alter graubärtiger Hauptmann mit rohem finsterm Gesicht.
Der kapitän schauderte, indem er, in seinen Mantel gehüllt, an ihm vorüber ging, dann setzte er eilig und in tiefem Nachdenken den Weg zu seinem Quartiere fort.
Als der kapitän in die walachische Hütte, die er mit mehreren anderen Offizieren teilte, zurückkehrte, befahl er der Ordonnanz, sofort seine beiden Pferde zu satteln. Dann ging er und weckte im Stall einen Mann, der dort schlief.
"Steh' auf, Mungo, Du sollst mich begleiten."
Der junge Zigeuner, dem im Lager von Budeschti am Vorabend der Schlacht von Oltenitza der Offizier das Leben gerettet, sprang sofort empor und schüttelte das Heu, auf dem er gelegen, aus den Haaren. Er hatte seit jener Zeit sich den Russen angeschlossen und, das gefährliche Gewerbe des Leichendiebes und Marodeurs aufgebend, das nicht minder verzweifelte eines Spions angenommen. Da seine Wanderungen ihn nicht allein durch die ganze Walachei, sondern auch häufig in das bulgarische Uferland bis zur serbischen Gränze hin geführt hatten und er das Türkische und Bulgarische geläufig sprach, war er von den russischen Heerführern bereits vielfach zu diesen verächtlichen Diensten, die er mit grosser Gewandteit ausführte, benutzt worden, namentlich zur Unterhaltung einer Verbindung mit den bulgarischen Haiducken und den Resten der alten Hetärie. Obschon der kapitän wenig Sympatieen für ihn empfand, hatte der Bursche seit jener Zeit doch so grosse anhänglichkeit an ihn gezeigt und ihm seine Dienstleistungen, wenn er eben nicht anderweitig umherschweifte, so unabweisbar aufgedrängt, dass er es sich endlich gefallen liess, den Zigeuner mit seinem gewöhnlichen Reitknecht die sorge um seine Pferde teilen zu sehen. Da bei den beschlossenen Bewegungen gegen Kalafat die Anknüpfung und Verbindung mit den russenfreundlich Gesinnten in Widdin und im Hauptquartier des Muschirs von grösster Wichtigkeit war, wurde ausdrücklich der junge Zigeuner mit dem kapitän nach Krajowa gesandt und hatte von hier aus bereits zwei Mal das türkische Ufer und Widdin betreten, wo Alexo, der Wirt, als Agent beiden Parteien mit grosser Schlauheit diente.
Die Pferde standen bereit, der kapitän schwang sich auf, und indem er seinen Reitknecht zurückliess, befahl er Mungo, das zweite Pferd zu besteigen und ihm zu folgen.
Als sie über die Vorposten hinaus auf dem Wege in der Richtung von Czetate waren, liess der kapitän sein Ross langsam und achtlos schreiten, in düsteres Nachsinnen verloren. Endlich schien sein Entschluss gefasst, er hielt den Zügel an und rief Mungo herbei.
"Ich habe gesehen, dass Du ein guter und verwegener Reiter bist. In welcher Zeit glaubst Du, dass ich mit meinem Halbblut die Deszneizia jenseits Radowan erreichen könnte?"
"Wenn Du das Pferd anstrengst, kapitän, in fünf Stunden."
Der Offizier liess seine Uhr repetiren.
"Es ist Mitternacht! Also gegen sechs Uhr. Die kosacken werden kaum vor dieser Zeit aufbrechen und vor Mittag das Schloss nicht erreichen – sie hat demnach, auch wenn ein Hinderniss den Boten verspäten sollte, Zeit genug zur Abreise. Steig' ab, Mungo, und wechsle mit mir das Pferd."
Der Zigeuner gehorchte stillschweigend.
"Du kannst mir jetzt das Wenige, was ich für die Rettung Deines Lebens in Budeschti tat, wett machen mit einem Dienst, wenn es Dir wirklich Ernst mit Deinem Dank ist, wie Du mich so oft versichert hast."
"Befiehl, Herr, Mungo wird Dir's beweisen, und wenn es sein Leben kostet."
"Kennst Du das Dorf und das Schloss Badowitza?"
"Ich kenne es nicht, aber ich habe davon gehört in Krajowa. Es wohnt eine vornehme Dame dort, die der kapitän neulich besucht hat."
"Wohl! Höre mich genau an, denn von Deiner Botschaft und deren Eile hängt Wichtiges ab. Die Dame ist die Gräfin Laszlo, die Herrin des Schlosses. Du reitest, so rasch Du kannst, nach dem Schloss der Gräfin und suchst unter irgend einem Vorwande, ohne dass es ihrer Umgebung und dem Posten, der vielleicht noch im dorf liegt, auffällt, zu ihr zu gelangen."
"Ich werde es."
"Sobald Du sie siehst, verlange ein geheimes Gehör und sage ihr: der Warner aus dem Prater von Wien lasse sie bitten, noch in derselben Stunde abzureisen und möglichst rasch die ungarische Gränze zu erreichen. Um Mittag würde es zu spät sein. – Hast Du die Worte gemerkt?"
Der Zigeuner wiederholte sie.
"Aber, Herr, die Dame wird fragen, wer ihr die Worte sendet, oder wenigstens nach einem Beglaubigungszeichen bei einem Boten, wie ich bin."
Der Offizier hatte bereits seine Brieftafel in der Hand und reichte ihm ein zusammengeschlagenes, vor dem Abreiten im Quartier geschriebenes Papier.
"Die Vorzeigung desselben wird, wenn die Gräfin einen Beweis fordert, genügen. Zugleich wird es Dir bei den Militairpikets, die Dich anhalten könnten, als Ausweis dienen. Es entält einfach die Worte: 'Mein Diener Mungo reitet in meinen Geschäften nach Krajowa.' – Und nun, Bursche, gieb mir einen Beweis Deiner Schlauheit und Treue und schone das Pferd nicht."
Er reichte ihm das Papier und wandte das seine, doch schon nach wenigen Schritten kehrte er nochmals um und rief den Zigeuner zurück.
"Es ist möglich, dass es morgen ein heisses Treffen gibt und Du mich bei der Rückkehr nicht mehr finden könntest. Nimm diese Börse und meinen Dank für Deine Dienste, und – wenn Du die Gräfin sprichst, sage ihr, sie