Sultan zum Divan zurückführten und ihn auf die Kissen nötigten. Auf den Wink Halil's war Téifur-Aga, der Chef der schwarzen Eunuchen, näher gekommen. Die Verbündeten wussten, dass er ein bitterer Feind und Neider des Kislar-Aga war und zu ihrer Partei gehörte.
"Höre mich an, o Schatten Gottes," sagte der greise Staatsmann. "Wir Alle fühlen, dass Deiner Macht und Deiner Seele ein Wehe geschehen, aber was getan ist, ist getan und lässt sich nicht ändern. Unsere Feinde sind mächtig und wir müssen mit ihnen kämpfen mit der Klugheit der Schlange, denn diese Franken haben die Ueberhand."
"Aber der Padischah ist der Herr," warf Halil giftig ein. "Soll er sich in den Bart lachen lassen von seinen Knechten?" "Hört mich wohl an," sagte bedächtig der Greis, "und lasst mein Wort nicht in den Wind fallen. Die Partei des Seraskiers im Ministerrat ist stark und wir müssen sie schwächen, ehe wir den Streich auf das Haupt aller unserer Feinde können fallen lassen. Der Scheik ul Islam hat sich für den Krieg erklärt und die Hälfte der Diener des Palastes hängen Mehemed Ali an, und leicht würde er das Volk zu den Waffen rufen können. Aber das Volk ist jetzt auch erbittert aus Mahmud, den Kapudan Pascha, seinen Schützling, und sagt, dass die Vernichtung unserer Flotte seine Schuld sei. Ihn kann der Grossherr ohne Gefahr entfernen." "Er falle!" sagte der Sultan. "Wer soll an seine Stelle kommen?" "Möge die Sonne Deiner Gnade Riza Pascha bescheinen." "So sei es. Fertigt den Ferman aus, dass ich unterzeichne." Der schlaue Chosrew zog ein Papier aus seinem Busen, das bereits die Entlassung des Grossadmirals entielt und in das nur noch der Name seines Nachfolgers eingezeichnet zu werden brauchte. Er nahm das Schreibzeug von seinem Gürtel und der Sultan unterzeichnete hastig seinen Namenszug. "Es ist nicht möglich, die künftige Sultana Valide zu strafen oder eine Tochter aus Mahmud's Blut um einer mingrelischen Sclavin willen. Es würde einen Aufstand im Palast erregen. Der Kislar-Aga ist ihr geheimer Freund, aber wenn Téifur-Aga an seine Stelle kommt, wird er die Weiber im Zaume halten und kann die Sultana nach dem Burnu-Seraï führen und Deiner Schwester den Eintritt in den Harem weigern. Er wird das Paradies des Grossherrn von ihren Geschöpfen säubern."
Das breite Gesicht des Mohren glänzte vor freudiger Erwartung, denn der Posten des Kislar-Aga steht dem Range nach zunächst am Grossvezir und ist durch seine Stellung einer der einflussreichsten.
Der Sultan bedachte sich einige Augenblicke, dann zog er rasch den Siegelring vom Finger und reichte ihn dem Eunuchen.
"Du bist der Kislar-Aga und mögest treuer als Dein Vorgänger meine Befehle erfüllen."
Der Schwarze warf sich aus den Boden und berührte drei Mal mit der Stirn die Erde. Dann erhob er sich freudestrahlend und blickte auf Chosrew.
"Wenn es dem Padischah gefällt," sagte dieser, "so möge die Veränderung im Palast bis morgen früh verborgen bleiben und erst zur Stunde der Divansitzung laut werden, damit wir unsere Feinde auch auf allen Seiten überraschen. Die Artillerie, welche die Brennibors4 gebildet haben, ist treu und möge die Wachen beziehen. Sie liebt weder den Seraskier, noch Mehemed Ruschdi, den Commandeur der Garden."
Der Sultan schüttelte das Haupt, – in der Türkei das Zeichen der Bejahung.
"Es ist notwendig, dass wir im Ministerrat mindestens eine gleiche Stimmenzahl auf unserer Seite haben," fuhr der Greis fort. "Wenn der Schatten Gottes die Verbannung aufheben und den Gatten seiner Schwester wieder in den Rat berufen will als Beistand, würde unsere Stärke wachsen."
Er reichte dem Sultan einen zweiten, gleichfalls bereit gehaltenen Ferman und Abdul-Medjid unterzeichnete; Halil küsste den Zipfel seines Rockes.
Der Grossherr blickte sie jetzt Alle der Reihe nach finster an.
"Mashallah," sagte er mit erzwungener Energie, "ich habe jetzt allen Euren Willen getan, nun will ich den meinen und Rache für Mariam haben. Die Sclaven sollen sterben, welche die hände an ihren Leib gelegt haben, und das Weib, das man mir für sie gegeben, beleidige nicht länger meine Augen."
Die Werkzeuge sollten für die Schuld der Hohen büssen, – türkische Gerechtigkeit, die sich oft genug im civilisirten Europa wiederholt.
Der alte Chosrew machte das Zeichen der Zustimmung.
"Pek äji! es kann ohne Gefahr geschehen und sie mögen sterben. Wofür ist Téifur-Aga da? Er möge seine Ohren auftun und kein Esel sein. Ist es dem Grossherrn jetzt genehm, zu hören, was dieser Franke von unseren Freunden, den Russen, zu sagen hat?"
Der Sultan, von der vorhergegangenen Aufregung erschöpft, war auf dem Divan wieder in seine frühere apatische Haltung gesunken; die Röte des Schmerzes und Zorns hatte der gewöhnlichen krankhaften Blässe Platz gemacht und er bejahte stumm, indem er dem Knaben winkte, ihm das Rohr des Nargilehs wieder zu reichen, und dem Baron, auf dem Divan Platz zu nehmen.
"Euer Majestät," sagte dieser, "sind in einer schlimmen Lage, indem Sie sich von Ihrem natürlichen Freund und Verbündeten, dem Czaren, abgewandt haben. Ihre Armee ist an der Donau zurückgedrängt und in Asien besiegt; in Serbien, Montenegro und Griechenland drängt das Volk zur Ergreifung der