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auf die von zwei Seiten vorrückenden Colonnen.

Achmet Pascha sandte zwei Bataillone der Reserve zur Unterstützung vor; mit einer doppelt überlegenen Macht wurde das Dorf angegriffen, während die türkische Kavallerie Ordre erhielt, sich in der Schlucht auf der Linken, durch welche quer der Weg von Czetate nach Norden führt, festzusetzen und so den Rückzug zur Redoute abzuschneiden.

Das Gefecht auf den Hügelseiten war überaus blutig; die türkischen Jäger litten furchtbar, und die erste Compagnie derselben wurde buchstäblich vernichtet. Unter dem wütenden Allahgeschrei stürmte der Nizam das Dorf. Schritt um Schritt musste durch Blut erkauft werden. Die Russen machten jede Mauer, jede Hütte zu einer Festung. Z w e i u n d d r e i ss i g Offiziere wurden hier verwundet, e i l f davon getödtet! Man sah sie ihre Mütze in die Stirn drücken und, den Säbel in der Faust, sich in die massen stürzen, um den Tod zu finden, lieber als dass sie wichen.

Dennoch drangen die Türken siegreich vores war zum ersten Male, dass im A n g r i f f der Nizam Lorbeeren errang!

An der kleinen Kirche des Ortes hielt Oberst Baumgarten mit seinen Offizieren, darunter der Regiments-Adjutant Z a g r e b a , dem das Blut fortwährend am rechten Bein von einem Schuss im Schenkel herabfloss, ohne dass der Tapfere der Verwundung achtete. Auch Major Kolomeïtseff blutete bereits aus zwei Wunden. Zur Seite des Obersten befand sich kapitän Meiendorf, der seine Dienste als Adjutant angeboten.

Der Oberst wandte sich zu ihm:

"Bellegarde und Graf Anrep lassen lange auf sich warten, Herr; man muss dieses Schiessen in Motsetseï gehört haben, und wir schlagen uns schon drei Stunden."

"Die Position ist unmöglich länger haltbar, Oberst."

"Ich sehe es und Major Topoltschann hat es mir gleichfalls melden lassen. Es ist Zeit, dass wir unsern Rückzug sichern. Reiten Sie zu S a g o s k i n und sagen Sie ihm, dass er sich fertig hält mit den Geschützen. Die Husaren werden die tête nehmen, die kosacken die Geschütze flankiren, und das zweite Bataillon soll diesmal die Ehre haben, die Arriere zu bilden. In zehn Minuten müssen wir auf dem Wege sein, und wenn Sie mich das Tuch schwenken sehen, soll Rittmeister S s z a m a r i n mit seinen Husaren im Galopp die Schlucht forciren. Sie bleiben bei ihm."

Der kapitän salutirte, während der Oberst bereits dem Regiments-Adjutanten weitere Befehle gab, und ritt zu der Batterie, die an der andern Seite der Kirche über die Häuser hinweg, in denen man sich Mann gegen Mann schlug, ein unregelmässiges Feuer gegen die unterstützenden Colonnen des Feindes unterhielt.

"achtung! Kartätschen in die Geschütze! – Die Pferde vor!" – Die Befehle waren in drei Minuten vollzogen.

Die Trommeln schlugen zum Avanciren. Das zweite und erste Bataillon machten eine Charge mit dem Bajonnet auf den Feind. –

Der Oberst schwenkte das Tuch, – die Trompeter bliesen zur Attaque und gleich einer Windsbraut galoppirte der Rest der Schwadron Husaren vom Regiment Fürst von Warschau die Strasse entlang und stürzte sich in die Schlucht zur Linken. Hinter ihnen d'rein jagte die Batterie.

Hier hatte sich, gedeckt gegen die russische Artillerie vom Dorf und von der Redoute, die türkische irregulaire Kavallerie aufgestellt mit sechs Geschützen, welche die Strasse beherrschen sollten. Der Angriff erfolgte jedoch so rasch und plötzlich, und die Verwirrung war im Augenblick so gross, dass die türkischen Geschütze nicht an's Feuern kommen konnten, und vier derselben von den Russen genommen wurden. Indem sich die Husaren und kosacken rechts und links von der Strasse ab und auf die Irregulairen warfen, gelang es der russischen Batterie, die Schlucht zu passiren und alsbald auf der entgegengesetzten Seite Posto zu fassen, von wo sie den Aus- und Eingang derselben bestreichen konnte.

Zugleich warf sich das dritte Bataillon Tobolsk über die Seiten der Schlucht, während das erste und zweite den Anprall des Nizam, durch dessen Oeffnung jetzt die türkischen kosacken zur Verfolgung heransprengten, zurückhielten und den Rückzug deckten.

Das Mordio, der Allahruf und das Hurrah der braven Infanterie zwischen dem Donner der Geschütze und dem Knattern der Flinten war sinnbetäubend, das Gemetzel in der Schlucht selbst und auf dem leicht ansteigenden Abhang zur Redoute wahrhaft furchtbar, das Blut rann, wie Augenzeugen berichten, in kleinen Bächen auf der gefrornen Erde herunter.

Mit scharfen Hieben trieb der Bei seine Arnauten in's Gefecht, um womöglich den Zug der Russen über die Strasse zu durchbrechen.

Zwei Mal gelang es ihm, zwei Mal wurde er auf's Neue zurückgedrängt.

Als er zum dritten Mal über die Strasse brach, schloss sich die Colonne hinter ihm und etwa dreissig gefährten. Bereits war das zweite Bataillon auf dem Rückzug, während das erste sich noch heldenmütig jenseits der Schlucht am rand des brennenden Dorfes schlug, und die russische Artillerie auf der halben Höhe der Redoute Stellung genommen und ihr Feuer eröffnet hatte.

Iskender-Bei, der tapfere Argonautenführer, schien verloren, – ringsum die starrenden Bajonnete, während die langen Piken der kosacken und die Säbel der Husaren seinen kleinen Haufen bedrängten. Ein Hieb hatte bereits seinen linken Arm gelähmt, doch der verwundete Löwe schien seine Kraft zu verdoppeln und war überall.

Aber die starrende Mauer der Bajonnete, gegen die er sein Pferd spornte, widerstand seiner Tollkühnheit, um ihn fielen die Bozuks