und ihren Verdacht einschläfern muss? Was weisst Du, wie meine Seele denkt! Doch fort mit Dir jetzt, – das Mädchen muss in die Hoda und ihrer Mutter helfen und Dich schütze der Gott unserer Väter, bis Du so viel erworben hast, dass Du die Braut heimführen kannst. In das Haus, Marutza, oder man wird nach uns spähen."
Das Mädchen riss sich los und flog über den Hof
zur Tscharda. Der junge Haiduck aber fasste des Alten Arm, der ihn gleichfalls verlassen wollte.
"Ist es nur das, Vater Gawra, das gelbe Metall,
dessen ich bedarf, um die Braut zu erhalten? Schaut her, dessen habe ich genug, mehr als ich brauche, mein Haus zu bauen und ein stattlich Gut frei zu kaufen."
Er zog aus dem breiten wollenen Gürtel einen le
dernen Beutel und zeigte ihn dem Pferdehändler, – der Beutel wog schwer von Gold.
"Bei dem Blut der heiligen Märtyrer!" fuhr der
Alte zurück, "wo hast Du das Geld her, Michael?"
"Ei, lasst Euch's nicht kümmern," lachte Dieser.
"Es ist ehrlich erworbenes Gold, das der schwarze Czar seinen tapfern Kindern, den Haiducken, gesandt hat. Aber ich kann nicht von hier, Vater Gawra, und ich will auch nicht. Ich muss Jemand erwarten, der mich innerhalb dreier Tage in Eurem Hane treffen soll, und Eure Mehana ist ein offenes Haus, ich habe so gut ein Recht, darin zu weilen, wie jeder dieser Soldaten des Padischah."
Der Bulgar bedachte sich einen Augenblick, – sein Geiz und der Anblick des vielen Goldes, das der Haiduck bei sich führte, siegten über seine Vorsicht.
"Sei es denn," sagte er, "aber bei der Panagia, bringe mich nicht in's Unglück für meine Güte. Die Soldaten kennen Dich nicht und die Khawassen meiden meine Schwelle, weil sie Schläge von ihnen fürchten. Sei vorsichtig, Michael, und mische Dich nicht in fremde Händel. Du kennst die gelegenheit und weisst, dass die Stiege neben dem Heerd zu den Bodenkammern führt. Dortin zieh Dich zurück, ehe sie auf Dich und Deine Gegenwart merken; ich werde die Weiber zu Dir senden. Gieb mir die Flinte, dass ich sie verberge."
"Ich kann die Waffe nicht von mir lassen."
"Narr! Hier würde sie auch wenig sicher sein, diese Moslems sind Diebe, die überall umherspähen."
Er holte aus dem Stall eine Schütte Stroh und steckte das Gewehr hinein. Dann nahm er es unter den Arm und schritt dem haus zu, dem jungen Knees19 winkend, ihm in einiger Entfernung zu folgen.
Drinnen in der Hoda nahm der Lärmen immer mehr überhand, je mehr der feurige Branntwein, das Spiel und der Streit die Köpfe erhitzten. Auch die BaschiBozuks standen jetzt in einzelnen Gruppen und lebhafterer Verhandlung, und ihre Augen ruhten finster auf Gawra, als er sich mit dem Stroh durch ihre Mitte wand und es in die kammer hinter dem Heerde warf. Um Sta Lucia und die beiden Bozuks hatte sich ein zahlreicher Kreis gebildet aus Moslems und Christen und schaute aufmerksam oder höhnisch dem Spiel zu. Der Corse hatte, seinen gefährten einen Wink gebend, dem habgierigen Sohn der Wüste bald den einfachen Mechanismus und den gang des Spieles begreiflich zu machen gewusst, teils durch Pantomimen, teils durch türkische Worte. Noch deutlicher wirkte das Beispiel, denn mehrere der kosacken setzten alsbald das Würfeln fort und als Sta Lucia den Syrier die beiden ersten Würfe gewinnen liess und ihm die Goldstücke zuschob, glaubte der Bozuk wirklich, sein Kismet wolle es, dass er das Geld des Dschaurs zu dem seinen mache, und mit der Gier eines echten Spielers setzte er das gefährliche Spiel fort. –
Tomasini hatte die Guzla fortgelegt und Marutza, die bei ihm vorbeischlüpfte, am wallenden Gewand ergriffen, während Rodriguez, der Spanier, ihre Hand gefasst hielt und fünf, sechs Andere um das geängstete Mädchen sich sammelten, ihr den Ausweg versperrend.
"Schöne Marutza," flüsterte der Italiener, "her zu mir, trink aus meinem Glase! Pesta, Du bist so allerliebst, dass Tomaso Dich besitzen muss, und wenn es sein Leben gälte!"
"Demonio," schrie der Rival, "der Mann will die Schönheit allein haben! – An mein Herz, schöne Senjora, Rodriguez ist gleichfalls bis über die Augen vernarrt in Dich!"
"Putao!" zischte ein dritter Nachbar und riss das Mädchen an sich. "Halb Part, Kamerad!"
Wie ein Spielball flog sie durch die hände der wüsten Gesellen.
laut auf kreischte die Jungfrau. – –
Abdallah, der Syrier, hatte nach wechselndem Verlust und Gewinn bereits sieben seiner blanken Goldstücke in den Händen des überlegenen Christen gelassen. Die Adern seiner Stirn schwollen, krampfhaft zuckten seine Finger nach dem verlorenen Gelde.
"Nimm Dich in Acht, Kamerad," sagte mit spöttischem lachen der Corse und seine Rechte spielte am Griff des Dolches, während die Linke lustig den Würfelbecher schüttelte. "Du vergreifst Dich an fremdem Eigentum. Seid Ihr solche Straccioni's, dass Ihr nicht ein Paar Geldstücke für Euer Vergnügen wagen könnt? – Etwas Ordentliches, Freund Muselmann, setze Deinen Rest, hier ist das Gold, das ich gegen halte!"
Der Moslem zauderte, – seine Genossen waren stumm, nur die blitzenden Augen zeigten den gierigen Anteil.