, der Vicekönig, zur glückseligen Würde seines Oglan erhob. Als der schlaue Fuchs, den sein Herr zu allerlei Aemtern verwandte, endlich merkte, dass es mit seinem Gebieter zu Ende ging, brachte er seinen Reichtum in Sicherheit und ging nach London, wo er lange den Stutzer gespielt hat. Auch in Paris hat er sich durch seine Avantüre mit einer schönen Jüdin bekannt gemacht, und als er nach einigen Jahren nach Stambul zurückkehrte, gewann er sich durch seinen Verrat an Mehemed das Paschalik von Trapezunt und später von Larissa. Vor vier Jahren wurde er endlich hier in Widdin der Nachfolger Hussein's, des Janitscharentödters, und chikanirt seitdem die Oesterreicher, hält auf seine alten Tage ein Harem, von dem man Wunderdinge erzählt, und ist der schlaueste alte Hund, den ich noch gekannt habe!"
"Sie schildern in scharfen Zügen," lachte der junge Mulassim6. "Aber der General oder Pascha an der Rechten des Muschirs?"
"Das ist A c h m e t - P a s c h a , Ihr künftiger Oberbefehlshaber, denn der Sirdar hat seinen General-Stabs-Chef, Allah sei's geklagt, nun einmal dazu gemacht, obschon wir unter ihm Nichts als Feiertage haben. Er machte seine Studien auf der Ingenieurschule zu Wien und ist ein ganz einsichtsvoller Türke, versteht aber vom Feldlager Nichts. Es wäre nicht auszuhalten, wenn I s m a ë l - P a s c h a ihn nicht manchmal in Bewegung setzte. Ich denke immer, der Muschir hat ihn deswegen an seine Seite gestellt. Sehen Sie den stolzen Mann da auf dein Rappen, dem einzigen in der ganzen Schaar, – sein blick scheint Feuer zu sprühen, und das tscherkessische Blut in seinen Adern zeigt sich bei jeder Bewegung. Schaut er nicht aus wie ein König unter diesen schmuzigen Moslems?"
Der Doctor lachte.
"Aber Sie sind ja selbst ein solcher geworden, und die halbe Begleitung des Muschirs besteht aus Männern, die den Koran der Bibel vorgezogen haben!"
"Bah! Das ist auch der einzige erträgliche teil der Gesellschaft. – Da, gleich hinter dem Muschir, sehen Sie den Ferik7 M u s t a p h a - P a s c h a , die Livas8 O s m a n - P a s c h a und M e h e m e d - P a s c h a und N e f w i k - B e y , Omer's Neffe, ein kecker Bursche mit seinen Jägern."
"Und Graf Ilinski – ich wollte sagen I s k e n d e r B e y , der berühmte Anführer der Irregulairen?"
"Da kommt er eben hinterdrein gejagt, als sässe der Teufel hinter ihm im Sattel oder als gälte es, eine Bank von zwanzigtausend Piastern zu sprengen. Er reitet wie ein Kosak und ist am Ende auch einer, nach seiner tatarischen Physiognomie und seinen boshaften Augen zu urteilen. Aber für das Gesindel, das er kommandirt, ist er unbezahlbar. Ich möchte wissen, wie wir mit dieser Sammlung von Spitzbuben, Meuchelmördern und Fanatikern fertig werden sollten, wenn wir Iskender-Bei nicht hätten, und seine beiden trefflichen Adjutanten, H i d a e t - A g a und den Arnautenführer J a c o u b - A g a . "
Er wies auf die Reiter.
"Sind sie geborene Türken?" fragte, der Sardinier.
"Den Teufel auch! Lassen Sie Beide die Beleidigung nicht hören, sonst müssen Sie vor die Klinge. Es sind Landsleute von mir, wenn ich auch nur den polnischen Namen des Einen kenne. Constantin von Jakoubowski aus dem Grossherzogtum focht bei Grochow und Ostrolenka, und lebte dann mit Mickiewicz in Paris. In Lemberg im Jahre Achtundvierzig gefangen und amnestirt, ging er nach Italien und half Rom verteidigen. Vom den Franzosen von dort vertrieben, hatte er gerade noch Zeit, zu Bem zu stossen, als der alte Held nach der Walachei zog und vor Halim-Pascha die Waffen streckte. Seitdem steht er in türkischem Dienst und machte mit Omer die Feldzüge in Bosnien und Montenegro mit. Sie sollen ein Mal sehen, wenn er seine Arnauten mit blanker Klinge in's Gefecht fuchtelt. Die Russen haben ihr Lebtag nicht so viel Schläge bekommen, und als kürzlich ein Mal bei einem Begegnen der Vorposten Jacoub'a9 den kosacken zurief, sie sollten zu den Türken desertiren, bei uns hätten sie's besser und keine Schläge, lachten die Kerls ihn aus und riefen: Du lügst, wir haben selbst gesehen, wie Du prügeln kannst!"
Die Gesellschaft lachte über die Anecdote.
"Wer ist Hidaet-Aga?" fragte der Doctor weiter.
"O, diesen eben kenne ich nicht und weiss nur, dass er ans einer vornehmen polnischen Familie stammt. Er hat so viel von seinem Vermögen aus dem Schiffbruch der Revolution gerettet, dass er sich im Rosengarten Adrianopel einen ziemlichen Landstrich kaufen konnte und dort in Ruhe lebte. Nur die Freundschaft für Iskender-Bei hat ihn wieder unter unsere Fahnen gezogen und er dient ohne Sold als Freiwilliger, um, wie er sagt, an den Russen eine alte Scharte auszuwetzen."
"Und der Reiter dort in der roten Uniform mit dem geschlitzten blauen Dolman, der Bärenmütze und dem Halbmond daran?"
"Hei, das ist der Kolassi10 W e r s b i t z k