war auch Eile von Nöten, die Gefahr dringend, denn ehe die Fanarioten das jenseitige, Ufer erreichten, gingen bereits noch an zwei anderen Stellen die Flammenzeichen in die Höhe. –
Die Verwirrung auch auf dem Horn war schrecklich. Boote rannten auf einander oder wurden umgeschlagen, Menschen stürzten in's wasser und plätscherten umher, einen Gegenstand zu erfassen, an dem sie sich wieder empor retten konnten, – Geschrei, Verwünschungen, Zorn und Schrecken überall.
Die Führer der Friedenspartei hatten bei der plötzlichen Auflösung des Zuges den Kopf verloren, und waren grösstenteils, von der Besorgniss um ihr Eigentum ergriffen, mit fortgerissen worden. Nur Wenige, darunter Caraiskakis und Geurgios, fanden sich zusammen und eilten zu dem geheimen Leiter des Ganzen, der sich natürlich von der offenen Teilnahme an dem zug fern gehalten hatte. Der kühne und umsichtige Geist des baron hatte im Augenblick auch schon nach den Mitteln gesucht, die so unerwartete Niederlage der versuchten Demonstration wenigstens noch in irgend einer Weise für seine Zwecke auszubeuten, und er erkannte sie darin, den Conflict zwischen den Griechen und den Moslems zu befördern und die Ersteren zu einem offenen Widerstande mit den Waffen in der Hand zu ermuntern. Die Nachricht von einem Kampfe zwischen der christlichen und türkischen Bevölkerung der Hauptstadt musste im ganzen land wiederhallen und konnte zu allgemeinem Aufruhr führen, eine Sache, die von den russischen Agenten mit allen Mitteln angebahnt wurde.
Dem Baron mit seinen Begleitern gelang es, am Ufer von Galata die Barke eines Kauffahrers zu finden. Sie warfen sich selbst mit an die Ruder und das Boot flog durch die dunklen schäumenden Wellen nach der Fanariotenstadt.
Drüben in Stambul tönte wüster Lärmen, der Platz um den Palast der Hohen Pforte glänzte im Fackelschein.
Als sie durch die zweite brücke fuhren, kamen sie in das Gewühl der noch immer zum andern Ufer strömenden Menge.
Der grelle Schein der auflodernden Feuersbrunst, das Flackern der Blitze erhellte die Gesichter voll Angst und Schrecken, Zorn und Rachedurst rings umher. Mit Gewalt brachen sie sich Bahn durch die Kaïks und das Boot, von Geurgios Hand gelenkt, schoss in den Bootschuppen seines Hauses.
Geschrei, – Angstgekreisch der Frauen, – das Morrio der wilden Banden von Mördern und Mordbrennern, die durch die Strassen tobten, – durchheulte die Luft – eine Scene grauenhafter Verwirrung. Gregor's Herz schlug hoch erregt, indem er an die Gefahr der Odaliske dachte. Während die Freunde sich, nachdem sie sich überzeugt, dass das Haus noch nicht gefährdet war, in die nächsten Gassen warfen und die vorübereilenden Fanarioten zu sammeln suchten, um den Flammen Einhalt zu tun und den Moslems mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten, übernahm es Caraiskakis, das Haus zu schützen. Indem er im Dunkel noch vergeblich den Auf- und Eingang suchte, waren der Baron und Geurgios bereits verschwunden. Plötzlich erschreckte ihn das Hilfsgeschrei von Frauen und der wilde Ruf von Männern, die gegen die äussere Pforte tobten. Das Haus war angegriffen und wenige Augenblicke darauf sah er den neuen Feuerschein eines nahe belegenen Gebäudes rings umher Alles erhellen. Er hatte den Eingang zum haus endlich gefunden, stiess die schwache Tür nieder und stürmte in das Innere. Vaso, der bei ihm zurückgeblieben, folgte ihm. –
Wir müssen für einige Augenblicke zu Master Frank und seinem Busenfreunde Gosset zurückkehren. Nachdem die Burschen verschiedene Tassen Kaffee und Gläser Liqueur vertilgt und durch einige Pfeifen des duftenden Tabacks von Latakia den Zustand ihres Gehirns keineswegs klarer gemacht hatten, schaute Frank auf seine Uhr und streckte den Kopf aus der Tür des Hauses, um als echter Seemann das Wetter zu prüfen, ehe sie ihre ehrenwerte Unternehmung begannen.
"Wir werden eine verteufelt schlechte Fahrt haben," meinte er, "und unsere Sultanin wird mit einigem Spritzwasser eingeweicht werden. Der Wind stürmt und überall stehen Gewitter. Man weiss in diesem verteufelten land nie, wie man d'ran ist. Allons, Gosset! auf, Faulpelz! wir müssen an Bord unserer Jölle."
Mit einigen Püffen wurde der Jüngste endlich mobil gemacht und Beide eilten an's Ufer, wo sie an der bestimmten Stelle die bestellte und bezahlte Barke des Handelsschiffs in Empfang nahmen, wobei der Padrone im Stillen herzlich wünschte, dass sie mit samt den Midshipmen zum Teufel gehen möge, damit er das gute Pfandgeld in der tasche behalten könne.
Die Mid's, die Verstand genug besassen, um es für besser zu halten, bei einem solchen Unternehmen keine Bootführer in's Vertrauen zu ziehen, ergriffen die Ruder und arbeiteten sich bald in den freien Strom. Da sie Beide an die See gewöhnt waren, machten sie sich aus Wind und Wellen herzlich wenig und die Arbeit und das Spritzwasser sie bald völlig nüchtern, so dass sie in bester Beschaffenheit endlich am Ufer der Fanariotenstadt ankamen. Dagegen fanden sie im Aufsuchen einer passenden Landungsstelle und des Hauses, in dem die Odaliske eingeschlossen war, allerlei Schwierigkeiten, so dass eine geraume Zeit verging, ehe sie die Strasse wieder erreichten. Endlich glaubten sie, auf der richtigen Spur zu sein, und bald überzeugte sich Frank davon, denn an einer der Jalousieen peitschte wirklich der Wind ein angeknotetes Tuch. Rasch gab der Midshipman das Zeichen und die Odaliske, die in der Langweiligkeit des Tages vor Ungeduld und übler Laune fast vergangen war, öffnete die Jalousieen und zeigte sich am dunklen Fenster. In der Entfernung vernahm man bereits den beginnenden Tumult.
"Schöne Sultanin, Perle aller orientalischen Frauen," sagte der Mid in