, Excellenz; wir werden gehorchen."
"Du weisst in der Fanariotenstadt Bescheid?"
"Ich bin dort geboren, Excellenz."
"Bana bak! Du wirst dafür sorge tragen, dass morgen Abend um die zweite Stunde eine grosse Feuersbrunst in dem Quartier entsteht."
"Es ist ein Leichtes. Wie viel befehlen Euer Excellenz, dass wir anzünden sollen?"
Der Pascha lachte, indem er sich den Bart strich.
"Ein Hund ist ein Hund, wenn man ihn auf die Fährte bringt. Es wird genügen, zwei oder drei Häuser anzustecken, der Wind wird das Uebrige tun. Kennst Du das Haus des Fanarioten Geurgios?"
"Ja wohl, Effendi."
"Pek äji, sehr gut. Wenn der Lärmen am grössten ist, wirst Du mit einigen gefährten in das Haus dringen. In dem oberen Gemach nach der Wasserseite sollen sich zwei Personen verborgen halten. Es wird gut sein für Dich, wenn ich nicht mehr von ihnen höre."
"Es soll geschehen, wie Ihr befohlen, Effendi."
"Inshallah, ich habe Nichts dawider, wenn Ihr auch einige Häuser dieser Schurken von Fanarioten plündert, aber es muss ein Ende haben. Du verstehst mich!"
Der Kaffeewirt lachte.
"Lassen Euer Excellenz uns machen. gibt es Nichts für uns zu tun in den Quartieren jenseits des Horns?"
"Bakalum, warte. Unter den Schweinen seid Ihr Griechen die klügsten. Ich erlaube Euch, in Demetri und Cassim-Pascha zwei oder drei Häuser zu plündern, aber bei meinem Bart, ich lasse Deine Eingeweide den Hunden vorwerfen, wenn Ihr mehr tut als das und einen Brand in den Frankenstädten macht. Die Dschaurs dürfen nicht beleidigt werden. Jetzt kennst Du meinen Willen, Sohn eines Juden und einer Teufelin. Haltet Euch fern von Allem, was morgen sonst in Stambul geschieht; Du bürgst mir dafür mit Deinem Kopf."
Der Kahvedschi verbeugte sich.
"Es ist ein böses Stück Arbeit," sagte er, "was Ihr mir auftragt. Wer bezahlt uns dafür?"
"Hund, Sohn eines Hundes, was erfrechst Du Dich?" schnaubte der Pascha. "Ist es nicht genug, dass ich Dein Leben schone, da ich in jedem Augenblick Deinen Kopf zwischen Deine Beine stellen lassen kann?"
"Euer Excellenz mögen ein mächtiger Mann sein," sagte der Grieche demütig, "aber ich kenne Sie nicht. Meine gefährten sind nur mit Gold zu leiten."
"Du wirst hundert Ghazis erhalten übermorgen, auf dieser Stelle und zu dieser Stunde, wenn Du Deinen Auftrag gut erfüllt hast. So wahr ich ein Muselmann bin. Geh'!"
Der Grieche – der Bandit und Räuber – vertraute unbedingt dem Worte des Moslems und entfernte sich. Um elf Uhr Vormittags am nächsten Tage begann die Divansitzung im Palast der Hohen. Pforte, in welcher beide Parteien zum letzten Kampf gerüstet erschienen. Bereits am Morgen war dem Seraskier die Absetzung Mehemed Ruschdi's vom Kommando der Garden und der Befehl zugegangen, seinen Nachfolger einzuführen; Mehemed Ali verzögerte jedoch unter dem Vorwande überhäufter Geschäfte die Ausführung der Ordre. Für Hayreddin-Pascha war unglücklicherweise ein abwesender Nachfolger (Arif-Pascha) ernannt und er musste bis zum Eintreffen desselben sein Amt behalten. Die Friedenspartei hielt sich jedoch ihres Sieges gewiss, da sie keine Ahnung von den energischen Vorbereitungen der Gegner hatte und diesmal auf die Beständigkeit des Sultans vertraute.
Bereits bei Beginn des Divans begannen die Griechen des Fanarioten-Quartiers und der Vorstädte St. Demetri und Ejoub nach den ausgegebenen Ordres auf dem Okmeidan, dem Pfeilplatz, auf der Frankenseite des Horns in Gruppen sich zu versammeln. Der Platz, oberhalb des Arsenals und der grossen Schiffswerfte von Terschana gelegen, diente in früheren zeiten zur Belustigung der Sultane im Bogenschiessen, und hunderte von Steinen zeigen die Stellen, bis zu welchen die Geschosse der Herrscher getrieben worden. Jetzt ist der Platz öde und vereinsamt, aber ein Lieblings-Versammlungsort der Griechen, die hier sich freier bewegen können, als unter der dichtgedrängten türkischen Bevölkerung von Stambul selbst. Es war jetzt unter den Griechen kein geheimnis mehr, dass nach dem Siege im Rat ein grosser Zug zum Palast des Sultans stattfinden sollte, um von ihm die Ausführung des Divanbeschlusses und den Frieden mit Russland zu verlangen. Die Masse der Bittsteller musste dieser Demonstration ein drohendes Gewicht geben. –
Im Divan wurde die Beratung stürmisch. Da Reschid-Pascha die bestimmtesten Weisungen erhalten hatte, konnte er nicht anders, als sich der Partei des Grosswessirs und Chosrew's anschliessen und für den Frieden reden. Das Gold und die Versprechungen Halil's hatten ihre wirkung getan, und die Majorität, welche sich bei der endlichen Abstimmung nach langem und heftigem Streit für die Einleitung der Friedensverhandlungen auf Grund der Note der vier Grossmächte erhob, war eine bedeutende.
Nur die Ulema's und Karaskier's mit dem Scheik ul Islam an ihrer Spitze und die persönlichen Freunde und Vertrauten des Kriegsministers stimmten dagegen.
Das Resultat durch rote und weisse Kugeln war kaum bekannt, als der Seraskier und mit ihm ArifHikmet, der Scheik ul Islam und Grossmufti des Reichs, sich erhoben und in zornigen Reden erklärten, dass sie sich dem Beschlusse nicht fügen, sondern sofort an das Volk appelliren würden, da der Islam nur durch einen Sieg über seine Feinde gerettet werden könne. Sie verliessen sofort mit all' ihren Anhängern den Divan und begaben sich nach der Aia-Sophia