die Nase und streckten als Zeichen ihres Sieges die Zunge heraus, während der Kaïkschi seine Ruder einsetzte und davon fuhr.
Der Deckmeister brummte verschiedene nicht sehr schmeichelhafte Verwünschungen hinter ihnen drein, bis der erste Lieutenant, der zufällig in seine Nähe kam und, wie der kapitän, grosse Stücke auf den alten Seemann hielt, ihn fragte, worauf er denn so ärgerlich sei. Der Matrose zeigte ihm die Davonfahrenden.
"Gott verdamme meine Augen, Sir," sagte er, "wenn die Burschen nicht irgend einen Streich vorhaben. Ich habe so was schon heute Morgen am Ufer gemerkt, und als sie in die verdammte Nussschaale kletterten, der eines ehrlichen Seemanns Bein den Boden ausstösst, sah ich, wie dem Master Gosset aus dem Mantel eine Schiffspistole fiel. Er ist der grösste kleine Taugenichts auf Ihrer Majestät Flotte."
Das wusste der erste Lieutenant sehr wohl.
"Gebt ihnen ein Signal zur Rückkehr. Wo ist der Feuerwerker?"
Master Hunter, der Feuerwerker, musste aber erst gesucht werden, und es vergingen mehrere Minuten, ehe er vor dem Lieutenant erscheinen konnte.
"Haben Sie den Midshipmen Maubridge und Gosset Pistolen gegeben?"
"Ja, Sir! Master Gosset bat mich um zwei Paare und sagte, sie hätten die erlaubnis vom kapitän, auf dem Bosporus Möwen zu schiessen."
Er verschwieg weislich, dass ein Kronenstück Frank's der Bitte den gehörigen Nachdruck gegeben hatte.
"Sie sind selbst eine Möwe, Sir," sagte aufgebracht der erste Lieutenant, "dass Sie sich von zwei jungen Laffen zum Besten halten lassen. Gehen Sie zum Henker mit Ihrer Gutwilligkeit, ich werde es dem kapitän melden. Haben die Burschen beigelegt?"
Daran dachten aber die Beiden nicht, vielmehr hatten sie, als sie den ersten Lieutenant im Gespräch mit dem Deckmeister sahen, die Gefahr wohl erkannt und trieben den Kaïkschi eifrig an, so rasch als möglich sich davon zu machen, indem sie mit stoischer Ruhe der Fregatte den rücken kehrten und für alle Winke blind und taub blieben.
"Da gehen sie hin, die jungen Halunken," sagte der Lieutenant, als ihm der alte Matrose berichtete, dass alle Bemühungen vergeblich gewesen, und auf den Kaïk wies, der bereits zwischen den andern Schiffen verschwand. "Es ist zu spät, um sie einzuholen, und ich wette einen halben Monatsold, dass sie irgend ein Unheil angezettelt haben, ehe sie wieder an Bord kommen. Im Ganzen ist es gut, dass sie wenigstens bewaffnet sind."
"Aber sie sind zu jung, Sir, und können ein Unglück haben unter diesem fremden Volk," wandte der alte Matrose ein.
"Bah! Unsinn, Mann. Midshipmen und Katzen kann man vom Kirchturm werfen, und sie kommen immer auf die Füsse zu stehen. Ausserdem ist Nichts an ihnen verloren."
Mit diesem geistreichen Trostspruch, der wirklich viel Wahres an sich hatte, wandte sich der erste Lieutenant wieder zu seinen Geschäften und überliess es dem alten Matrosen, mit der sorge um seinen jungen Zögling selbst fertig zu werden.
Die beiden Mid's hatten sich unterdessen in Galata landen lassen und in einem Kaffeehause ihr Quartier aufgeschlagen. Sie bemerkten wohl, dass eine grosse Bewegung und Unruhe unter der Bevölkerung herrschte, kümmerten sich aber darum herzlich wenig, sondern, verfolgten ihre eigenen Zwecke. Das Resultat der angestellten Beratung war, – da Master Frank Einiges von den Affairen seines Bruders, des Baronets, in Smyrna hatte munkeln hören und sich dies zum Muster zu nehmen beschloss, – dass man erst eine abgelegene wohnung in irgend einem fernen Quartier auftreiben müsse, wohin man die Schöne am Abend bringen und wo man in Musse den weiteren Fluchtplan besprechen und einleiten könne. In der Tat gelang es auch den Burschen, einen jüdischen Commissionair aufzutreiben, welcher für eine goldene Guinee versprach, eine solche wohnung sogleich zu finden und sie an einer bestimmten Stelle des diesseitigen Hornufers zu erwarten. Durch seine Vermittelung und ein tüchtiges Pfandgeld gelang es ihnen auch, von einem der griechischen Handelsschiffe ein kleines Boot zu leihen, das sie selbst regieren konnten. Als diese wichtigen Vorbereitungen getroffen waren, machten es sich die abenteuerlustigen Midshipmen in einem oberen Gemach des heute leeren Kaffeehauses bequem, luden ihre Pistolen und warteten schwatzend die bezeichnete Stunde ab.
Wir müssen sie dort einige Augenblicke verlassen, gewiss, sie am rechten oder vielmehr unrechten Orte wiederzufinden, und uns wieder zu den politischen Ereignissen des Tages wenden. –
Während Caraiskakis in der wohnung des baron beschäftigt und dieser ausgegangen war, erschien ein türkischer Soldat, der Letzteren sprechen wollte. Es war derselbe, den Gregor als Boten vom Schiff benutzt und dessen getreuer Bestellung er hauptsächlich seine Befreiung durch den Baron zu danken hatte.
Der junge Grieche war sehr erfreut, den früheren Gefangenen hier wiederzufinden, nach dem er, einen Urlaub der Mannschaft benutzend, sich bei dem Baron erkundigen wollte. Er erzählte Caraiskakis, dass am Vormittag wieder der Engländer an Bord gekommen und sehr erstaunt und erzürnt gewesen sei, ihn nicht mehr zu finden. Dabei kam es denn heraus, dass er auf einen Gegendienst für seine Bemühungen zur Befreiung Gregor's hoffte, und dass er beabsichtigte zu desertiren, indem ihm, gewaltsam zum Dienst gepresst, dieser täglich unerträglicher wurde.
Eine glühende sehnsucht schien das Herz des jungen Mannes nach seiner Heimat zu verzehren, und bittere Tränen rollten über seine Wangen, als er sein trauriges Schicksal erzählte. Man hatte ihn mit Gewalt und ohne dass er eine