Waffen gegen das Reich Eurer Majestät. Persien rüstet zum Kriege. Die Flotte ist zur Hälfte vernichtet, die Finanzen des Staates sind so erschöpft, dass ohne eine schwer zu realisirende Anleihe die nötigsten Bedürfnisse nicht zu bestreiten sind und das Heer zum teil seit vierzehn Monaten keinen Sold erhalten hat. Die griechische Bevölkerung in Anatolien, Rumelien und auf den Inseln ist zum offenen Aufruhr geneigt, selbst die türkische Einwohnerschaft ist schwierig, man hat den Fanatismus aufgeregt und erhöht auf diese Weise die gegenseitige Feindschaft."
"Inshallah," sagte der Grossherr, "was können wir tun? wir sind nicht schuld an dem Unheil."
"Euer Majestät möge dem Czaren, Ihrem wahren Freunde, vertrauen. Der Divan und der Ministerrat mögen sich morgen bereit erklären, auf die Friedensverhandlungen einzugehen, welche die vier Mächte vorgeschlagen haben, und man wird den Engländern und Franzosen damit den Vorwand nehmen, sich weiter einzumischen. Was haben sie bis jetzt getan, als ihre Flotten hierher gesandt, die Constantinopel bedrohen, ohne nur eine Kanone zum Schutz der Türkei gelöst zu haben? Ich bitte Euer Majestät, zu bedenken, dass wenn die Türkei sich Frankreich und England übergiebt, ihre Selbstständigkeit auf's Höchste gefährdet ist; dass sie französische und englische Schutztruppen kaum je wieder los werden wird, welches auch der Erfolg des Krieges sei; dass die Kosten eines solchen das Land vollends ruiniren und wahrscheinlich einiger seiner besten Provinzen berauben werden; denn Oesterreich wird auch seinen Anteil verlangen und England ist schon längst nach Candia, Cypern und Unter-Egypten lüstern."
Er machte eine Pause, – der Sultan – der Beherrscher eines Gebiets von mehr als 30,000 Quadratmeilen – hatte ihm finster zugehört, denn er kannte die Wahrheit dessen, was der Unterhändler ihm aufzählte, und gedachte traurig der Macht seiner Väter, vor denen Europa noch vor 150 Jahren gezittert hatte. Aber mit der, den Orientalen in diplomatischen Verhandlungen eigentümlichen Schlauheit und Zähigkeit sagte er:
"Die Inglis und Franzosen haben von mir noch Nichts gefordert und erklären, mein gutes Recht unterstützen zu wollen. Mein Bruder der Czar aber hat gegen alle Verträge zwei meiner Provinzen genommen und mich gezwungen, den Krieg zu erklären. Es ist nicht das erste Mal, dass ein russisches Heer mein Reich bedroht."
Der Baron war zu gewandt, um den schlagenden Streich nicht zu pariren.
"Euer Majestät wollen sich erinnern," sagte er, "dass der Czar sich durch die Minister der Pforte beleidigt glaubt und die Donau-Fürstentümer nur als Pfand für die Erfüllung alter Verträge in Besitz genommen hat. Er wird sich nicht weigern, sie bei einem neuen und festen Bündniss sogleich herauszugeben. Euer Majestät werden zugeben, dass Russland das natürliche und erste Anrecht auf die Bundesgenossenschaft der Türkei hat und dass es in letzter Zeit am hof von Stambul durch die englische und französische Partei sehr verdrängt und benachteiligt worden ist. Euer Majestät wollen ferner sich erinnern, dass der Kaiser Nicolaus sich nie als Eroberer gezeigt und im Frieden von Adrianopel sofort alle Eroberungen herausgegeben, ja die stipulirten Kriegskosten erlassen hat;" – er warf bei diesen Worten einen scharfen blick auf Chosrew, dessen grosses Vermögen von jener Zeit datirt; – "dass der Kaiser ferner in dem Kriege gegen Mehemed Ali und Ibrahim Pascha sich als uneigennütziger Verbündeter zeigte, gegen dasselbe Egypten, dessen Horden Euer Majestät jetzt gegen Russland senden."
Es entstand eine längere Pause. Chosrew, dessen schwache und empfindliche Seite die Erinnerung an Ibrahim Pascha war, der ihn wiederholt besiegt hatte, brachte geschickt das Gespräch in eine andere Phase.
"Allah bilir, es ist ein Unglück, dass die Franken ihre Schiffe vor unsere Stadt gelegt haben, sonst könnte Alles gut gemacht werden. Was befiehlt der Padischah?"
Der Grossherr blickte ärgerlich auf den alten Intriguanten.
"Ich erwarte Rat von meinen Wessiren."
"Wenn es dem Vater aller Herrscher gefällt," meinte Halil, "so habe ich zahlreiche Freunde im Divan, und einige Beutel werden das Uebrige tun, dass man morgen für die Friedensverhandlungen stimmt."
"Vielleicht hat unser fränkischer Freund einen weiteren Vorschlag," meinte der greise Grosswessir mit einem listigen Augenzwinkern nach dem Baron.
"Ich glaube, Euer Majestät die nötigen Vorschläge machen zu können, sobald Allerhöchstdieselben ernstlich zu einem Schutz- und Trutzbündniss mit Russland entschlossen sind. Der Kaiser stellt noch immer seine Flotte und eine Armee von hunderttausend Mann zum Schutz der Dardanellen zur Verfügung."
"Aber wie wäre das auszuführen?"
"Durch die Anknüpfung der Friedensverhandlungen würden die Westmächte jedenfalls verhindert werden, Landtruppen nach dem Orient zu senden. Eine Scheindiversion russischer Schiffe auf die anatolische Küste könnte gelegenheit geben, die verbündeten Flotten in's Schwarze Meer zu locken, wo sie sich bei der jetzigen Jahreszeit unmöglich zusammen halten können. Russland ist bereit, sofort nach dem Abschluss des geheimen Traktats die Fürstentümer zu räumen, und wird seine Truppen an der Donaumündung und in Odessa concentriren, von wo sie leicht nach Varna oder Burgas gebracht werden können. Wenn nach der Bereitschaftserklärung zu Friedensverhandlungen die Flotten nicht sofort aus dem Bosporus und den Dardanellen entfernt werden, wird Russland die Forderung stellen, eine Anzahl von Kriegsschiffen gleichfalls hier stationiren zu dürfen. Entweder sind dann die Flotten der Westmächte in dem Schwarzen Meere abgesperrt und in unserer Hand ein Unterpfand, oder die russische Flotte in Verbindung mit der türkischen und egyptischen und den Kastells der Ufer wirb vollkommen genügen, jene im Zaum zu halten oder zu vertreiben