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möge meiner freundlich gedenken!"

Er wandte kurz das Pferd und sprengte davon, während der Zigeuner den Renner nach der entgegengesetzten Richtung spornte. –

Der Morgen war klar, der Himmel wolkenlos, nicht ein Windhauch bewegte die Luft, und als die Sonne aufging, bildeten das friedliche Tal der Donau, noch stellenweise mit Schnee bedeckt, und der grosse Strom, der langsam seine gelben Wässer dahinwälzte, ein Bild des Friedens und der Ruhe, das die blutigen Scenen nicht ahnen liess, die so rasch folgen sollten.

Bald nach 7 Uhr nahte die türkische Avantgarde dem Weiler am fuss des Hügels, auf dem Czetate stand.

I s m a ë l - P a s c h a mit I s k e n d e r - B e y und dem Ferik M u s t a p h a befanden sich an der Spitze der Colonne. Weder in dem Weiler, noch auf der Höhe von Czetate zeigte sich in dem ersten Licht des Tages eine Spur der Russen.

Die Colonne machte Halt, der Pascha recognoscirte einige Augenblicke das Terrain, dann wandte er sich zu seinen Begleitern.

"Halte Deine Bataillone bereit, Mustapha, und lasse Nefwik-Bei mit seinen Jägern vorrücken und sich über das Feld verbreiten. Ich werde ihm selbst meine Befehle geben. Mashallah! ich glaube, die Moskows sind davon gelaufen, ehe wir gekommen sind."

"Du irrst, Pascha," sagte der Graf; "mein Fernrohr zeigt mir, dass das Dorf besetzt ist und Artillerie dort steht. Wenn Du mir gestatten willst, will ich meine Irregulairen an dem wasser entlang ihnen in den Rükken führen."

"Allah sende ihnen Verderben! Es geschehe, wie Du sagst, Freund Bei, auf Dein Haupt komme es. Wir müssen die Höhe dort gewinnen, wir sind nicht die Esel der Moskows. Wallah! da ist der Neffe des Muschirs. Höre, Bei, Du sollst die Ehre des ersten Angriffs haben. Rücke langsam vor und nimm jene Häuser."

Nefwik und Iskender-Bei eilten nach verschiedenen Seiten davon.

Während der Letztere, gedeckt durch das Terrain auf der rechten Seite von Czetate, mit seinen beiden Regimentern Irregulairer und sechs Kanonen den kleinen See im Galopp umging, eröffnete sich bereits in der Fronte der Kampf. Die fünf Compagnieen Jäger unter Befehl Nefwik-Bei's breiteten sich rechts und links aus und begannen langsam den Hügel gegen den Weiler hinan zu steigen, zuweilen en tirailleurs feuernd, jedoch ohne eine Antwort hervorzurufen. Sie waren etwa noch 400 Schritt von dem Weiler entfernt, als plötzlich ein einzelner Kanonenschuss donnerte und sofort sich noch zwei andere Geschütze demaskirten und ein scharfes Feuer eröffneten. Das Heckenfeuer der Infanterie fiel ein und von der Spitze des Hügels begannen die vor Czetate aufgefahrenen drei Kanonen mit Passkugeln und Granaten ihr Feuer, während die am unteren Abhang mit Kartätschen schossen. Nur die letzteren taten Schaden, während die ungeschickt gezielten Schüsse der obern Batterie über die Anstürmenden weggingen und die Granaten in der Luft platzten, noch ehe sie die feindlichen Colonnen erreicht hatten.

Den Jägern Nefwik's folgte Mustapha-Pascha mit vier Bataillonen Nizam, von Hadschi-Mustapha, dem kommandirenden Offizier der Artillerie, unterstützt. Die türkischen Geschützedie vorzüglichste Waffe der ganzen Armeeschossen ungleich besser als die russischen, und ihre Passkugeln schlugen fest und sicher in die Gebäude des Weilers.

Zwei Mal setzten die Jäger unter dem Ruf: "Allah! Allah!" an, zwei Mal wurden sie von den Chargen der Russen geworfen. Wütend spornte Ismaël-Pascha sein schwarzes Pferd gegen den Nizam und trieb ihn gegen die Gebäude, während die türkischen Kanonen der Avantgarde folgten.

Oberst B a u m g a r t e n verteidigte die bedrängte Position mit grosser Kühnheit gegen den überlegenen Angriff. Die Husaren und ein Bataillon des Regiments Tobolsk waren nach Czetate zurückgesandt und die Uebermacht des Feindes war daher erdrükkend. Der Nizam griff den Weiler mit dem Bajonnet an und an vielen Punkten focht bereits Mann gegen Mann. Doch noch hielten die Russen tapfer Stand.

Den Hügel von Czetate herab jagte ein Adjutant.

"Major T o p o l t s c h a n n meldet, dass die Kavallerie des Feindes die Position am See umgangen hat und mit einer reitenden Batterie das Dorf im rücken angreift. Das zweite Bataillon und die Husaren sind bereits im Feuer."

Die Kunde war entscheidend; die Wegnahme des Dorfes, ehe man sich nach der Redoute auf der linken (rechte russische) Flanke zurückziehen konnte, hätte das Detaschement des Weilers gänzlich abgeschnitten.

Der Kommandirende sah die notwendigkeit des Rückzuges. Major K o l o m e ï t s e f f erhielt den Befehl, mit dem ersten Bataillon und den kosacken denselben zu decken und langsam zu folgen. Der Weiler stand bereits in hellen Flammen, als die drei Geschütze den Hügel hinauf jagten und dort auf der Höhe ihre gefährten ablösten. An der Spitze des dritten Bataillons durcheilte der Oberst das Dorf und warf sich auf der hintern Abdachung den Baschi-Bozuks IskenderBei's entgegen, von der Schwadron Husaren flankirt, während die Soldaten des ersten und zweiten Bataillons sich in den Häusern zu verschanzen begannen.

Die Irregulairen, die bereits einige Vorteile errungen, verloren dieselben und wichen, obschon die Aga's wütend auf die eigenen Leute losschlugen.

Der günstige Augenblick war verloren, die Russen hatten das Dorf mit ihrer ganzen Macht besetzt und eröffneten ein furchtbares Musketenfeuer