Keiner von uns hat nach dem Tagesbefehl Schiessgewehr bei sich geführt. Der Erschossene da drinnen ist einer der Unsern."
"Wer also schoss?"
"Ein Baschi-Bozuk natürlich, Mir-Alai22."
"Narr! Warum sollte der seinen eigenen Kameraden erschiessen? – Ruft den Wirt der Mehana aus dem hof herbei und seine drei Wächter."
Die Leute wurden gebracht. Der Bei wandte sich zu dem Damascener.
"Woher kam der Schuss, der den Mohren niederstreckte?"
"Aus dem haus, Bei! Ich sah selbst den Rauch aus dem dach steigen."
"Durchsucht das Haus. – Kannst Du uns Auskunft geben, Wirt?"
"Excellenz, habe Gnade mit Deinem Knecht. Ich habe viele Gäste gehabt, die ich nicht kenne. Man riss mich sogleich zu Boden und schleppte mich in den Hof. Ich weiss nicht, woher der Schuss gekommen, die Angst des Todes war über mir."
Die beiden Mulassims, die mit dem On-Baschi das Haus durchsucht hatten, erschienen wieder, Marutza mit sich führend. Der Eine trug die Flinte des Haidukken.
"Wer ist das Mädchen?"
"Meine Tochter, Excellenz; sie flüchtete auf den Boden, als der Streit im haus begann."
"Habt Ihr Niemand weiter gefunden?"
"Niemand, als dies Weib und die Flinte unter dem Stroh verborgen. In der Hoda liegt ein junger Bursche, der Aufwärter des Handja, aber er ist verwundet."
"Jowan, mein Neffe!"
"Still. Mädchen, Du musst es wissen, rede die Wahrheit. Wer schoss die Flinte ab auf den Mohren?"
Der Bulgar zitterte.
"Ich, o Aga, tat es. Mein Vater war in Gefahr!"
Der Bei schaute ihr scharf in die schwarzen Augen, die mutig Stand hielten. Das ritterliche Blut des Polen trug den Sieg davon über den Moslem.
"So tatest Du brav, Mädchen, wie ich wünsche, dass meine Tochter an mir tun möge. Doch vermag ich Deinen Vater nicht vor Strafe zu schützen, weil er gegen den ausdrücklichen Befehl der Regierung Waffen in seinem haus gehegt hat. Mulassim Hassan, der Ihr in dem Lager bleibt, Ihr werdet morgen den Mann und das Mädchen zu Sami-Pascha führen. Die toten hier sind meine Sache, versteht mich wohl, nur das Gewehr geht den Pascha und seine Khawassen an. Gute Nacht, Mädchen!"
Sie neigte sich demütig und küsste den Riemen seines Steigbügels.
"Jüs-Baschi Mahmud'a, führt Eure Leute fort. Nach der Schlacht hören die Burschen da das Weitere. Und nun, meine Herren, zu unserem Corps und sorgt dafür, dass keiner der Lebendigen unter dem Vorwande einer Wunde in seiner Reihe fehle. Bei dem Gott Mahomed's und der Christen, ich will den Kerl lebendig schinden, der es wagt! Vorwärts, Jacoub'a!"
Und dem scharrenden Ross die Sporen in die Flanken pressend, flog der wilde Graf im Galopp davon – hinter ihm d'rein seine Adjutanten.
In langen, verhallenden Tönen bliesen die Hörner zum Aufbruch nach Czetate.
Fussnoten
1 Bulgarisches Dorf. 2 Saal, grosses Gemach. 3 Hunnengräbern – 15–50 Fuss hohen Grabhügeln aus dem Altertum; der Moslem nennt sie Tege. 4 So nennt der Slawen-Grieche sinnig sein Pferd. 5 Christen! 6 Turm. 7 Sehr bezeichnend für den Volkscharakter ist das Lob, das man in Bulgarien 1840 dem Pascha von Sophia, Seïd, zollte: "An dem Pascha ist weiter Nichts auszusetzen, als dass er uns, so viel er kann, Geld abschindet, aber wenigstens sieht er darauf, dass seine Leute unsere Ehre und unsere Weiber nicht antasten." 8 Rundtanz mit fest verschlungenen Armen, als Zeichen der Kraft und Vereinigung. 9 Dorfobrigkeit. 10 Wirt. 11 Ein kleines Goldstück, fünf Piaster an Wert. 12 Hundsfott! – Spanisch. 13 Lümmel! – Portugiesisch. 14 Citer. 15 Mädchen. 16 Schurke! – Italienisch. 17 Heilige Jungfrau! 18 Herren des Landes. 19 Häuptling. 20 Du bist der Herr. 21 Lümmel. 22 Oberst. Officiell wurde Iskender-Bei erst nach der Schlacht von Czetate dazu ernannt.
III. Im Gefecht! Czetate.
Der Oberbefehlshaber der russischen Armee hatte beschlossen, die Operationen gegen den linken Flügel der türkischen zu beginnen und diese aus der kleinen Walachei zu verdrängen. Zu dem Ende galt es, Kalafat zu cerniren, und General-Lieutenant Graf A n r e p - E l m p t , der bei dem Einrücken in die Fürstentümer die Avantgarde kommandirt hatte und jetzt in Krajowa befehligte, erhielt die entsprechenden Ordres. Kalafat liegt, wie ein blick auf die Karte lehrt, in einer kurzen Biegung der Donau nach NordOsten, ehe sie sich zur serbischen und ungarischen Gränze wendet. Dem entsprechend bildeten die Bewegungen der Russen auf der Basis der Donau die zwei Seiten eines Dreiecks, indem zwei mit einander in Verbindung bleibende Colonnen von Krajowa aus vorrückten. Das Corps des Generals D a n n e n b e r g bewegte sich von Karakal über den Schyl in den Rayon Radowan und lehnte seinen äussersten linken Flügel an die Mündung des Flusses, über die Deszneizia hinaus; die fünfte leichte Division des General-Lieutenants v o n F i s c h b a c h dagegen besetzte in einem forcirten Marsch die Strasse, welche von Kalafat