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Sattelpistole

sie Alle hörten deutlich das Knacken, – eine solche Stille war um den Grafen her, als sie ihn erkanntnach allen Seiten hin verloren viele der Meuterer sich eilig in's Dunkel.

"Wer hat das Aas hier erschossen? – Ihr kennt das Verbot, Feuerwaffen bei Euch zu führen. Antwort!"

"Sen ektiar der20, o Bei!" sagte endlich, sich zu Boden werfend und seinen Steigbügel küssend, der Damascener; "der Schuss kam von den Christen her aus der Mehana. Es ist unser Kismet, Deinem Willen zu gehorchen; wir haben keine Flinten."

"Was tut Ihr mit dem Mann da?"

"Er hat Kot auf unsern Glauben gehäuft. Es ist ein bulgarischer Mistträgerwir wollten ihn strafen."

"O, Aga," rief der Unglückliche, "sie warfen mit ihren Yatagans nach mir!"

Der Bei schaute nach dem Tor. "Ungeschickte Hundenennt Ihr das einen Wurf? Eine Elle vom Ziel!" Er ritt zum Tor und zog den Handjar, der noch neben dem leib des zitternden Bulgaren steckte, aus dem Holz. "Halt still, Prostak21!"

Er ritt auf fünfzehn Schritt zurück und hob sich im Sattel. Einen Augenblick wog er die schwere Klinge auf der flachen Hand, mit dem Mittelfinger den Knopf des Griffs berührend, dann warf er die Waffe, die zischend die Luft durchschnitt und kaum in Zollweite über dem Kopf des Wirtes tief in's Holz fuhr.

Ein donnernder Beifallsruf der Kinder der Wüste erschütterte die Luft.

Das war die Weise, wie Iskender-Bei diese ungezähmten Seelen gebändigt hatte. Er sagte zu ihnen: "Ich schiesse besser, wie Du, ich werfe den Djerid besser, wie Du, ich reite besser, wie Du;" und er schoss besser, er warf besser, er ritt besser, und war Allen voraus im Kampf. Der Tiger der Wüste beugte sich vor dem polnischen Wolfe und ward sein Knecht.

"Bindet den Mann los!"

Es geschah.

"Und nun fort mit Euch Schurken und zu Euren Zelten, denn in fünf Minuten lasse ich Allarm blasen und, Inshallah! – ich spiesse den, der nicht in seiner Reihe steht. Zum Dank für den Lärmen hier sollt Ihr noch diese Nacht marschiren. – Du," er wandte sich zu dem Damascener, "und zwei dieser HundssöhneIhr bleibt bei dem Mann hier, bis ich nach Euch sende."

Er wandte das Pferd und ritt nach dem haus, ohne die Bande auch nur eines Blickes weiter zu würdigen. Gleich begossenen Hunden schlichen sie eilig nach allen Seiten davon.

Am Tschardak der Mehana hatte unterdessen eine eigentümliche, fast komische Scene gespielt und dem blutigen Gemetzel ein Ende gemacht.

Während der Kampf tobte und das Blut floss, jagten mit verhängtem Zügel die Adjutanten des Bei's, Jacoub-Aga und Hidaët-Aga, in den Hof, und der Erstere, ohne alle Rücksicht auf die Niedergetretenen, sein Pferd mitten in den dichtesten Haufen. Im nächsten Augenblick schon regnete es rechts und links, vorn und hinten Hiebe mit dem schweren Kantschuh, den er in der Hand hatte, auf die Köpfe und Schultern der Stürmenden, während das Pferd, von dem tollen Reiter gespornt, rechts und links die Männer zu Boden warf. Erschrocken über den unerwarteten Gruss, stob die Bande, die nicht den Säbel der Christen, wohl aber die ungezählten Prügel des Kolassi's fürchtete, bei Seite und geriet hier in die hände Hidaët-Aga's, der sie mit einer gleichen Tracht mit der flachen Säbelklinge empfing. – "Jacoub'a! Jacoub'a! Allah beschütze uns're Köpfe!" heulte es überall, und ehe fünf Minuten vergangen, war der Platz unter dem schallenden höhnenden Gelächter der so eben noch in blutiger tödtlicher Verteidigung begriffenen Belagerten von dem Gesindel gereinigt.

Zugleich hörte man im Lager die langen gewundenen Hörner der Irregulairen in schweren klagenden Tönen die Signale zum Sammeln blasen, und von Widdin her schmetterten Trompeten und der Rest der Escadron der türkischen kosacken unter Führung eines Mulassim trabte heran.

Iskender-Bei kam ruhig aus dem hintern teil des Hofes, wo er in so tollkühner und glücklicher Weise im rechten Augenblick erschienen war, zum Tschardak geritten, auf den jetzt die Belagertenfast die Hälfte mehr oder weniger verwundetsich herausgedrängt hatten. Ein Baschi-Bozuk lag erschlagen mit weit klaffender Wunde in der Veranda; die Verwundeten hatten ihre Kameraden jedoch mit fortgeschleppt.

"Kolassi Jacoub?"

Der Aga salutirte.

"Wie viel tote?"

"Ich höre eben, dass Einer der Freiwilligen d'rinnen erschossen, ein Anderer schwer verwundet ist. Zwei Leichen der Unsern liegen in der Mehana, eine hier."

"Nur? Ein Vierter liegt im Hof; die Sache ist also gut genug abgelaufen. Jüs-Baschi Mahmud'a!"

Der Hauptmann der kosacken, der sich vergeblich bemüht hatte, die Kämpfenden auseinander zu bringen, nachdem er eilige Meldung in die Locanda Alexo's gesandt, trat vor.

"Ich bin der Höchstkommandirende hier, wenn auch Ihre Leute nicht zu den Meinen gehören. Lassen Sie die Halunken dort, die den Handel angezettelt, hervortreten."

Es geschah.

"Wer von Euch hat die zwei Schüsse getan? – Antwort!"

Einige Augenblicke schwiegen Alle, dann entgegnete der On-Baschi:

"