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, – auf Schloss Badowitza zwischen Radowan und Krajowa aufhält. Ich erinnere mich wenigstens, Sie in Unterhaltung mit ihr gesehen zu haben, als die schöne Dame uns in voriger Woche in Krajowa besuchte."

Der kapitän verbeugte sich, um die Röte zu verbergen, die sein Gesicht überflog.

"Ich habe die Ehre, die Frau Gräfin von Wien aus zu kennen und besuchte sie noch vor einigen Tagen mit mehreren Offizieren." Er verschwieg, dass gerade die Nachricht von ihrer Anwesenheit auf den walachischen Gütern ihn veranlasst hatte, den Fürsten um den Auftrag zur Ueberbringung von Depeschen an General Anrep und zur Einleitung wichtiger Verbindungen mit dem serbischen und bulgarischen Ufer zu bitten, die ihn jetzt seit vierzehn Tagen im Hauptquartier des westlichen Corps beschäftigten.

"Werden Sie es glauben, kapitän, dass gerade diese Dame den Spion bei uns gespielt und die Mittelperson abgegeben hat, durch welche der schlaue Fuad fortwährend mit unsern Bojaren verkehrt und uns so manche Verlegenheit bereitet?"

Der Offizier erblasste, doch suchte er sich rasch zu fassen.

"Unmöglich, Excellenz," stotterte er.

"Die Beweise halte ich in der Hand, Herr kapitän. Hier dieses Paket mit gedruckten Proclamationen an die Bojaren und das Volk trägt die Unterschriften Omer's und Fuad-Effendi's; dieses Couvert, das man bei dem Boten fand, entält Briefe an verschiedene Bojaren, und ein Blatt, offenbar an die Gräfin gerichtet, in welchem mander Schreiber ist nicht genannt, – für die letzten Nachrichten dankt, die sie nach Widdin über unsere combinirten Bewegungen gegen Kalafat und die neuen Zuzüge unserer Truppen gemacht hat. Der Brief schliesst mit der Benachrichtigung, dass der Muschir zwar heute Morgen Widdin verlassen, aber den Befehl geben werde, unsere Linien bei erster gelegenheit zu durchbrechen, und bittet die Gräfin um weitere Kunde über die Dispositionen. Offenbar hat der Verkehr meiner Offiziere in ihrem haus, den ihre täglichen Einladungen so sehr beförderten, ihr alle diese Nachrichten verschafft."

"Und darf ich fragen, was Euer Excellenz beschlossen haben?"

"Ich muss natürlich Bellegarde und Baumgarten benachrichtigen lassen, auf ihrer Hut zu sein. Sie, Herr kapitän, beauftrage ich, da Ihnen die person der Gräfin hinlänglich bekannt ist, morgen bei Tagesanbruch sich mit einem Zug Husaren nach Schloss Badowitza auf den Weg zu machen, die Gräfin zu verhaften und ihre Papiere in Beschlag zu nehmen. Sie liefern die schöne Spionin nach Krajowa ab, wo sie nach meiner Rückkehr ihrer gebührenden Züchtigung nicht entgehen soll."

"Euer Excellenz erlauben mir die Bemerkung, die Gräfin ist österreichische Untertanin."

"Hier ist sie Walachin, Herr kapitän, und die Oesterreicher selbst haben uns belehrt, wie man mit diesen ungarischen Damen umspringt. K tschortu1! ich will sie peitschen lassen, wie die Oesterreicher, und sie mit kosacken über die Gränze bringen, dass das Beispiel allen Weibern künftig die Einmischung in die Politik verleiden soll!"

"Excellenz, es ist eine Dameich war im haus ihres Oheims täglicher Gast!"

"Eine Spionin ist sie, Herr," fuhr der General auf, "und als solche verdient sie behandelt zu werden. Was blieb sie nicht in Wien, statt hierher zu kommen und die Verräterin zu spielen? – Aber ich sehe, wie die Sache steht, Sie liegen eben so gut in den Netzen der schönen Rebellin, wie diese Herren hier, die schon allerlei Ausflüchte versucht haben. Ich muss einen weniger galanten Offizier schicken, wenn ich sicher sein will, dass die Dame nicht einen Ausweg findet. Skolimoffrufen Sie mir den kapitän der sechsten Ssottnie herich weiss nicht, wie der Kerl heisst, aber tauglich dazu ist er."

"Chotumofski, Excellenz!"

"Bon! Rasch, damit die Sache zu Ende kommt. Sie, Rittmeister Kowaleff, nehmen den Boten mit sich und lassen ihn an den ersten besten Baum ausserhalb des Dorfes aufknüpfen, mit einem dieser Plakate auf der Brust. Es mag den Kanaillen zur Warnung dienen. Herr kapitän, da Sie die Galanterie dem Dienst vorziehen, muss ich Ihnen eine andere Beschäftigung geben. Sie werden sogleich zu Oberst Baumgarten aufbrechen und ihm die Nachrichten mitteilen, die Sie eben gehört haben, damit er auf seiner Hut ist. Ich werde morgen ihm Verstärkung senden und wahrscheinlich selbst seine Stellung besichtigen."

Der kapitän verbeugte sich. Näher zu dem General tretend, fragte er leise:

"Haben Euer Excellenz keine Botschaft von Alexo, dem Wirt in Widdin?"

"Nein, und deshalb eben hab' ich mich anders besonnen und sende Sie nach Czetate, für den Fall, dass eine solche eintreffen sollte, da Sie der Chiffern kundig sind. Ich weiss nicht, ob man dem Menschen weiter trauen kann, nachdem er uns über diesen Verrat im Unklaren gelassen, aber vielleicht fehlte ihm selbst die Kenntniss davon. Der Bursche, den ich eben condemnirt habe, kennt den Wirt nicht. Er ist von dem Gut der Gräfin und hatte, nach seinem geständnis, nur den Auftrag, am Donauufer vorige Nacht eines Boten von drüben zu harren. Wir werden in den nächsten Tagen von Ihrem Zigeuner Gebrauch machen müssen. Er ist der Zuverlässigste von Allen, so jung er ist. Und nun Adieu, kapitän, und grüssen Sie den Obersten." Er wandte sich zu einem andern Offizier und kapitän Meiendorf verliess die Hütte. Draussen begegnete ihm schon der befohlene kosacken-Offizier, ein