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Dann langsam und zögernd schob Abdallah den Rest seiner erbeuteten Imperials auf den Tisch, und der Corse warf klingend und hochmütig drei dagegen. –

"En avant, mes braves! Bringen wir einen Toast auf die schöne Marutza!"

"Allah bila versin! Der Bulgare muss sterben für den Hohn, den er uns angetan!"

Die Worte kreuzten sich mit dem gellenden Hilferuf des Mädchens; Vater und Mutter eilten herbei.

"Cenrinegato!" donnerte es zwischen das wilde Gelächter und eine kräftige Faust stiess den geilen Venetianer zurück, dass er den Boden mass, und riss das Mädchen aus den Armen der Trunkenen. –

Abdallah hatte seinen Wurf getan, – mit Hohngelächter wurde die niedre Zahl begrüsst. Sta Lucia schüttelte mit triumphirendem Lächeln den Becher und liess die Würfel rollen.

"Siebzehn! – Nichts für ungut, Kamerad, die Imperials gehören mir!" Er zog die Goldstücke zu dem Geldhaufen vor sich. –

"Marzocco! Picaro! Filho de puta! Was will der Prostak?" tönten in zehn Sprachen die Flüche durch einander und Tomasini sprang vom Boden empor und riss den Säbel aus der Scheide, dass die Klinge blank durch den Qualm und das Dunkel funkelte, das, nur von dürftigem Lampenschein gebrochen, bereits die weite Hoda füllte.

Sta Lucia schaute hinüber nach dem beginnenden Streit. Diesen Augenblick der Unachtsamkeit benutzte der Syrier, sein Gold wieder zu erhaschen, und seine hände fassten gierig danach; drei, vier Andere nahmen die Bewegung für einen Aufruf zum Raub und fielen über den Geldhaufen des Corsen her.

"Canaglia!" Einen Augenblick funkelte das Stilet des Banditen in der erhobenen Faust, dann fuhr es nieder und nagelte die Hand des unglücklichen Asiaten fest auf den Tisch.

Ein wilder Schrei des Schmerzes und der Wutgleich einer Schlange wand sich der Mann an dem gefesselten Arm.

"Wallah! Auf die Dschaurs, Ihr Gläubigen!"

Säbel und Handjars blitztenmitten hinein in den Lärmen knallte ein Schuss. – –

Der Haiduck hatte den Mantel von sich geworfen, – seine Linke suchte das Mädchen fortzudrängen und zu schützen, während die Rechte eine lange Pistole aus dem Gürtel riss.

"Zurück da, die Moma ist eine ehrliche Jungfrau und meine Braut!"

In dem wüsten Lärmen verklang der Ruf oder wurde mit Hohngelächter beantwortet; seiner Tracht nach hielten ihn die Christen für einen der Irregulairen, daher der wütende Schrei:

"Er hat Pistolen! Nieder mit dem Schuft, Kameraden!"

Der Irrtum war aber zugleich die Rettung des Haiducken. Während Monsieur Louis, der lustige Pariser, und einige Vernünftigere sich zwischen ihn und den Italiener warfen und einen tollen Streit verhindern wollten, fasste der Portugiese mit frecher Faust die Schulter und das Gewand des Mädchens, ein Ruck, und das wollene Kleid riss in Stücken und entüllte die weisse Brust der Jungfrau.

Der trunkene Lüstling tat jedoch jauchzend nur einen blick auf die entüllten Reizeder nächste schon zeigte ihm die weite Mündung einer Pistole dicht vor den Augen und mit zerschmettertem Schädel stürzte er auf seine gefährten zurück.

Der Schuss gab das Signal zum allgemeinen Kampf, die Baschi-Bozuks warfen sich von allen Seiten auf die gehassten Christen, und der lange verhaltene Groll brach in ungezügelter Heftigkeit aus. Säbel, Handjars, Dolche und Messer blitzten und färbten sich rot im Blut der Gegner.

Mit den Schlägen des schweren Pistolenkolbens hatte sich der Haiduck, die Braut im Arm, Bahn gebrochen durch das Getümmel, keine der Parteien wusste recht, woran sie mit ihm war, und so kam er glücklich bis zu der Treppenleiter, welche neben dem Heerd zum Dachgeschoss des Hauses führte, in dem ausser den Vorratsräumen zwei Kammern für die Töchter und die Mägde des Hauses sich befanden. Der scharfe blick des Knees hatte gesehen, wohin der Handja sein Gewehr verborgen, und indem er das Mädchen nötigte, die Leiter hinaufzusteigen, hatte er auch bereits die treue Waffe gefasst und hielt mit ihr Wache am Fuss der Leiter. – "Bassa manelka! Sollen wir uns von den türkischen Lumpen erschlagen lassen? Hierher, Kameraden!" Die breite kräftige Gestalt des ungarischen OnBaschi's hatte sich auf einen der Tische geschwungen, und während die Reiter sich um ihn sammelten, regnete es Hiebe von seiner breiten Klinge auf die Köpfe und Schultern der Gegner. Gawra, der Wirt, an Schlägereien des Gesindels gewöhnt, hatte Anfangs die Sache wenig gefährlich genommen und war nur herbeigeeilt, um sein Kind aus den Händen der Trunkenen zu befreien. Als aber, noch ehe er das Mädchen erreicht, der Schuss fiel und überall die Waffen blitzten, erkannte er die drohende Gefahr und drängte die Baba und ihre jüngere Tochter zur Tür. "Geschwind zur Stadt und hole Hilfe. Die Teufel stecken uns sonst das Haus über'm Kopf in Brand!" Die Weiber entflohen, während sie im Umblicken noch sahen, wie eine Anzahl der Baschi-Bozuks sich auf den Wirt selbst warf und der Knabe Jowan zu Boden geschlagen wurde.

"Hinaus mit den verräterischen Hunden! Schlagt sie fort, die asiatischen Spitzbuben!" schrie der Führer der christlichen Freischaar, und in geordneter Phalanx drangen sie auf die wilde Horde ein und ihre gewichtigen Hiebe trieben diese durch Fenster und Tür, heulend vor Wut, aus zwanzig Wunden blutend im Handgemeng. Doch nur eine kurze Zeit war der Sieg auf Seite der Christen. Im Tschardak fassten die Moslems, von den Ihren, die sich draussen umhergetrieben, unterstützt,