festen Fuss und begannen auf's Neue den Eingang zu stürmen. Wie ein Zündfeuer lief die Nachricht von dem begonnenen Streit zu dem nahe gelegenen Lager, und trotz der ausgestellten Wachen begannen bereits neue Banden des Gesindels durch das Dunkel des Abends herbeizuströmen. Vergebens war das erscheinen mehrerer unteren Offiziere, der Christenhass und der Groll, der zwischen den beiden Truppenteilen herrschte, loderte in so vollen Flammen, dass an Gehorchen vorerst nicht zu denken war.
Die kosacken unter dem Kommando des On-Baschi Stephan begannen sich in dem Gemach zu verschanzen, denn bei ihrer geringen Zahl und der grösseren Entfernung der Stadt sahen sie sehr wohl die Gefahr ein und dass es galt, sich zu halten, bis Entsatz kam. Mehrere von ihnen waren gleichfalls verwundet, ausser der Leiche des Portugiesen lag ein junger Pole zum tod getroffen am Boden, der Handjar Hussein's des Albanesen hatte seinen Schädel gespalten.
Zwei der Bozuks waren dafür in der Hoda gefallen. Sta Lucia, der Bandit, der zum grossen teil den Ausbruch des Kampfes mit veranlasst hatte, war überall und legte mit Hand an die Verbarrikadirung der Tür und der Fenster. An den Haiducken dachte Keiner mehr, man hatte ihn für einen der Baschi-Bozuks gehalten und glaubte, dass er mit den Andern entwichen. Michael Miloje aber hatte die gelegenheit benutzt, während der Kampf am Tschardak tobte, und sich mit Marutza in das Bodengeschoss geflüchtet. Seine starke Faust zog die Leiter ihnen nach.
Die wilden Gesellen, trotzend der Gefahr, liessen es dann nach der Sicherung des Eingangs ihr erstes Geschäft sein, die Vorräte der Mehana zu plündern und alles Getränk herbeizuschaffen. Ein wüstes Bachanal begann, ein Bachanal, das jeden Augenblick sich in das letzte Todesstöhnen verwandeln konnte. Durch die Fenster hinaus die Branntweinkrüge schwingend, höhnten sie ihre Gegner.
Eine kurze Pause des Kampfes war eingetreten – wohl an Zweihundert der Irregulairen waren jetzt versammelt in der Nähe und auf den braunen dunklen Gesichtern flammten alle Nüancen der erregten Leidenschaften. Offiziere sprengten neuerdings herbei und versuchten die Leute zurückzutreiben, – M a h m u d - A g a , der kapitän der kosacken, unter ihnen, – aber vergeblich drohte er, seine Escadron ausrücken zu lassen, wildes Hohn- und Rachegeschrei antwortete den Bitten und Befehlen.
Kiehnfackeln – die Ställe des Rosshändlers boten des Vorrats genug – flammten ringsum, dazu verbreitete der helle Mondschein volle klarheit. – Die Baschi-Bozuks schienen ihren Hass und ihr Unternehmen geteilt zu haben, denn ein starker Haufe hatte den unglücklichen Wirt nach der hintern Seite des Hofes geschleppt zu dem dort befindlichen Ausgange, und zeigte ihm hier sein Verbrechen: – drei rote mit Tierblut gemalte Christenkreuze auf dem Querbalken des Tores! Die fanatischen Moslems sahen darin eine Verhöhnung des Halbmonds und Ibrahim, der Derwisch, hetzte die Erbitterten. unterdessen bereitete die grössere Hälfte vor den Stufen des Tschardaks sich zum neuen Angriff vor.
Die Bozuks, welche den Bulgarenwirt trotz seiner Protestationen und seines Flehens am Tor unter den Kreuzen mit ausgespannten Gliedern festgebunden hatten, begannen nun ein teuflisches Spiel zu treiben, das stark an die Martern der Indianerstämme Nordamerika's erinnerte. Ben-Bahoui, der Damascener, hatte es angegeben. Er rief seine Landsleute zusammen, und auf etwa zehn Schritt von dem Unglücklichen tretend, wog er seinen Yatagan zwischen den Fingern und schleuderte ihn dann in geschicktem Wurf nach dem Unglücklichen, dass die Spitze etwa in Fussweite von seinem leib in das Holz fuhr.
"Kreuzigt ihn! kreuzigt ihn!"
Das gellende Hohngelächter der Wilden verschlang den Hilferuf des Gefährdeten.
Ein Zweiter der Bande – ein grosser Schwarzer mit dem stumpfen Bullenbeissergesicht der Stämme der Nilquellen – trat vor, den Wurf zu versuchen; die taumelnde Haltung bewies, dass er seine geringen Fähigkeiten im Slibowitza ersäuft hatte. Andere strömten hin und her zwischen den beiden Haufen, den Hohn ihrer Gegner in der Mehana mit der Ladung zu dem blutigen Spiel beantwortend.
"Mashallah! schlagt die Dschaurs tot!"
Die wütende Bande begann jetzt den Sturm gegen die Türen und die Fenster des Hauses. –
Der Mohr hob grinsend das schwere Messer zum Wurf – plötzlich warf er auch den andern Arm wild in die Höhe, drehte sich um sich selbst und stürzte zu Boden. Der Knall, der kräuselnde Rauch aus der Dachöffnung der Mehana zeigte, woher der Flintenschuss gefallen.
"Die Hunde haben Feuerwaffen! Wallah! Steckt
ihnen das Haus in Brand!" –
Die schwache Tür der Mehana brach vor den
Schlägen der Stürmenden, über die Trümmern her wurden die Freiwilligen und die Bozuks auf's Neue handgemein.
Wütend über den Tod eines gefährten, stürzten
Mehrere der Asiaten mit geschwungenem Handjar auf den unglücklichen Wirt zu, während Andere sich bereit machten, das Dach in Brand zu stecken.
Die Gefahr, der Tumult waren auf's Höchste gestie
gegen –
Da hob es sich wie eine dunkle Masse jenseits des
fast fünf Fuss hohen Zaunes und sie flog durch die Luft und mitten zwischen die Gruppe der Asiaten: ein braunes schäumendes Ross, das jetzt zitternd von der gewaltigen Anstrengung stand und schnaufte. Und auf dem Ross ein Mann, die breite Brust von dem silberbeschnürten schwarzen Dolman umspannt, Todesdrohung im feuersprühenden blick, das hässliche, aber energische Gesicht vor Aufregung glühend: – Graf I l i n s k i , Iskender-Bei, der Oberst der Irregulairen.
"Przeklęcie! In Eure Zelte, Ihr Hunde! Fort!"
Seine Rechte spannte den Hahn der