weib noch weiter den Schauplatz des Excesses beschreiben liess. Mehrere der jüngeren Offiziere umgaben die hübsche junge Bulgarin, die weinend und zitternd sich an den deutschen Arzt drängte, der sie hereingeführt.
Im Galopp flog ein Reiter vor das Haus, warf sich aus dem Sattel und man hörte ihn laut nach dem Bei fragen. Es war bereits dunkel geworden, der Retraiteschuss der Festung jedoch, der die Tore schloss, noch nicht gefallen.
Der Führer der Irregulairen beugte sich aus dem Fenster.
"Was gibt's? wer frägt nach mir?"
"Der Jüs-Baschi der kosacken, Mahmud-Aga, lässt melden, dass eine grosse Anzahl der Irregulairen mit seinen Leuten handgemein geworden ist in einer bulgarischen Mehana19 an der Strasse nach Nissa. Der Kolassi ist bereits in Kalafat und der Aga zu schwach, dem Kampfe zu steuern."
"Tysiąc byci mać mordowalo!" fluchte der Bei in seiner Muttersprache, "das ist ein Anderes! Zu Pferde, meine Herren, wir müssen die Schufte auseinander treiben, sonst hauen sie sich gegenseitig in Stücke!" Er sprang die Stiege hinab und rief unter dem Tschardak nach seinem Ross. Mehrere der Offiziere folgten ihm – andere blieben ruhig sitzen, dergleichen Auftritte ereigneten sich zu häufig, um ihre Ruhe noch zu stören. Seine On-Baschi's20 voran, jagte der Bei davon. –
"Hierher, Excellenz!" flüsterte der slavonische Wirt, indem er die Hand des sardinischen Obersten berührte. "Folgen Sie mir."
Es ist ein eigentümliches Zeichen des militairischen Verhältnisses in der türkischen Armee, dass ausser dem Dienst es weder Offizieren noch Gemeinen auch nur einfällt, den Vorgesetzten als solchen und anders, denn als gleichstehenden Kameraden zu behandeln.
Die beiden unteren Gemächer, die Küche und die Veranda der Lokanda lagen voll von Militairs jeder Gattung, zum grössten teil Renegaten; aber auch die Moslems kümmerten sich nicht um die Durchdrängenden. Zechend und spielend, von den Leuten des Kahvedschi bedient, war Alles nur mit dem eigenen Vergnügen beschäftigt.
Der Sarde folgte dem Wirt durch den Flur und einen kurzen gang in ein anstossendes Hintergebäude und zu einem kleinen leeren Zimmer.
"Verzeihen, Excellenz," bat der Slovake, "dass ich Sie hierher führe, aber nirgends im ganzen haus ist ein Plätzchen, wo man sich ungestört besprechen kann."
Der Oberst warf das Geld, das er gewonnen, auf den Tisch.
"Hier ist Etwas für den Brief der Gräfin, den Du mir gestern sandtest, und die hundert Dukaten, die Du für den Ferman des tollen Aga's ausgelegt. Der Ueberschuss ist Dein. Gieb mir das Papier."
"Aber wenn der Aga es einlösen will?"
"Bah! – er denkt nicht daran; ich werde dafür sorgen, dass er Beschäftigung genug hat. In drei Tagen kannst Du es ausserdem zurück erhalten. Wie steht's mit meinem Auftrag?"
"Excellenz Befehle sind erfüllt, aber wie ich die Verhältnisse kenne, wird mein Plan der einzig ausführbare sein. Ich habe sichere Kunde, dass eine Anzahl Dorobandschen die gelegenheit zum Desertiren erlauert. A p o l l o n y ist bereit, auf das russische Gebiet zu gehen und die Leute zu führen; es wird ihnen dabei ein Leichtes sein, die Gräfin in ihrem Schloss an der Deszneizia aufzuheben und über die Donau zu bringen. Apollony bürgt mit seinem Kopf dafür, während auch die keckste Schaar der türkischen Truppen nicht die Hälfte des Weges zurücklegen würde."
Der Graf schwieg, einige Augenblicke nachsinnend.
"Ist der Mann treu?"
"Wie Stahl und Gold, Excellenz, ich verschwöre mein Leben für ihn. Er führt die meisten Ueberläufer."
"Du weisst," sagte der Oberst, "dass, wenn die Entführung gelingt, Du 200 Dukaten erhältst und der Walache eben so viel. Betrügst Du mich, – denn ich weiss sehr wohl, dass Du den Russen eben so gut dienst, wie mir, – so werde ich dafür sorgen, dass Sami-Pascha Dich eines schönen Morgens an Deiner eigenen Haustür aufhängen lässt. Führe den Mann zu mir."
Der Wirt verschwand und kehrte bald nachher mit einem jungen mann zurück, der, obschon in türkischer Offizieruniform, doch nur als Volontair in der Armee diente, und – ein geborener Walache – durch seine Bestrebungen, seine Landsleute aufzuwiegeln und auf die türkische Seite herüberzuziehen, sich ausgezeichnet hatte.
"Alexo hat Ihnen von dem Unternehmen bereits gesprochen," sagte der Graf. "Die eingetretenen Umstände erleichtern die Sache. Das Gut und Schloss der Gräfin Laszlo an der Strasse nach Radovan liegt zwar zwei Meilen innerhalb der russischen Linien, doch wird die Gegend morgen von Truppen entblösst sein. kennen Sie Schloss Badowitza?"
"Sehr gut, Aga!"
"Desto besser; also hören Sie! Die russischen Truppen haben eine Expedition gegen einen Ihnen gewiss bekannten Punkt, Czetate, etwa drei Meilen oberhalb Kalafat, unternommen, und werden sich dort festsetzen. Ich bin durch einen Brief gestern genau unterrichtet worden, dass auch die Detaschements, die in der Nähe von Tschoroy und der Deszneizia stehen, dahin kommandirt sind, das Gut der Gräfin Laszlo also ohne namhafte Verteidigung in diesem Augenblicke ist. Alexo, der Wirt, sagt nur, dass Sie der Dorobandschen, die in jener Gegend stehen, sicher sind. Wir werden morgen die Russen bei Czetate angreifen. Sie müssen die Zeit benutzen, um