich erhielt Achmet-Pascha die Nachricht, dass der General-Lieutenant Graf A n r e p mit den starken Reserven von Boleschti auf Modlavit (Maglawit) anrücke und so ihn im rücken bedrohe.
Zwei Stürme Ismaël-Pascha's auf die Redoute waren unterdessen von Oberst Baumgarten zurückgeschlagen worden.
A c h m e t -Pascha gab den Befehl zum Rückzug nach einem fast achtstündigen Kampf.
So tapfer sich die Türken geschlagen, so traurig zeigten sich jetzt die schlechten Anstalten ihres Heerwesens. Der grösste teil der Verwundeten, über 500 Mann, musste hilflos auf dem Schlachtfelde zurückgelassen werden. Die Truppen unter Bellegarde zählten eine gleiche Anzahl von toten und fast das Doppelte an Verwundeten; die Türken hatten während des zwiefachen Kampfes gleichfalls über 1000 Mann verloren, so dass nach der Schlacht an 3000 tote und Verwundete auf dem Platz lagen. Der Boden war so mit Leichen bedeckt, dass kaum 48 Stunden hinreichten, sie zu beerdigen.
Um 3 Uhr traten die Türken unbehindert ihren Rückzug an, denn die Munition begann beiden Gegnern auszugehen, und sie erreichten Kalafat, ohne von den Colonnen des General Anrep angegriffen zu werden. Am nächsten Morgen hatte das letzte Bataillon sein Quartier bezogen. Sie liessen 6 Kanonen in den Händen der Russen zurück, und deren anrückende Uebermacht blieb Herr des Schlachtfeldes; aber der Zweck war erreicht, und die Stellung bei Czetate geworfen. – –
Es war am andern Vormittag, als den unter der zerstörten Mauer einer Hütte von Czetate im todesähnlichen Schlaf liegenden kapitän Meiendorf eine schüttelnde Hand weckte. Vor dem Auffahrenden stand Mungo, der Zigeuner, bleich, erschöpft, kaum sich aufrecht erhaltend.
"Dein Auftrag? sprich, hast Du ihn glücklich ausgeführt?"
Der junge Bursche schüttelte den Kopf.
"Ich kam zu spät. Die Streifwachen hielten mich auf, erst um acht Uhr Morgens erreichte ich das Dorf – die Dame war fort – das Schloss in Flammen!"
"Es ist unmöglich, – die kosacken konnten vor Mittag nicht eintreffen!"
"Nicht die kosacken, Herr, die verräterischen Dorobandschen und ein türkisches Streifcorps überfielen das Dorf, plünderten und führten die Dame gewaltsam mit sich fort. So erzählten mir die Bauern und Diener."
"Und Du bist ihrer Spur nicht gefolgt?"
"Ich tat es, Herr. Die Marodeurs, über 200 Mann stark, schlugen sich durch die schwachen russischen Posten und erreichten die Donau unweit Kalafat. Ich kehrte zurück, um Dich zu benachrichtigen. drei Stunden von hier stürzte Dein Pferd tot von der Anstrengung, – ich machte den Rest des Weges zu Fuss."
Der Offizier atmete hoch auf.
"Gott sei Dank, was kümmert mich das Pferd!" – Im nächsten Augenblick versank er in tiefes Nachsinnen. "Die Gefahr ist noch nicht vorüber," murmelte er, "sie darf nicht hierher zurückkehren und muss gewarnt werden, und ich – muss wissen, ob sie in Sicherheit ist!" – Er wandte sich laut zu dem Zigeuner: "Wann soll der Knees der Haiducken mit Dir in Widdin zusammentreffen?"
"Heute oder morgen, Herr!"
"Nimm meinen Mantel, armer Junge, und suche einige Stunden zu schlafen, dann folge mir nach Boleschti, Du wirst der Beutepferde genug und billig finden. Aber höre, versieh Dich womöglich, ehe Du Dich zur Ruhe legst, mit zwei türkischen Anzügen von den Gefallenen, wir werden ihrer bedürfen. Auf Wiedersehen, Mungo."
Der kapitän schritt in tiefen Gedanken davon, sein Pferd zu suchen.
Fussnoten
1 Zum Henker!
Der Wudkoklak.
In den Tälern der Donau lebt eine grauenvolle Sage und pflanzt sich fort von Vater auf Sohn, von Geschlecht zu Geschlecht. Wenn der Vollmond seinen bleichen Schein über Fels und Wald giesst, dann erhebt sich der Wudkoklak – der Vampyr der GriechenSlawen und Moldau-Walachen – aus seinem grab, in dem er mit offenen Augen und starrem blick schläft. Seine Klauen und Haare wachsen im Todesschlaf, – warmes Blut rinnt durch die erstorbenen Adern; denn in den unheimlichen Nächten des Vollmonds frischt er es auf, indem er durch das Land streift, den Lebenden die Rückenader öffnet und ihr rotes Blut saugt.
Schaurig ist der Glaube des Volkes! Steht ein Todter in dem Verdacht, auf diese Weise sein Grab zu verlassen, so wird er feierlich ausgegraben. Hat die Verwesung ihr Werk getan, so begnügt sich der Pope, ihn mit Weihwasser zu besprengen; ist er aber rot und blutig, so treibt man ihm den Teufel aus und stösst ihm bei seiner Wiederbeerdigung einen im Feuer gehärteten Eichenpfahl in die Brust, damit er sich nicht wieder erheben könne. Die hungrigsten Raben fliehen den Leichnam des Verfluchten schon von Weitem, ohne zu wagen, ihn auch nur mit der Schnabelspitze zu berühren!
Aber einen andern Wudkoklak gibt es, vor dem nicht der Segen des Priesters, nicht der blutige Pfahl durch die Brust zu schützen vermag: lebendig wandelt er unter den Lebenden und sucht seine Opfer. Oft wird er vom unwiderstehlichen Drang nach Schlachtengemetzel ergriffen und verlässt bei Tag und Nacht seine wohnung und schweift umher, Menschen und Tiere, die ihm begegnen, mit Bissen zerfleischend. Aber das Blut junger Mädchen und Frauen ist es,