1855_Goedsche_156_364.txt

alter Seewolf?"

"Dazu gibt's nachher Zeit, jetzt lasst uns machen, dass wir zu unsern Burschen kommen!" entgegnete der alte Matrose, indem er den jungen Mann emporhob und mit Gregor's Hilfe die Treppe hinabtrug. "Goddam!" rief er plötzlich, als unten der Feuerschein hell auf das Gesicht des Griechen fiel und er dieses erblickte. "Ich sollte meinen, wir kennen uns; seid Ihr nicht der Mann von Smyrna?"

Caraiskakis schaute ihn finster an bei der Erinnerung.

"Ich weiss Nichts von Euch."

"glaube's wohl," meinte der alte Matrose, "aber ich kenne Euch desto besser, und es freut mich um Master Frank's willen, dass ich Euch damals mit dem Schiessprügel nicht durch den Kopf geschossen, als Ihr Sir Edward Eure Schwester abjagtet und uns klopftet. Wir waren auf schlechtem Wege und fochten für keine gute Sache; aber es ist brav von Euch, Freundchen, dass Ihr des Baronets Bruder so wacker beigestanden habt."

Der Grieche liess den Jüngling fallen.

"Dies der Bruder des Lord Maubridge?" fragte er wild.

"Nun ja, Mann! was tut's zur Sache? ein braver Mann hilft dem Andern gegen das Gesindel. Hierher, Hodges! Dick! helft mir den jungen Master zum Boote tragen."

Der Grieche fasste des Matrosen Arm, während die Gerufenen herbeisprangen und den Midshipman aus dem Getümmel schleppten.

"Wo ist das Mädchen, das Weib, das wir im haus verteidigten?"

"Ei, zum Henker, wo wird die verteufelte Landnixe sein? In die arme Sir Edwards fiel sie, gerade aus dem Fenster herab. Schaut, da läuft sie in der Mitte unserer Leute, und die Haifische sollen mich fressen, wenn der Baronet nicht schon seitlängs von ihr liegt."

Die Scene umher hatte sich geändert, – die Mordbrenner aus dem Maltesergässchen hatten die Uebermacht der von allen Seiten zum Löschen des Brandes und zur Verteidigung ihrer Habe herbeieilenden Fanarioten erkannt und sich nach allen Seiten durchgeschlagen und zerstreut; die Griechen waren bemüht, das Feuer zu dämpfen, und die Engländer, jetzt Frank und die von dem Baronet geführte Odaliske in ihrer Mitte, drängten sich durch die Menge nach ihrem Boote hin.

"NausikaMädchenTochter Jani's!" schrie Caraiskakis und warf sich in die Menschenwoge, die sich wieder um die Matrosen geschlossen. "Zu mir, Freunde, das Mädchen ist die unsere!"

Aber wer kümmerte sich in der eigenen Bedrängniss und Not um das Weib, dessen türkische Tracht ohnehin genügt hätte, jeden Griechen Gefahr und Verderben in ihrer Berührung sehen zu lassen. Gosset hatte mit einigen verwirrten Worten dem Baronet berichtet, dass es eine vornehme türkische Dame wäre, die hier gefangen gehalten worden und die Frank habe befreien wollen. Die Odaliske, von der augenblicklichen Gefahr befreit, begriff schnell ihre Lage und die günstige gelegenheit für ihre Wünsche.

"O, Effendi, rettet mich aus dieser Not! ich bin eine Gefangene und ein armes Weib, verloren ohne Euch," schmeichelte sie in fränkischer Sprache zum Baronet, dessen Arm sie unterstützte. Sie waren bereits nahe am Boot, in dem zwei der Matrosen zurückgeblieben waren, als Caraiskakis endlich die Engländer erreichte und das Auge des Baronets mit Erstaunen und Erbitterung plötzlich seinen Todfeind vor sich sah.

"Das Weib, Mylord!" herrschte der Grieche ihm zu, "Sie haben kein Recht auf sie, das Weib ist das meine!"

Der Baronet stiess ihn hohnlachend zurück.

"Ist dies Weib das Ihre, so nehme ich es, wie Sie mein Kind geraubt. Nur für dies Lösegeld sollen Sie diese Frau haben! In's Boot mit ihr!"

Gosset zog die willige Odaliske fort; mit einem Sprunge war der Grieche an dem Baronet und fasste ihn an der Kehle.

"Mädchendieb!"

"Der Teufel hole das Gewürm, nieder mit dem Schuft!" schrie der mit Adams herbeikommende zweite Lieutenant und der Hieb seines Kurzdegens sauste schwer auf den Schädel des Griechen nieder, dass dieser bewusstlos zu Boden stürzte, wie ein gefällter Baum. "Fort mit Ihnen, Maubridge, wir haben, was wir wollen, und hier Nichts mehr zu tun."

Der Deckmeister hatte sich auf den Niedergestreckten herab gebeugt.

"Ist er tot, der Unglückliche?" fragte nicht ohne Teilnahme der Baronet.

"Ich denke! Schabe um den Mann; es war nicht viel besser als ein Mord," murrte der alte Matrose, "und das Alles um eines verdammten Weiberrocks willen."

Der besonnene Lieutenant zog sie fort zum Boot, denn ein haus Fanarioten mit Geurgios an der Spitze stürmte herbei.

Das englische Boot stiess hinaus in das Hornjammernd am Ufer rannte Vaso umher, den die Matrosen zurückgetrieben, als er der Wiedergefundenen folgen wollte.

Es war am dritten Morgen nach den Scenen des Aufruhrs, als Gregor Caraiskakis aus einem tiefen Schlafe auf ärmlichem Lager in einem griechischen haus der Vorstadt Ejoub erwachte. Sein Kopf war mit Binden umwickelt, an seinem Lager sass in trübem Sinnen Vaso, der entflohene Schiffssoldat.

Der Hieb des Lieutenants hatte ihn absichtlich nur flach getroffen und durch seine Wucht betäubt zu Boden geworfen. Als er wieder zu sich kam, fand er sich an dem Orte seines jetzigen Aufentalts, wohin ihn Geurgios hatte bringen lassen. Doch war ihm Ruhe nötig, und ausserdem hatte ihm der