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zu, Master Frank aber wandte sich ärgerlich zu dem alten Adams, der in aller Seelenruhe eines britischen Matrosen vor ihm stand und mit dem einen Auge ihn, mit dem andern das Fenster anschaute, in welchem das schöne Mädchen verschwunden war.

"Die Haifische sollen meinen Leichnam bekommen," sagte der würdige Deckmeister, "wenn ich nicht geglaubt habe, Ihr würdet meiner Erziehung mehr Ehre machen, als der Baronet, Euer Bruder. Aber ich sehe', es ist Einer aus Eurem Geschlecht so toll wie der Andere. Der Unterrock ist eine böse Flagge, Master Frank, und vollends in diesem land, wie ich mir habe sagen lassen."

"Lass mich zufrieden mit Deinen Predigten, altes Seeungetüm," erwiderte ärgerlich der Midshipman, indem er bemüht war, den unwillkommenen Aufpasser von dem Platz fort zu manövriren. "Was, zum Henker, bringt Dich in mein Kielwasser?"

"Es tut mir leid," meinte der Aeltere, indem er seinen Zögling durch die Gassen und Gässchen, auf die er ein scharfes Auge gerichtet hielt, zu dem Magazin zurückgeleitete, "dass Ihr diesmal mein vorgesetzter Offizier seid. Als solchem hab' ich Euch zu rapportiren, dass die Ladung vollständig ist, und dass Meister Gosset nur auf Euch wartet, um dem Kaufmann zu quittiren und abzustossen. Der junge Halunke wollte Euch selbst aufsuchen, aber dann hätten wir wahrscheinlich das Nachschauen nach Zweien gehabt."

Frank antwortete nicht auf die höflichen Redensarten des Deckmeisters, um die er sich herzlich wenig kümmerte, und brütete über andere Dinge. So kamen sie zum Magazin, wo Gosset den Kameraden mit einigen solennen Verwünschungen über sein langes Ausbleiben empfing, wegen dessen sie wahrscheinlich des warmen Mittagsessens an Bord verlustig gehen würden. Unsere Midshipmen hatten zwar fast den ganzen Vormittag noch nichts Anderes getan, als gegessen, getrunken und umhergelungert, wann aber würde je der Magen eines echten Mid's, dieses Gamin der See, gesättigt?

Nachdem die Rechnungen des Kaufmanns unterschrieben waren, begab sich die Gesellschaft in die Boote, und zum Aerger des argwöhnischen alten Matrosen wusste Frank es so einzurichten, dass er mit seinem Kameraden in dem zweiten sass. Der Verdacht des würdigen Deckmeisters steigerte sich noch höher, als er sah, wie die beiden jungen Herren eifrig die Köpfe zusammensteckten, und Frank mit seinem Busenfreunde eine grosse Beratung hielt. Der alte Matrose witterte Unheil, wie eine Möve den Sturm, denn er kannte seine Leute, aber er war ausser stand, es zu verhindern.

"Höre, Frank," sagte der liebenswürdige Jüngste der Mid's-Kajüte, "die geschichte ist Goldes wert. Auf mein Wort, ich helfe Dir, wir entführen dem Sultan seine Geliebte vor der türkischen Nase weg, und wenn wir dabei auch arg in die Klemme kommen sollten. Sie hat gewiss einen ganzen Schatz von Diamanten und sonstigen Edelsteinen bei sich, und das Beste ist, wir machen uns mit ihr ganz und gar aus dem Staube und werden irgendwo Pascha's."

Frank fiel zwar die gierige Frage seiner Schönen ein, ob er reich sei? indess sein Stolz litt es nicht, die Sultana, von der er geprahlt, selbst herabzusetzen. Ueberdies hatte er ja die tasche voll Geld. – "Aber wo bringen wir sie hin?" – Die Frage machte den beiden Burschen einiges Kopfzerbrechen, aber bald wurden sie darüber eins, irgend einen beliebigen jüdischen Commissionair, wie sie deren zu Hunderten in Constantinopel umherlaufen, dafür sorgen zu lassen.

Das Nächste und Wichtigste vor Allem war, wie sie von dem Schiffe fortkommen sollten, und Frank übernahm dies Geschäft, während Gosset versprach, einige Schiffspistolen und Munition bei Seite zu schmuggeln. Beide wussten sehr gut, dass die scharfen Augen des alten Deckmeisters auf sie gerichtet waren und dass sie vor allen Dingen ihn täuschen mussten, damit er ihnen nicht einen Querstrich durch die Rechnung mache. Sie liessen deshalb näher zum andern Boot hinanlegen und begannen eine gleichgültige Unterhaltung, bis sie in den Docks des Arsenals landeten, an deren äusserem Eingang die Fregatte bereits ausgebessert lag.

Während der erste Lieutenant die Rechnungen des Kaufmannes abnahm und der Deckmeister damit beschäftigt war, die Ladung an Bord zu bringen, gelang es Frank, der auf der Lauer lag, an den kapitän zu kommen, der als ein alter Seewolf es verschmäht hatte, auf dem land sein Quartier zu nehmen. Der Midshipman brachte bescheiden sein Gesuch vor um Urlaub für sich und Gosset für den Abend und die Nacht, unter dem Vorwande, dass sein Bruder, der Baronet, sie in das Hotel d'Angleterre zu sich eingeladen, und da der kapitän zufällig wusste, dass Frank einige Zeilen von seinem Bruder erhalten hatte, auch die Geschäfte der Midshipmen besorgt waren, gab er dem ersten Lieutenant Anweisung, sie zu beurlauben.

Zu dem ganzen Manöver hatte, – das Mittagsessen im Stich lassend, – das würdige Paar wohlweislich die Zeit gewählt, wo Meister Adams unter Deck beschäftigt war. Der Alte war daher nicht wenig erstaunt, als er die beiden Burschen bald darauf in ihre Regenmäntel gehüllt und offenbar mit allerlei Vorrat darunter bepackt aus der Midshipman-Kajüte kommen und gemütlich in eines der Kaïks steigen sah, die überall zum Gebrauch bereit standen. Er rief ihnen zu und fragte, wohin sie wollten, die jungen Halunken beeilten sich aber, den Bord zu verlassen, und als sie erst im Kaïk sassen, spreizten sie wie auf Verabredung Beide die Finger an