vereint hat, kämpft noch trotzig gegen den türkischen Zwingherrn.
Offenbar hofften die Russen bei dem gegenwärtigen Zug an die Donau auf einen neuen Aufstand des bulgarischen Volkes und machten auch vielfache Versuche zur Gründung von Freischaaren. Aber die Kraft des Volkes war in den dreizehn Jahren noch nicht wieder genügend erstarkt und der Bulgare erinnerte sich, wie drei Mal seit eines Menschen Gedenken der schwarze Czar, obschon einer seiner ältesten Titel der eines "Fürsten der Bulgaren" ist, seine Rettung den eigenen Interessen geopfert und ihn seinem Zwingherrn stets auf's Neue zu noch härterer Knechtschaft überlassen hatte. Der Aufstand – der Omer Pascha's Heer hätte vernichten müssen, – unterblieb, und die griechische Erhebung im Epirus und in Macedonien fand nicht die gehoffte Stütze am Balkan. – –
Im Hane des Wirtes G a w r a ging es lebendig her an dem Nachmittage des Tages, der uns in der Lokanda des Slowaken Alexo zu Widdin gefunden hat. Der schlaue Handja10 hatte die Nähe der türkischen Lager benutzt, um einen Handel und Ausschank von Getränken anzulegen, und handelte und verhandelte dabei mit Glück und Gewinn manches Ross, teils aus dem eigenen Stall, teils von der Beute, welche die Irregulairen und türkischen Husaren von den Streifzügen über Kalafat hinaus mit zurückbrachten. So strömten denn auch Viele nach dem Abzug des Muschirs und nachdem die Truppen von der Besichtigung zu ihren Quartieren in der Palanka Widdins und dem fliegenden Lager zwischen der Heerstrasse nach Nissa und dem Strom zurückgekehrt, nach der Mehana.
Das Hane war der gewöhnliche Verkehrsort der Irregulairen, seit Kurzem aber auch ihrer christlichen Nebenbuhler, der türkischen kosacken, dieses Corps aus walachischen Freiwilligen und den Flüchtlingen jedes Landes Europa's, die aus irgend einem grund sich nicht zu der Annahme des Islams bequemen wollten, denn diese gehört unbedingt zum Eintritt in den türkischen Nizam. Die türkischen kosacken waren daher von den Moslems nicht nur als Dschaurs verachtet, sondern offen von ihnen gehasst, und wurden auf alle gefährlichen und verlorenen Posten gestellt, da ihre verwogene Tollkühnheit keine Hindernisse kannte. Mit Groll und Aerger sahen die Baschi-Bozuks sich im Hane des Bulgaren seit einigen Tagen von ihren Gegnern verdrängt, die der Ruf von der Schönheit der beiden Töchter des Wirtes und einige zufällige Pferdekäufe dahin geführt hatten, und mit Ingrimm bemerkten sie, wie der Handja selbst sich weit mehr mit den Dschaurs zu tun machte, deren Geld leichter rollte und die mehr verzehrten, als die geizigen Moslems.
Die Baschi-Bozuks waren heute zahlreicher versammelt als gewöhnlich und füllten nicht allein die grössere Hälfte des untern Hauses, sondern strömten auf dem breiten Tschardak fortwährend ab und zu. Die bunten wüsten Gruppen, auf dem Boden umherkauernd ober gleich Statüen an der getünchten Wand lehnend, boten einen seltsamen phantastischen Anblick. Neben dem Albanesen von Janina mit der heute zu Ehren der Besichtigung wieder einmal rein gewaschenen Fustanelle, dem langbezipfelten Fess und der goldbetressten Jacke, sass der schmuzige Bosniake, der Arnaut mit den grünen zerlumpten, engen Hosen, die er irgend einem Christen gestohlen, der offenen roten Aermel-Weste und dem um den Kopf geschlungenen Tuch, unter dem die dunklen, unruhigen Augen umherblitzten, – oder gar der Syrier mit dem bronzefarbenen Gesicht, dem weiten, einst weissen, jetzt zu schmuzigen Fetzen gewordenen Gewande. Daneben das ebenholzfarbene Gesicht des Mohren aus Derr oder Kordofan; das gelbe Antlitz des Egypters – des armen Fellah, – der, von Hütte und Familie gerissen, hier den ihm gleichgültigen Streit des Grossherrn ausfechten sollte. Der Araber aus den Wüsten von Yemen, der Bewohner der Oeden um Damaskus, der Druse vom Libanon, die Vertreter aller wilden Stämme Albaniens neben dem breitbackigen Turkomanen mit den kleingeschlitzten, scharfen Augen! Grausamkeit, Apatie, Fanatismus und Spitzbüberei auf allen den braunen, weissen, gelben und schwarzen Gesichtern, ein Gewirr von Trachten in Farbe und Schnitt, keine der andern gleich, der feine Seidenshawl um schmuzige Lumpen gewunden, Fez und Turban, Tuch und kurdische Mütze; der Kaftan und der Ziegenhaarmantel, das entblösste Bein und die rote albanesische Gamasche; Goldstickerei neben der wollenen, kaum die Blösse verhüllenden Decke, der blinkende Sporen an dem einen schleppenden Pantoffel, die gelbledernen Strümpfe der Türken ober das unbehilfliche Schuhwerk, das die Regierung geliefert. Dazu ein Arsenal von scharfen Waffen jeder Art, das den Sammler und selbst den Altertumsforscher entzückt haben würde. Der Säbel in jeder Form und Biegung in Sammet und Lederscheide, im Metall klirrend, oft ohne alle Hülle – der kostbare bleigraue Damascener Stahl in der einfachsten Scheide, Handjars jeder Grösse und Form, vom handbreiten syrischen Yatagan bis zur schweren, gewichtigen Waffe des Turkomanen, kurdische Messer, die mehr gerade Klinge der Stämme des Peloponnes, der gewundene eiserne Dolch, vielleicht noch aus den zeiten der Kreuzzüge von Vater auf Sohn vererbt – eherne und hölzerne, fusslange Griffe, mit silbernen Buckeln und Stiften beschlagen, – Perlmutter und Elfenbein, Juwelen und edle Steine an vielen verschwendet. Dazwischen das plumpe Seitengewehr, das der Nizam trägt, der unvermeidliche Tabakksbeutel überall, die Feuerzange in ihrer messingenen Kapsel im Gürtel – der Schibuk in Aller mund, – eine Wolke voll Tabacksqualm und Knoblauchsgeruch über allen Köpfen; – zwischen den stillen, ernsten Gruppen mit dem Kaffeebecher oder dem irdenen Krug voll scharfem Slibowitza, der wie wasser durch diese abgehärteten Kehlen floss, einige zerlumpte schmuzige Derwische mit der topfartigen Filzmütze und dem braunen oder grauen Mantel – das war der Anblick, den die grössere Hälfte des ziemlich weiten Raumes bot.