i , der Kommandant der türkischen kosacken, des tollen Corps, das unsere Rechtgläubigen so sehr verabscheuen. Er reitet neben D e p u i s , dem Franzosen, und dem Juden O s m a n ' a , dem Adjutanten des Muschirs, einem reichen Banquierssohn aus Temeswar, der gestern die Depesche aus Schumla brachte und den Weg von hundert Stunden in zwei Tagen zurückgelegt hat. Freilich jagte er zwei Pferde zu tod und das dritte hat er die Nacht verspielt. Wersbitzki hat ihm ein Beutepferd auf Wechsel verkauft, da der alte Jude, sein Vater, noch immer richtig honorirt hat."
"Aber wer ist der Offizier dort in der fremden Uniform, der neben Lord W o r s l e y und kapitän B a t h u r s t reitet und mit Herbert W i l s o n spricht?"
"Ich kenne ihn nicht," entgegnete der Pole.
"Da kann ich Auskunft geben, denn es ist ein Landsmann, Oberst Graf P i s a n i . Ich focht unter ihm bei Novara und seiner Empfehlung verdanke ich die Anstellung in Ihrer Armee."
"Ist er mit dem Muschir gekommen?"
"Nein, er hält sich seit einigen Tagen bei Sami-Pascha auf, um wichtige Nachrichten abzuwarten, und wird, wie er mir bei meiner Ankunft sagte, noch einige Zeit hier bleiben."
"Es scheint, der Muschir lässt ihn eben zu sich rufen, er reitet vorwärts. He, Hussein'a," rief er einen jungen Genie-Offizier an, der eben in ihrer Nähe vorüberritt. "Wie steht's mit dem Kriegsrat, ist der Angriff gegen Krajowa endlich beschlossen?"
"Salem, Jüs-Baschi Mackiewicza," gab der junge Muselmann zur Antwort; "ich glaube, wir werden selbst von den Moskows aus den Schanzen gejagt. Sie rücken vor und befestigen sich drei Stunden von unsern Vorposten."
Die Nachricht erweckte allgemeines Interesse, das nur auf kurze Zeit unterbrochen wurde, als die Araba's11, von schwarzen Sclaven begleitet, mit den Frauen des Sirdars in einiger Entfernung dem zug folgten.
"Voilà Madame la Maréchale!" sagte lachend der kapitän, denn so liess die jüngste Gattin des Muschirs sich nennen, als sie noch nach europäischer Sitte unverschleiert in den Gesellschaften erschien. Omer, der bis auf die Bujuk-Hanum, die Sultan Mahmud ihm gegeben, seine Frauen schon mehrmals gewechselt und weggejagt, oder durch den Tod verloren hatte, besass 1849 in Bukarest ein Töchterchen, Emine, von 5 oder 6 Jahren, das er sehr liebte. Da er dem kind Musikunterricht geben lassen wollte, wurde ihm eine junge Sächsin aus Kronstadt empfohlen und bei ihm aufgenommen. Ohne schön oder interessant zu sein, verstand sie doch bald, den Muschir zu fesseln, und aus der Lehrerin wurde seine Frau: Zuerst trat sie wie, wie erwähnt ganz nach europäischer Sitte und mit grossem Glanz auf, als sie jedoch während des gegenwärtigen Krieges Omer wieder nach der Donau begleitete, hatte sie bereits völlig die türkischen Gebräuche angenommen und erschien nur tief verschleiert und von Eunuchen umgeben. –
Der Zug war vorüber und die kleine Gesellschaft kehrte daher nach dem Tschardak des Gastauses zurück, wo sich gewöhnlich die europäischen und selbst viele türkische Offiziere zu versammeln pflegten, obschon Alexo, der Wirt, im dringenden Verdacht als Spion des österreichischen Consuls und der Russen selbst stand.
Eine bunte Versammlung hatte bereits das Haus und den Vorplatz eingenommen, und alle augenblicke strömten neue Ankömmlinge herbei. Ehe Welland, der in der Lokanda selbst sein Quartier genommen, noch sein Zimmer betreten, sprengten zehn, zwanzig Reiter, von der Begleitung des Muschirs zurückkehrend, herbei und warfen sich vor der Veranda von ihren Pferden. Iskender-Bei war an ihrer Spitze und stürmte in das Haus.
"Der Teufel soll mich holen und der Prophet dazu!" schwor der wilde Reiteranführer, "wenn mir die Kehle nicht trocken ist wie ein ausgedörrter Schwamm. He, Alexo, Bursche, Wein her, Karten und Würfel, wir müssen nach der Anstrengung im Divan und den Begrüssungs- und Abschiedsreden eine bessere Erfrischung haben, als den Kaffee, den der schäbige Filz Sami uns vorgesetzt hat."
Die Renegaten im Heere scheerten sich herzlich wenig um das Verbot des Korans gegen den Wein, und der edle Ungar, Bordeaux und Rum flossen in Strömen, wenn sie nur zu haben waren. In der Lokanda des Alexo fehlte es aber, trotz des bedeutenden Zuspruchs, nie an dem Rebensaft, da er durch die Vermittelung seines Gönners, des österreichischen Generalconsuls, regelmässige Ladungen von Orsova erhielt. dafür wanderte jede Kunde, die der Wein von den Lippen seiner Gäste gelöst, alsbald auch in's Haus des Agenten.
Mit der edlen Ungenirteit des Orients und des Lagerlebens war alsbald – da alle anderen Räume des Hauses gefüllt waren, – das grosse Gemach, das Welland im oberen Stock bewohnte, von der wilden Gesellschaft in Beschlag genommen, und während der Wirt hin und her eilte, die Gäste mit Getränken zu bedienen, klapperten auf dem Tische bereits die Würfel und flogen nach rechts und links die Karten im Hazard.
Iskender-Bei war ein überaus eifriger und wagender Spieler, und seine beiden Freunde und Adjutanten gaben ihm wenig nach. Die Moslems selbst sind keine Freunde des Spiels, sie sind zu geizig dazu.
Während die fremden Offiziere den Weinflaschen zusprachen, oder dem stärkeren Rum,