nach der Tür und schob den Riegel vor, sie flehte ihn an, sie in dieser Nacht der Gefahr und Angst nicht zu verlassen, und Gregor Caraiskakis, der starre, tugendhafte Patriot, lauschte den Worten des schönen Weibes und blieb. Mit koketter Geschäftigkeit bereitete ihm das Mädchen an einem Ende des Divans das Lager und führte ihn dahin. Dann häufte sie für das ihre die Kissen und Polster auf der entgegengesetzten Seite.
Die beiden Kerzen auf dem Tische löschte ihr Hauch – bald hörte der Grieche nur noch die schweren wogenden Atemzüge seiner Gefährtin.
So verging eine Zeit, – trotz der körperlichen Erschlaffung vermochte auch er nicht die Ruhe zu finden. Ein tiefer, sehnsüchtiger, leidenschaftlicher Hauch schwellte seine Brust und drang über seine Lippen.
Da fasste eine weiche sammetne Hand die fieberglühende seine, ein üppig runder Arm umschlang ihn, und der süsse Atem eines heissen Mundes flüsterte dicht an dem seinen:
"Warum verschmäht mein Herr und Retter seine Sclavin? Soll das Herz allein ihm gehören und nicht der Leib? Möge mein Gebieter seine Dienerin nicht verachten!"
Und die buhlerischen Künste des Harems umstrickten ihn, die heissen glühenden Lippen sogen auf den seinen, electrische Funken der Lust sendend durch die entflammende Berührung in seinen Körper, weiche üppige Formen drängten und schmiegten sich an ihn – Vaterland – Freiheit – Alles war vergessen in dem entzückenden Rausch.
Der Todfeind der Moslems ruhte wonnetrunken an dem Busen der verbannten Odaliske des Grossherrn, – der Gerettete und Befreite schwelgte in den wollüstigen Reizen der Tochter des Mannes, welcher kaum zwei Monden vorher f ü r i h n , für seine Freiheit und seine Zukunft das Haupt dem Yatagan des türkischen Henkers geboten hatte, – Gregor Caraiskakis im Arm, am Busen von Nausika, der Tochter des Janos!
Auch der Zweite der tapfern, der edlen Brüder, die den Heldenkampf begonnen, war der Versuchung erlegen, der Eine im Harem zu Skadar, der Andere im Fanariotenhause zu Stambul.
Was will alle Kraft der erhabensten Empfindungen, alle Begeisterung der Tugend und Ehre gegen die Katarakten des erregten Bluts und den Samum der leidenschaft!
Das Seraskiat, von dem Turme überragt, auf dessen Höhe die Feuerwache von Constantinopel ist (Dschandchin Koskj), liegt in der Nähe der Suleimania und des alten Serails; unfern davon, tiefer in die Stadt hinein, der Moschee des Fürsten Schekzade gegenüber, der Platz, auf dem die alte Janitscharen-Kaserne stand, deren Hof einst die Stätte des blutigen Gemetzels ihrer Vernichtung war. Der frühere Wohnsitz des Janitscharen-Aga's ist jetzt der Palast des Seraskiers oder Kriegsministers, Mehemed Ali's, des Schwagers des Grossherrn, während Reschid Pascha, der Minister des Auswärtigen, im Palast der Pforte residirt.
In einem streng nach türkischer Sitte eingerichteten grossen Gemache des Seraskiats waren an diesem Abend die Mitglieder der Kriegspartei im Ministerrat und seine Vertrautesten um Mehemed Ali zu einer ernsten Beratung versammelt: Arif-HikmetBei, der Scheik ul Islam des Reichs, Mahmud-Pascha, der bereits abgesetzte Grossadmiral, Mehemed Ruschdi, Chaireddin-Pascha und Safeli-Pascha, der neue Finanzminister. Auf einem Ehrenplatz des Divans sass mitten zwischen den Moslems ein Mann in europäischer Kleidung von mittleren Jahren, dessen langgestrecktes schmales Gesicht, rötlich blondes Haar und wasserblaues, kaltes und beobachtendes Auge den Briten verriet. Es war Master Alison, der orientalische Secretair der britischen Gesandtschaft in Constantinopel, die rechte Hand des Viscount de Redcliffe, und durch seine Gewandteit und Kenntniss der orientalischen Verhältnisse zur Zeit eine der einflussreichsten Personen in Constantinopel.
Jeder, der mit den Geheimnissen der türkischen Di
plomatie einigermassen bekannt war, wusste sehr wohl, dass bis jetzt sämtliche Antworten und Noten der Pforte aus der Feder Master Alison's gekommen waren.
Die Beratung war ziemlich stürmisch und die
Stimmung noch erbitterter, als der britische Secretair, durch seine Dragomans, – diese unübertrefflichen politischen Spione und Agenten bei der Pforte, – auf's Genaueste unterrichtet, ihnen mitteilte, dass der Grossherr bereits die Fermans unterzeichnet habe, welche auch Ruschdi-Pascha sofort vom Kommando der Garden und Hayreddin vom Amt des Polizeiministers entoben und Letzteren als Inspektor der Armee nach Asien sandten.
Der Seraskier sah sehr wohl ein, dass der nächste Schlag gegen ihn selbst gerichtet sein und dass sein Todfeind Halil damit nicht säumen werde.
Von ihm, oder vielmehr durch ihn von der Sultana Adilé, war daher auch der erste Gedanke des bewaffneten Widerstandes und einer gewaltsamen Demonstration angeregt worden, bei deren Beratung sich Master Alison jedoch jeder Einmischung entielt, indem er erklärte, dass seine diplomatische Stellung ihm die Billigung einer Auflehnung gegen den Willen des Grossherrn verbieten müsse, während er auf der anderen Seite geschickt durch ein hingeworfenes Wort den gang der Beschlüsse zu leiten verstand.
Nur als der wilde Mehemed, von seiner Erbitterung hingerissen, von dem geistlichen Vorstande des Reichs verlangte, dass, wenn der Grosssultan AbdulMedjid bei seiner Neigung zu ihren Gegnern verharren sollte, er ab- und Abdul-Azig, sein Bruder, an seine Stelle gesetzt werden müsse, erklärte der Brite sehr energisch, dass die verbündeten Mächte, denen der schwankende leitbare Charakter des regierenden Padischah's sehr passend war, die A u s f ü h r u n g eines solchen Planes nicht dulden und die Flotten sofort einschreiten würden. Eben so sprach er sich gegen eine Militair-Revolution aus, die Ruschdi-Pascha vorschlug, indem er sich der Garden versichert erklärte.
Die Zeit war vorbei, in denen die Janitscharen die