, der schon mit Bem übergetreten war und in der türkischen Armee Dienste genommen. Welland hatte ihn durch seine aufmerksame Behandlung von einem der schrecklichen Wechselfieber befreit, die Tausende entnervten, und der Pole, der seinen Dienst noch nicht wieder angetreten, beobachtete mit dem Arzt das eigentümliche militarische Schauspiel.
"Wissen Sie, Doctor," sagte der Offizier, "dass der Muschir gestern den Ober-Ekmekschi4 und zwei seiner Gehilfen hat erschiessen lassen? Die Canaillen verdienten eine zehnfach härtere Strafe, als die ehrliche Kugel; denn ihnen und diesen schurkischen Lieferanten ist es zuzuschreiben, dass ein Fünftel des Heeres in den Lazareten liegt, aus denen nur für Diejenigen ein Weg in's Leben zurückführt, welche unter so freundliche und geschickte hände geraten, als die Ihren."
"Ich habe davon gehört, und so sehr ich die Sache als Mensch beklage, fühle ich doch die notwendigkeit eiserner Strenge und hoffe von der kurzen Anwesenheit des Muschirs vielfache Reformen und den besten Erfolg. Ich zweifle keinen Augenblick, dass die Armee bis auf die Baschi-Bozuks herab sich tapfer schlagen wird, aber die Unglücklichen verkommen an der gränzenlosen Unordnung und Nichtswürdigkeit, die in allen Teilen ihrer Verpflegung herrscht. Ich habe das Brot gesehen, das für die Truppen nach Kalafat alltäglich transportirt wird, und muss gestehen, dass unser Vieh von solcher Nahrung erkranken, würde. Das Mehl ist mit Rinde, Spänen, Erde und hundert andern eklen Materialien verfälscht; halb ausgebacken, im inneren ein reiner Brei, kommt es aus den Bäckereien, man wirst es in die mit schlammigem wasser halb angefüllten Boote oder auf durchnässte Karren und bringt es so in's Lager. Die Wenigsten der Soldaten haben während des ganzen Decembers ein warmes und trockenes Quartier gehabt, die Schuhe faulen an ihren Füssen. Alles, was sie erhalten, und es ist wenig genug, ist von der schlechtesten Qualität. Das Lazaretwesen ist in einem so scheusslichen Zustande, dass selbst das vielbesprochene Betrugssystem unserer Gegner schwerlich solche Schrecken hervorzubringen im stand ist. Von Medikamenten ist fast keine Spur vorhanden, Calomel oft das einzige, was zu haben ist. Und das ärztliche Personal – dass Gott erbarm'! Ich habe selbst einen Unterarzt und einen Apoteker, die mir beide gestanden haben, dass sie der Eine ein Schneider, der Andere ein bankerotter Kaufmann in ihrer Heimat waren."
Der Pole lachte.
"Sie werden noch ganz andere Dinge hier kennen lernen, Doctor. Der Unsinn mit den Aerzten kommt davon, weil in den Augen der Türken jeder Franke von natur aus ein Hekim ist. Und dennoch, trotz der Wahrheit Ihrer Schilderungen, trotz der Tatsache, dass diese Menschen seit mehreren Monaten keinen Sold empfangen haben, mit dessen Hilfe sie bei der Geringfügigkeit ihrer körperlichen Bedürfnisse sich einige Erleichterung verschaffen könnten, ist ihre Aufopferung und ihre Geduld wahrhaft heroisch und erhaben. Sie ertragen alle diese Uebelstände mit einer Ergebung, von der unsere europäischen Truppen keine Ahnung haben würden. Auf dem Schlachtfelde oder auf dem harten Lehmboden des Lazarets, wo auch der Tod zu ihrem haupt tritt, sie erleiden ihn ruhig und mutig. Es ist ihr Kismet, für den Koran zu sterben, was kümmert es sie, ob es durch die Kugel oder die Krankheit geschieht!"
Der Arzt hatte die Erfahrung selbst an hundert Sterbelagern gemacht; – es ist erhaben und empörend, mit welcher Gleichgültigkeit der Orientale das schwere Geschäft des Sterbens betrachtet.
"Doch lassen Sie uns den Weg hinauf zur Festung gehen," unterbrach Makiewicz ihre Betrachtungen. "Der Kriegsrat scheint beendigt und der Zug des Muschirs sich in Bewegung zu setzen. Sobald er über die Schanzen der Irregulairen hinaus ist, wird es hier voll genug werden."
Die Beiden, denen sich noch einige andere Offiziere anschlossen, verliessen den Tschardak und gingen durch die traurigen Gassen der Stadt, die bei schlechter Witterung einer grossen Kloake gleichen und von mephitischen Dünsten erfüllt sind, nach der Festung, die durch einen Graben von der Stadt abgesondert ist und in der das Serai des Gouverneurs liegt. Hier auf einer Erhöhung postirte sich die Gesellschaft und sah den Zug herankommen.
Eine Abteilung der türkischen Husaren eröffnete denselben, ihnen folgte der Muschir mit seiner zahlreichen Begleitung zu Pferde, der sich die Führer der Armee von Kalafat und Widdin angeschlossen. O m e r -P a s c h a steht jetzt im Anfang der Fünfziger. Es ist von mittlerer, etwas gedrängter Gestalt, sein Gesicht ist nur durch den scharfen unruhigen Ausdruck der Augen von Bedeutung. Seine Manieren sind leicht und sicher und seine Lebendigkeit durchbricht häufig die Schranken der orientalischen Ruhe, die er sich anzueignen gesucht. Im Ganzen lässt sein Aeusseres den Mann von Bedeutung und Tatkraft nicht verkennen. Er spricht mit Geläufigkeit türkisch, italienisch und französisch und selbst ziemlich gut das Deutsche.
"Sie würden mich verbinden, Kamerad," sagte einer der jungen Offiziere, ein Sardinier, der erst am Tage vorher von Constantinopel eingetroffen war, "wenn Sie mich etwas mit den Persönlichkeiten bekannt machen wollten."
"Sehr gern, Kamerad. Da an der Spitze reitet der Muschir, den Sie bereits bei der Parade kennen gelemt. Ihm zur Seite, der Alte auf dem schönen Araber, ist S a m i - P a s c h a , der Gouverneur dieses schmuzigen Nestes. Pferde und Oglans5 sind sein Luxus; er hat Geld genug dazu zusammengescharrt. Er ist ein Grieche von Morea und kam als Kind nach Stambul, wo ihn Mehemed Ali