Ein weites orientalisches Gewand von weisser Wolle diente ihm zum Morgenrock und fiel, von einem mit Gold durchwirkten tunesischen Shawl um die Hüfte gehalten, über die faltigen Beinkleider von Purpurwolle, während ein Burnus von gleichfalls weisser Farbe mit Gold durchwirkt um seine Schultern hing. Das weite faltige Costüm kleidete die Heldengestalt des Offiziers und den kräftigen männlich schönen Kopf bewundernswert.
"Entschuldigen Sie, meine Damen," sagte der Vicomte höflich, indem er sie einlud, Platz zu nehmen, "dass ich Sie noch in Morgen-Toilette empfange, ich wollte Sie jedoch nicht warten lassen und stehe deshalb zu Befehl."
Die Eine der beiden Frauen hob den dichten schwarzen Schleier, der ihr Gesicht verhüllte.
"Die Fürstin! – Mein Gott – Sie hier?"
Iwanowna wandte sich zu ihrer Begleiterin.
"Verlass uns auf einige Augenblicke, Annuschka, ich stehe unter dem Schutz der Ehre des Herrn Vicomte."
Die Milchschwester der Fürstin verschwand in das Vorgemach.
Méricourt ergriff die Hand der Dame und führte sie zum Divan. Die seine zitterte lebhaft, die Röte hoher Erregung lag auf seinem schönen Gesicht.
"So viel Glück und so viel Schmerz in einem Moment, Fürstin, es ist zu viel, selbst für eine Männerbrust."
Das Antlitz des jungen Mädchens war bleich, aber eine aufopfernde feste Entschlossenheit lag in jeder Miene, selbst ihre stimme zitterte nicht.
"Sie wissen, Vicomte, warum ich komme."
Der Franzose beugte sich mit schmerzlichem Lächeln auf ihre Hand, die er gefasst hielt.
"Sie werden sich noch heute mit Iwan, meinem Bruder, schlagen?"
Eine leichte Neigung des gesenkten Hauptes gab ihr die Antwort.
"Méricourt, Sie werden es nicht tun, – um meinetwillen."
"Es ist unmöglich, Fürstin, mein Leben steht zu Ihren Diensten, nicht meine Ehre als Edelmann. Ihr Bruder verweigert jede Erklärung."
"Ich weiss es, ich war ungesehen Zeuge seiner Unterredung mit Herrn de Sazé. Sagen Sie mir – wie kam es dahin?"
"Bei meiner Ehre, Fürstin," sagte der Offizier aufatmend und seinen blick zu dem Mädchen erhebend, "ich bin schuldlos daran, ich weiss es selbst nicht, und dass mir noch auf Erden das Glück zu teil geworden, Ihnen mündlich das sagen zu dürfen, was Sie morgen durch den kalten Buchstaben meiner Abschiedsworte an Sie erfahren hätten, – das erfüllt den geheimsten Wunsch meines Herzens. Ein böser Dämon muss Ihren Bruder regiert haben. Seine Worte, seine Beleidigungen sind mir unerklärlich. Ich fand ihn mit dem Obersten beim Spieltisch und geselle mich zu ihm. Der Fürst war offenbar sehr aufgeregt und als ich ihn fragte, ob ich ihn am Morgen zu einem Spazierritt abholen dürfe, wie wir früher verabredet, entgegnete er heftig: er werde allein reiten, er brauche weder einen Vormund, noch – –"
"Sprechen Sie!"
"– noch einen Spion!"
"Mein Gott!"
"Ich war im ersten Augenblicke so bestürzt, dass mir fast die Fassung fehlte. Einige Gesichter wandten sich gegen uns – man weiss, Fürstin, dass ich keine Memme bin und bei Beleidigungen ruhig bleiben darf. Ihr Bild, Iwanowna, stand vor mir. – 'Sie reden irre, Fürst,' sagte ich und fasste seinen Arm, 'Sie haben mich wahrscheinlich nicht verstanden. Kommen Sie, lassen Sie uns plaudern.' – Ihr Bruder riss sich los. 'Ich habe Sie sehr wohl verstanden, mein Herr,' sagte er barsch, 'und wenn Sie meine Worte nicht verstehen wollen, so werden Sie vielleicht Das verstehen.' – Fürstin, er – –"
"Zu Ende, zu Ende!"
"Er hob die Hand gegen mich, einen Moment zwar nur, aber – er hob die Hand!"
Der kapitän war bleich geworden bei der Erzählung.
"Der Unglückliche!"
Diesmal war es die Dame, die das Haupt vor dem mann in unsäglichem Schmerz beugte.
Der kapitän schwieg, das Gefühl der schweren Beleidigung machte dem innigen Mitleiden Platz bei dem blick auf das erschütterte Mädchen.
"Ich wiederhole Ihnen, Fürstin," sagte er endlich, "ich weiss noch immer nicht, was dieses Benehmen Ihres Bruders hervorgerufen hat, nur ein Missverständniss oder eine Verleumdung kann die Veranlassung sein, doch leider ist die Sache nicht mehr zu ändern. Sie kennen selbst das Weitere."
"Das ist Wassilkowitsch's Werk!" rief die Fürstin; "jetzt ist mir Alles klar und mein Widerwille vor diesem mann hat mich nicht betrogen. Ich weiss, Vicomte, wie edel, wie grossmütig Sie gehandelt haben! Ich weiss, dass nach den Gesetzen der Ehre unter Militairs eine solche Beleidigung nur durch den Tod des Beleidigers gesühnt werden kann, und dennoch haben Sie dem Unglücklichen die Hand zur Sühne geboten und nur seine Entschuldigung verlangt, Sie, der tapfere Offizier, der Spiegel stolzen Rufs für alle Soldaten ..."
"Ich bin es nicht mehr, Fürstin," unterbrach sie Méricourt. "Heute Morgen habe ich Herrn von Saint Arnaud meine Entlassung eingereicht."
"Wie, Sie haben – –"
"Es war nötig, Fürstin, der Offizier konnte jene Sühne unmöglich bieten. – Es war Ihr Bruder, Iwanowna!"
"Und dennoch Alles vergeblich, – ich kenne seinen eisernen Sinn von Kindheit auf, er würde sich eher zerreissen lassen, als durch eine Entschuldigung selbst