1855_Goedsche_156_352.txt

ruhig fort, "wird die beste Veranlassung geben zu einer Demonstration von Seiten der alttürkischen Partei. Es wird Ihre Sache sein, zu bewirken, dass die russischen Sympatieen nicht den Sieg davontragen, und zu dem Ende wird es gut sein, wenn man sich der geheimen Agenten versichert, deren Umtriebe man bisher so unverantwortlicher Weise geduldet hat."

"Allah sende ihnen Unglück," meinte der Polizeiminister; "ich habe Nachricht erhalten, wo meine Leute zwei derselben finden können, und wir werden nicht säumen, so lange der Kopf auf unseren Schultern sitzt. Auf meine Gefahr komme es!"

Der Engländer entfernte sich hierauf aus der Versammlung, deren Teilnehmern die weiteren Verabredungen überlassend. Eine Stunde später schieden auch die anderen Mitglieder und Hayreddin-Pascha kehrte in seine Behausung zurück, die unfern der Hohen Pforte belegen war. Dort erteilte er einige Befehle und verliess dann, in einen weiten kurdischen Mantel gehüllt und nur von einem neben seinem Pferde hergehenden Diener begleitet, auf's Neue das Haus. Sein Weg führte zur Moschee der Sultana Walide, der nächsten an der brücke von Galata. Hinter derselben, nach dem grossen Bazar zu, findet sich ein freier mit Platanen besetzter Platz, an dessen Zugang der türkische Minister vom Pferde stieg, das er der Obhut seines Dieners anvertraute. Als ein vorsichtiger Mann überzeugte er sich nochmals, dass ihm der Griff zweier Pistolen unter dem Mantel zur Hand war, und indem er dessen Kapuze über den Kopf zog, betrat er den Platz und schritt auf die Terrasse der Moschee zu. Auf den oberen Stufen des Rundganges, im Schatten der hohen Mauern, fand er zwei seiner harrende Personen, den Khawass-Aga, den er mit einem Auftrage aus dem Seraskiat abgesandt, und einen fremden Mann, den der Leser als den Kahvedschi aus dem Maltesergässchen in Galata wiedererkannt haben würde, in dessen haus Fuad-Effendi vor etwa zwei Monaten den ungarischen General aufgesucht. Die Abwesenheit des fähigen und schlauen früheren Ministers des Auswärtigen gerade in diesem Augenblick der Gefahr durch seine Mission an der Donau war von den Führern der Kriegspartei bei ihren Beratungen schwer empfunden worden, während ihre Gegner dieselbe eifrig benutzten.

Der Pascha flüsterte seinem Untergebenen einen Befehl zu, worauf dieser, die Hand am Säbel, in einige Entfernung zurücktrat, so dass er das Gespräch nicht hören konnte. Hayreddin liess sich auf einer der die Balustrade des Aufganges bildenden Marmorquadern nieder und winkte dem Mann, heran zu treten, bis dieser in der Entfernung von drei oder vier Schritten von ihm war, wo ihm der Pascha, – durch die Balustrade von ihm getrennt und gesichert, – befahl, stehen zu bleiben.

"Du bist Demetrio, der Kahvedschi aus der Malteser gasse?" fragte er.

"Wie Euer Excellenz befehlen."

"Vor drei Tagen sind in Deinem haus zwei Galiand schi6 von den Schiffen der Ungläubigen, Inglesi, ermordet worden?"

"Bei der Seele meines Vaters!" schwor der Grieche, "Ihr seid falsch berichtet, o Effendi mou. Ich weiss von keiner solchen Tat."

"Willst Du in meinen Bart spucken, ungläubiger Hund?" zürnte der Pascha; "ich kenne Dich und Dein Haus, es ist das berüchtigste von ganz Stambul und nur meiner Nachsicht hast Du es zu danken, dass die Mordgrube geduldet wird. Aber tue Deine Augen auf, Mann, und höre, was ich Dir zu sagen habe. Die Inglis sind eine Nation, die nicht mit sich spielen lassen, und bei der ersten neuen Klage werde ich Dir den Kopf vor die Füsse legen."

"Sen ektiar derIhr seid der Herr, was kann ich tun!" winselte der Grieche. "Es gibt viele schlimme Häuser diesseits des Horns und es fehlt nicht an Räubern und Mördern in Constantinopel. Wie soll ich verhindern, dass ein Franke beraubt oder erschlagen wird?"

"Bosch! was geht das mich an? In Deinem haus sind die Galiandschi ermordet worden, ich habe den Beweis und schicke Dich vor den Kadi, wenn Du nicht tust, wie ich Dir befehle."

Der Grieche spitzte die Ohren.

"Ich küsse den Staub Eurer Excellenz, ich bin der Sclave Ihres Worts."

"Wie viel Männer zählst Du in diesem Augenblick zu Deiner Bande?"

"Euer Excellenz sind im Irrtum ..."

"Pesevenk7, antworte!"

"Wenn Euer Excellenz es nicht anders wollen," sagte entschlossen der Mann, "es sind ihrer sechsundzwanzig."

"Und wie viel vermagst Du bis morgen Abend zusammenzubringen?"

"Das ist nicht schwer, mindestens zweihundert."

"Das genügt. – Es wird morgen eine Versammlung von Griechen auf dem Okmeidan stattfinden."

"Ich habe davon gehört."

"Wohl! lass Deine Freunde sich nicht in die Sache mischen und ihre Hand fern davon halten."

"Das wird schwer halten," meinte der Grieche; "es sind Teufel, die sich nicht zügeln lassen."

"Nun, bei meinem Bart, wenn sie Teufel sind, so will ich sie zu Azraël dem Höllenfürsten senden! Ich bin nicht hierher gekommen, dass Du mir in den Bart lachst, Hund von einem Kahvedschi! Du weisst, dass Du mit Einem sprichst, der die Macht hat, zu befehlen und Euch Alle aus Stambul zu jagen. Ich habe a n d e r e Arbeit für Dich und Deine Freunde."

"Das ist etwas Anderes