singen!"
Tomasini, der Venetianer, begann, auf der Guzla klimpernd, Orsino's Trinklied aus der Lucretia. Seine stimme war schön und bald sammelten sich Zuhörer um ihn und klatschen ihm ihren Beifall. Selbst die wilden Kinder der Wüste horchten den übermütigen frischen Klängen.
An dem Tisch des Corsen stand der Baschi-Bozuk, sein Auge haftete gierig auf dem Golde, das vor Sta Lucia lag.
"Hei, Kamerad – willst Du auch ein Mal Dein Glück versuchen? heraus, alter Beduine, mit den Piastern und den blanken Dukaten und Dublonen, die Du zusammen gestohlen hast." Er reichte ihm den Becher.
Der Araber verstand seine Sprache nicht, aber er legte langsam und zögernd einen Imperial auf den Tisch. Seine langen Finger krampften noch ängstlich danach, als der Corse das Goldstück nahm und prüfte.
"Diavolo! Russisches Gold? Hast Du viel dergleichen, pidocchioso?"
Er warf einen Napoleonsd'or daneben und schob dem gierigen Moslem die Würfel zu. Einige Männer sammelten sich um die Gruppe. –
Draussen am halb zusammengebrochenen Hofzaun hinter dem haus, durch den vorspringenden Stall vor den Blicken verborgen, lehnte Marutza, die älteste Tochter des Hauswirts. Um das reine ovale Gesicht mit den grossen blauen Augen wallte das Goldhaar bis fast zur Erde hinab, die jungfräulich üppige Gestalt wie mit einem Mantel umgebend. Auf dem Scheitel fehlte zwar die Ringelblume oder die Rose, mit der die Bulgarin sich schmückt, denn die Jahreszeit bot nicht die sinnige Zierde; aber der Mann vor ihr schaute auch nicht nach fremden Blumen aus, wo die Rosen auf den Wangen der Geliebten ihm glühten und aus ihren treuen melancholischen Augen alle Blüten der Zärtlichkeit ihm entgegen strahlten.
Es war ein kräftiger junger Mann von trotzig kühnem Aussehen, der glänzend gewichste Schnurrbart lang über die Mundwinkel niederhängend, auf dem haupt, das bis auf den langen, in zwei Flechten geteilten Haarbüschel auf dem Scheitel, kahl geschoren war, einen slavonischen Hut. Von dicker Wolle war seine ganze Kleidung, die kurze Kutte, der Gürtel, die Beinkleider, die Bänder, womit seine Füsse dicht umwickelt waren. über dem Allen war er in einen weiten filzartigen weissen Mantel gehüllt, der die Waffen in seinem Gürtel verbarg, bis auf die treue Flinte, die im Bereich der Hand lehnte.
"Ich sage Dir, Marutza," sprach finster der Fremde, "ich dulde es nicht länger, dass Dein Vater Dich den Blicken der Männer preisgiebt, von denen seine Habsucht ihren Vorteil zieht, statt Dich, wie es einer Bulgarin ziemt, an der Spindel oder dem Webstuhl in der kammer zu halten. Mit Maria, Deiner Schwester, mag er tun, was ihm beliebt, aber Du bist meine Braut, wenn Du auch den Schleier oder die Haube nicht trägst, und bei den vierzig Märtyrern, ich hole Dich in der Otmitza, wenn Dein Vater der Sache kein Ende macht!"
"Du tätest besser, M i l o j e ," entgegnete die stimme des Alten, der seine Tochter zu suchen gekommen war, hinter ihnen, "Du brächtest Deinen und meinen Hals nicht in Gefahr, indem Du hier umherstreichst, während die Khawassen des Pascha's und alle Leute in Widdin wissen, dass ein Preis auf Deinem kopf steht."
"Bah!" sagte der junge Mann verächtlich, indem er die Finger seiner Rechten von sich spreizte. "Ich fürchte die Schurken nicht. Ich bin ein freier Haiduck, und Sami-Pascha weiss, was er von meinen Brüdern zu erwarten hat, wenn er mir ein Haar krümmt. Mein Vater war ihr Schrecken und, bei der Panagia17! ich werde diese Türken nicht für die Tschorbadschia's18 erkennen, so lange ein Atem in dieser Brust ist."
"Aber was willst Du hier, wo tausend Augen auf uns gerichtet sind?"
"Mein Weib, Marutza, meine Braut, wie Du meinem Vater gelobt hast. Ich bin von den Bergen herunter gekommen, weil ich gehört habe, dass Du, des schnöden Geldes wegen, Deine Töchter gleich Mägden die Krieger des Grossherrn bedienen lässt."
"Du bist ein Tor, Michael Miloje! Wem anders fällt einst mein Hab' und Gut zu, als Dir und dem Mann meiner Tochter Maria? Die Weiber müssen verdienen, so lange sie im haus sind. Du kannst Marutza doch nicht mit auf Deine kalten Berge nehmen, und im Paschalik findest Du kein Celo, wo Du Dich niederlassen darfst, ehe nicht der Bann von Deinem haupt genommen ist. Was können wir tun, wir sind die Knechte!"
"Ha, bei dem Blute meines Vaters, der im Turm von Kamenitza für die Freiheit der Seinen starb," rief der Haiduck, "sind wir nicht Memmen, dass wir diese Fesseln tragen? Sind unsere Freunde, die Moskowiten, nicht jenseits des Stromes? bereit, uns zu Hilfe zu eilen, sobald nur der Kampfesruf von unsern Bergen erschallt? Ist der schwarze Czar nicht unser wahrer Vater? Schämt Euch, Gawra, der Ihr in Eurer Jugend mit dem Popen, Eurem oheim, bei Jarkoï gefochten und vor Nissa gestanden mit meinem Vater, dass Ihr so ganz vergessen habt, was Euer Herz damals entflammte."
"Törichter Junge," sagte der vorsichtige Bulgar,
sich scheu umblickend. "Ist es nicht schon deshalb, weil ich Gawra heisse, dass ich die Rache der Osmanli's fürchten