halten mussten und so dem Gegner auf dem rechten Ufer gelegenheit gaben, sich zu kräftigen und die Hilfe der Westmächte abzuwarten. Die Bewachung der Türken bei Kalafat verhinderte fast acht Monate lang alle Operationen an der untern Donau.
Die Türken hatten den günstig gelegenen Ort mit einer Verschanzung von circa 6000 Schritt Länge umgeben, die an beiden Enden in einem Fort auslief. Die Verschanzung bildete nach den russischen Stellungen zu einen vorspringenden Winkel und war von 600 zu 600 Schritt durch eine mit schwerem Geschütz besetzte, mit Schanzkörben und Faschinen gegen das Feuer bekleidete Bastion oder Lünette befestigt. Eine innere Linie von vier Redouten zur Aufnahme der Reserven gab zugleich eine zweite Verteidigungsfront. Auf einer Anhöhe zur Rechten bestrich ausserdem eine sehr gut gelegene Redoute die Flanken und auf der Insel, deren Zugang durch einen Brückenkopf geschützt war, befanden sich vier Batterieen, jede von vier bis fünf Stück schwerem Geschütz, deren Feuer im Notfall über die Verschanzungen hinweg trug.
Die türkischen Vorposten dehnten sich im Halbkreis um die Verschanzungen auf die Entfernung von zwei bis drei Wegstunden aus und begegneten hier denen der Russen in täglichen kleinen Scharmützeln.
Es war am Vormittag grosse Besichtigung der Truppen sowohl in Kalafat als in Widdin gewesen, und die verschiedenen Corps rückten eben wieder in ihre Quartiere, ober trieben sich dienstfrei bereits in Gruppen umher. Der M u s c h i r selbst mit seinem ganzen Generalstabe war seit drei Tagen in Widdin anwesend und eben im Begriff, wieder abzureisen. Die Masse des Gefolges und die zahlreiche militarische Begleitung, welche die Strassen um das Konak Said-Pascha's, des Gouverneurs von Widdin, bei dem der Sirdar sein Quartier genommen, füllten, erhöhte das bewegte bunte Treiben. Eine Menge Pferde, prächtig gesattelt, wurden im Konak und vor dem Tor umher geführt, Araba's mit ihrem weissen Ochsengespann standen zur Seite und die Iastiks in ihrem inneren, wie die Vorhänge, die sänftenartig das Oberteil umgaben, zeigten, dass sie zur Aufnahme von Frauen bestimmt waren, während die Arabadschi's mit den Gepäckwagen bereits vorausgegangen.
In der Tat führte der Muschir während des ganzen Feldzugs an der Donau seine jüngste Gattin, eine Deutsche aus Siebenbürgen, und deren Schwester stets mit sich, indess die Bujuk-Hamnu, die erste Frau, die noch der verstorbene Sultan ihm gegeben, und deren Hand und Einfluss er hauptsächlich seine glänzende Laufbahn und seinen Reichtum verdankt, im Serail und den Harems von Constantinopel, wie wir bereits gesehen haben, seine Interessen wahrte.
Der Muschir ist in Bezug auf die Frauen ein arger "Gläubiger" geworden, wenn er auch nicht gerade die schrankenlose Eifersucht derselben teilt. Da der Leser hier zum ersten Male auf dem feld unserer Erzählung dieser in den letzten Jahren so berühmt gewordenen Persönlichkeit begegnet, wird eine kurze Skizze über sie von Interesse sein.
M i c h a e l L a t t a s – dies ist der ursprüngliche christliche Name des Muschirs – ist zu Anfang dieses Jahrhunderts in Illyrien geboren. Er trat in seiner Jugend in den österreichischen Militairdienst und hatte das Glück, in eine der militairischen Erziehungsanstalten zu kommen, der allein er seine Ausbildung verdankt. Als Feldwebel war er in Zengg in das Bureau des Majors Knecicz kommandirt, der für ihn väterlich sorgte. Hier verwirrte er jedoch die Kassengeschäfte seines Wohltäters auf die unverantwortlichste Weise, machte bei einem dem Major nahestehenden Kaufmann in Zara auf seinen Namen Schulden und entfloh mit dem erschwindelten Gelde nach Banjaluka und Sarajevo, wo er nach vielfachem Elend Hauslehrer bei dem Pascha wurde. Dort auch trat er zum Islam über und kam später mit dem Pascha nach Constantinopel, wo er auf dessen Empfehlung als Zeichner in einer türkischen Militairschule angestellt wurde, und im Auftrag des verstorbenen Sultans geometrische Wandtafeln für den jungen Prinzen AbdulMedjid schrieb. Später wurde er dessen Schreiblehrer und machte, von dem guten Herzen des jetzigen Sultans mit Wohltaten überhäuft, die glänzende und rasche Carriere, die ihn an die Spitze der Armee von Rumelien brachte. Den ersten Ruf gewann sich OmerBei 1842 in Syrien als Befehlshaber im Libanon und dabei trotz seiner grausamen aber notwendigen Strenge eine solche Popularität, dass die Drusen und Maroniten sich ihn sogar von der Pforte als Häuptling erbaten. Hier scheint zuerst sein rastloser Ehrgeiz geweckt worden zu sein, und verschiedene Anecdoten beweisen, wie er schon damals den ganzen verschlagenen und dennoch heftigen Charakter des Orientalen sich angeeignet hatte. Wir wählen eine unter den vielen.
Omer befand sich zu Deir-el-Kamar, im berühmten Palast des Emirs Bechir: Betteddin, als er von einem der trotzigsten und mächtigsten Scheiks des Libanons besucht wurde. Während der Unterredung erhält Omer ein Schreiben des Pascha's, das ihm befiehlt, eben diesen Scheik festzunehmen und nach Beirut zu liefern. Der Bei verlässt nach einer Weile das Gemach, um ein Geschäft zu besorgen, und als er zurückkehrt, gewahrt er mit Erstaunen die veränderte und ängstliche Haltung seines Gastes. Ein blick auf den Divan belehrt ihn, dass er den Befehl des Pascha's dort liegen gelassen und der Druse, da Zartgefühl eben nicht die schwache Seite der Orientalen ist, denselben gelesen hat. Der Bei ist schnell gefasst. Indem er mit dem Gast ruhig die Unterhaltung fortspinnt, lässt er sich Schreibgerät bringen, und entwirft auf seinen Knieen einen Brief an den Pascha, in dem er den Scheik als ganz ungefährlich und zu einem Freunde der Regierung bekehrt schildert, den er zu einem wichtigen amt bestimmt habe. Das Schreiben wiederum geschickt zurücklassend, entfernt er