die Gräfin ohne aufsehen aufzuheben und nach der Donau zu bringen. Wie Sie über dieselbe gelangen, oder zum Lager von Kalafat, ist Ihre Sache. Die Dame, die so schonend wie möglich behandelt werden muss und gegen die ich jede Beleidigung auf das Strengste untersage, wird im Konak Sami-Pascha's hier in Widdin abgeliefert. Ist dies geschehen, so wird Alexo Ihnen sofort die versprochenen 200 Dukaten auszahlen. Sagen Sie mir nun, ob Sie sich das Unternehmen auszuführen getrauen?"
"Es ist ein Kinderspiel, wenn die Entfernung nicht wäre. Ich muss den Strom hinabgehen und an einer anderen Stelle übersetzen, was schwierig ist, da überall noch Eis liegt. Der Weg durch unsere Stellung von Kalafat würde mir einen Tag ersparen, doch sind die Moslems sehr misstrauisch und ihre Linien stark besetzt."
"Werden Sie durch die Vorposten der Russen nicht gefährdet sein?"
Der Walache lächelte spöttisch.
"Ich besitze genügende russische Papiere – für Gold ist da drüben Alles zu haben – und kenne überdies die Gegend genau."
"So kann ich Ihnen die Mittel geben, zu jeder Zeit und wie Sie es für gut finden, bei den türkischen Posten während der nächsten drei Tage aus- und, einzupassiren, ja überall die nötige Hilfe sich zu sichern. Hier ist eine Ordre des Muschirs; der Zufall hat mich in ihren Besitz gebracht."
Apollony untersuchte das Papier.
"Betrachten Sie die Sache als abgemacht, Herr. Spätestens übermorgen Abend ist die Dame im Haremlik des Gouverneurs, oder ich habe meinen Kopf verspielt. Aber ich muss etwas Geld im Voraus haben."
"Alexo wird Ihnen fünfzig Dukaten geben. Noch Eins; – die Gräfin muss die Leute entweder für ein türkisches Streifcorps oder für Ueberläufer halten. Es kommt nur darauf an, dass ihrer person Nichts widerfährt, und Gewalt wird sogar besser sein. Etwas Schrecken und Angst wird ihr nicht schaden, mit ihrer Umgebung machen Sie keine Umstände und betrachten sie als Feinde. Unter keiner Bedingung darf aber die Dame ahnen, dass ihre Entführung von hier aus eingeleitet ist, keine Sylbe von meiner person, verstehen Sie wohl?"
"Ihre Befehle sollen erfüllt werden! Auf übermorgen also."
Der Oberst nickte.
"Gutes Glück! Alexo, gieb ihm das Gold."
Fussnoten
1 Die offene Veranda vor den meisten türkischen Häusern. 2 Arzt. 3 Armeecorps. 4 Bäcker. 5 Knaben, Pagen, aber leider auch zu anderen empörenden Zwecken missbraucht. 6 Lieutenant. 7 Divisions-General. 8 Brigade-Generale. 9 Jacoub-Aga; im Gespräch wird dies häufig apostrophirt. 10 Major. 11 Bulgarische Wagen, gewöhnlich mit Ochsengespann; Arabadschi, die Wagenlenker, Ochsentreiber. 12 Weisser Fusel aus Pflaumen etc. 13 Türkisches Papiergeld. 14 Gouverneur. 15 Mädchenentführung, unter den Haiducken sehr häufig. 16 Bulgarische Hausfrau. 17 Strasse. 18 Gastaus. 19 Schenkwirtschaft. 20 Unteroffiziere, Ordonnanzen.
II. Die Völker.
Die Mehana des Bulgaren G a w r a befand sich ungefähr zehn Minuten vor dem südlichen Tor Widdins an der Strasse nach Nissa und Ternowo, der heiligen Stadt des Landes. Das Celo1, zu dem sie gehörte, lag weiter ab von der Strasse. Jenseits derselben, hinaus in's Feld nach der Donau zu, erstreckte sich das fliegende Lager der Baschi-Bozuks, die hier die Reserve für die Garnison von Kalafat bildeten.
Die Hane war nicht nach bulgarischer Art gebaut, die ein rundes, bis auf etwa zwei Fuss vom Boden abstehendes Schobendach zeigt, während das Haus selbst tief in die Erde gegraben ist und man auf Stufen dazu hinuntersteigt. Sie war vielmehr nach städtischem Muster eingerichtet, einstöckig und mit einer grossen gemeinschaftlichen Hoda2 versehen, die zugleich Küche, Wohn- und Gaststube, bis auf zwei kleine Kammern den ganzen unteren Raum der Umfassungsmauern einnahm, und nur die vielen weissen, von der Sonne gebleichten und auf Pfähle gesteckten Ochsen- und Pferdeschädel rings um den Hof verkündeten die bulgarische Wohnstätte. Ein grosser grüner Busch über der Haustür zeigte die Eigenschaft als Schänke an, – mehrere nach bulgarischer Weise eingerichtete Ställe – denn jede Art der Haustiere hat hier ihre besondere wohnung – umgaben das Hauptgebäude.
Gawra, der Wirt und Pferdehändler, galt unter seinen Landsleuten für einen habsüchtigen, aber wohlhabenden Mann, wenn er auch den Gebietern gegenüber Letzteres auf alle mögliche Weise zu verbergen suchte und die ganze Wirtschaft daher äusserlich ein verkommenes und liederliches Ansehen zeigte. Der Bulgar unterscheidet sich im Ganzen sehr zu seinen Gunsten von allen anderen Raçen der Bevölkerung der transsylvanischen Halbinsel. Er ist fleissig, betriebsam, ehrlich und unverdrossen. Geschickt zu jedem Handel und Gewerk, zu Ackerbau, Viehzucht und Industrie, wäre dies Volk unter einer verständigen und milden herrschaft der grössten Ausbildung fähig, und ihr Land – an den beiden Abhängen des Balkans alle Erzeugnisse des europäischen Südens und Nordens vereinigend – besitzt einen natürlichen Reichtum, wie kein anderes. Während an den Abhängen zur Donau buch und Eiche, Platane und Wallnuss die mächtigen Kronen aus den üppigen Buschpflanzen emporstrecken, der wilde Wein sich um ihre Stämme rankt und die Täler fette Weidentriften in Unzahl bieten, tront hoch darüber der Felsengrad des Hämus mit Schluchten und unzugänglichen Bergwänden, in deren Tiefen Schätze edlen Metalls verborgen sind. Rasche goldhaltige Wässer springen von Fels zu Fels hinab, zur Donau drängend oder jenseits hinüber zu den Küsten des herrlichen ägeischen Meers. Der Bär, der Luchs und der Adler hausen auf diesen