hielten sich die geborenen Türken an den letzteren, den sie wie den Slibowitza12 aus Kannen und Biergläsern durch die Kehle giessen. Der Prophet hat ja nur den Wein verboten, und auch dies Verbot wird jetzt selbst ziemlich öffentlich missachtet, wie bei uns die Juden den Schinken verspeisen.
"Nun, Doctor," sagte Jacoub-Aga, der die Bank hielt, "wollen Sie denn nicht ein Mal Ihr Glück versuchen? Zum Teufel mit der Kopfhängerei, leben Sie dem Vergnügen, Sie werden der traurigen Beschäftigung des Arm- und Bein-Abschneidens genug haben, ehe zwei Mal vierundzwanzig Stunden vergehen."
"Ich hörte bereits davon, Kolassi," fragte der Arzt. "Hat man nähere Nachrichten?"
"Die Russen kriechen endlich aus ihren Mauselöchern," lachte der Bei. "Ihre Tirailleurs stehen bereits bei Ezetate und ich glaube, sie haben Lust, sich dort festzusetzen."
"Werden wir angreifen?"
"Versteht sich! Morgen rücken wir aus – aber Sebal cie pies! der heutige Tag gehört noch uns. Nur Wersbitzki muss diese Nacht bereits fort, um zu recognosciren; das hat der Narr davon, dass er den Koran verachtet!"
"Vorsichtig," mahnte Hidaet-Aga; "der slavonische Spitzbube macht sich fortwährend hier zu schaffen und lauscht auf jede Sylbe!"
"Torheit!" höhnte der Bei; "Alexo weiss die Sache besser wie wir. – drei Dukaten auf die Dame!"
Ein Reiter sprengte unten vor das Haus und stürmte die Treppe herauf.
"Osman-Aga? welcher Dämon führt Sie zurück?"
"Mashallah, Inshallah, Bismillah und alle Allah's daneben, denn ich bin ein gläubiger Moslem und kein Jude mehr," lachte der Wildfang. "Der Muschir ist ein prächtiger Mann, er hat mich wieder zurückgeschickt, um ihm nach dem Angriff weitere Kunde nachzubringen. Hussah! Wein her! Wer hält die Bank? ich muss meine Uhr und meine Ringe von dieser Nacht zurückgewinnen!"
"Ich gebe Revange," sagte der Bei und nahm die Karten. "Ah, sieh da, Graf Pisani! willkommen, Herr Kamerad, bei unserer Unterhaltung. Ich fürchtete schon, Sie liebten weder Spiel noch Wein und belagerten nur das Haremlik des würdigen Sami's."
"Ich überführe Sie von Ihrem Irrtum, Graf," entgegnete der Oberst, der eben eingetreten war, und warf eine Börse mit Gold auf den Tisch. "Fünf Doublonen auf den Buben hier!"
"Wahrhaftig, der Bursche hat gewonnen. Was, ein Paroli? ich sehe, Sie verstehen die Sache."
Das Spiel nahm seinen Fortgang. In allen Ecken des Zimmers lärmte eine Gruppe. Französisch – Türkisch – Italienisch – Polnisch – Ungarisch und alle slavonischen Sprachen flossen in der Unterhaltung bunt durcheinander. Welland hatte sich längst darin ergeben, für den Abend und die Nacht auf die Ruhe verzichten zu müssen, dergleichen kam so oft vor, und unterhielt sich auf der Gallerie vor den Fenstern mit kapitän M a x w e l l und Master G o d k i n , den beiden Berichterstattern der Daily niews und des Morning Chronicle, ehe er seinen Abendbesuch im Lazaret machte.
Alexo, der Wirt, hatte neuen Bordeaux auf den Tisch der Spieler gepflanzt und dabei war ein bedeutsamer blick des Sardiniers dein seinen begegnet. Der des Wirtes bejahte und deutete nach der Tür.
"geben Sie mir jetzt die Bank," erklärte Pisani und legte seine Uhr neben sich. "Ich bin Ihnen Revange schuldig und werde sie dreissig Minuten halten, aber keinen Augenblick länger, denn ich habe noch einige Geschäfte. Heran, meine Herren, faites vôtre jeu!"
Die Offiziere spielten eifrig weiter, denn der Sardinier war im Glück und hatte bereits einen Haufen von Gold und Kaïmels13 vor sich gehäuft. Osman'a, der Jude, sah mit leidenschaftlichen Blicken und vom Wein erhitztem Gesicht dem Spiele zu. Er hatte schon Alles bis auf das goldgestickte Sattelzeug seines Pferdes, selbst seinen mit den schweren Goldschnüren pikeschenartig gezierten Rock der türkischen Husaren, deren Corps er angehörte, verloren.
"Wollen Sie einen Wechsel auf hundert Dukaten von mir annehmen, Herr Graf?" fragte er endlich hastig. "Mein Vater ist Banquier in Temeswar und wird ihn einlösen, wie meine Kameraden mir bezeugen können."
Der Sardinier verneigte sich höflich.
"Ich zweifle keinen Augenblick daran, mein Herr, aber ich mache nie dergleichen Geschäfte."
"Alexo! Schurke, hierher! Zum Henker, wo steckt der Spitzbube?"
Der Slavonier schoss herbei.
"Befehlen die Herren frisches Getränk?"
"Unsinn, Kot! Du sollst mir einen Wechsel discontiren; ich weiss, Du hast Geld, wenn Du nur willst."
Der Slovake wand und krümmte sich wie ein Wurm. Er wusste sehr gut, dass der Adjutant ihm sicher war, aber er hatte ihm bereits, wenn auch zu den höchsten wucherischen Zinsen, am Tage vorher ein Darlehen gemacht.
"O, Aga," sagte er, "ich bin ein armer Mann und habe bereits zwei Wechsel von Euch in Händen. Wo soll ich all' das Geld hernehmen?"
"Schäbiger Lump!" fluchte der Wüstling. "Wir Alle wissen, Du kannst halb Widdin auskaufen, so viel hast Du schon an uns verdient. Ich gebe Dir mein Wort, Du sollst Dein Geld wieder erhalten, noch ehe ich