ehrfurchtsvollen Verbeugungen. Der gewandte Abenteurer und Unterhändler war ein Mann von stattlicher Persönlichkeit und äusserst gewandtem Benehmen, was ihm überall einen guten Empfang sicherte. Obschon der türkischen Sprache ziemlich mächtig, redete er doch den Grossherrn in französischer an, die der Sultan jedoch nur sehr mittelmässig spricht.
"Möge Euer Majestät geruhen, meine Huldigung und meinen Dank anzunehmen für die erlaubnis, das Antlitz des Grossherrn zu sehen. Möge Euer Majestät auch nachträglich meinen Dank empfangen für die Gnade, dass Sie aus der Hand eines Franken durch die Vermittelung meines Freundes Ali-Pascha ein demütiges Geschenk seiner Ergebenheit nicht verschmähten."
Der Sultan sah den in ehrerbietiger Haltung vor ihm Stehenden überrascht an.
"Sie sind willkommen, Herr," sagte er freundlich, "aber ich verstehe Sie nicht ganz."
"Euer Majestät wollen verzeihen, wenn ich sage, dass ich es war, welcher die Ehre hatte, eine Sclavin durch den Pascha von Brussa Eurer Majestät als Dienerin vor etwa Jahresfrist zu übersenden."
Das Auge des Sultans funkelte.
"Wen meinen Sie, Herr? ihr Name?"
"Mariam, eine Mingrelierin."
Der Schlag war geradezu geführt; die Hand des Sultans zuckte unwillkürlich nach dem Herzen, dann liess er sie kraftlos sinken und erwiderte traurig: "Ich danke Ihnen, mein Herr, für das Geschenk – die arme Mariam liegt noch immer schwer danieder an einer ansteckenden Krankheit."
"Mariam ist tot," sagte ernst der Baron.
Der Grossherr beugte sein Haupt.
"Inshallah! Wie Gott will! So ist sie also dennoch gestorben an den schwarzen Blattern. Es tut meinem Herzen weh, diese Kunde von Ihnen zu bekommen, wo Sie dieselbe auch her wissen mögen."
Er wandte das Gesicht nach Mekka und begann ein leises Gebet zu murmeln.
"Verzeihen Euer Majestät, dass ich Ihre Andacht unterbreche, aber Mariam die Mingrelierin ist nicht an den Blattern gestorben, denn sie hat die Krankheit n i e gehabt."
Der Sultan sah ihn gross und fragend an.
"Mariam," fuhr ruhig und langsam der Baron fort, "ist in der Nacht zum 10. November im Serail zu Stambul grausam durch die Martern der Folter ermordet worden. Ihr letztes Wort war der Name Eurer Majestät." Der Beherrscher der Moslems fuhr mit einem Sprunge gleich dem verwundeten Löwen in die Höhe. Er vergass aller Etikette des türkischen Hofes so weit, dass er, – der nur von den höchsten und vertrautesten Dienern des Harems angerührt werden darf, – mit beiden Händen den Arm des Fremden erfasste. "Dschaur! bei dem Propheten, Du lügst!" Der Wessir und Halil waren ruhig sitzen geblieben, – Beide waren auf die Scene vorbereitet. "Möge die Zuflucht der Welt ihrem Sclaven das Wort gestatten," sagte der Schwager des Grossherrn; "der Dschaur ist ein vornehmer Mann in seinem land und sein Mund redet keinen Kot, sondern die Wahrheit." Der unglückliche betrogene Grossherr sank auf die Kissen zurück und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen. "Wer? wer?" stammelte er kaum hörbar. "Die Bujuk-Sultana3 und meine Schwägerin, Adilé Sultana," sagte Halil-Pascha, "haben der Tat beigewohnt. Sie liessen die Odaliske martern, um für ihre Freunde, die Inglis und Franzosen, Geheimnisse des Grossherrn zu erpressen. Unser guter Freund Fuad Effendi, den der Ministerrat vor acht Tagen als Bevollmächtigten zum Sirdar, seinem Genossen, an die Donau geschickt hat, leitete die Marter. Ich habe gesprochen – auf mein Haupt komme es."
Abdul Meschid schaute wild – mit funkelnden Augen umher, und sie fielen auf den greifen Chosrew.
"Du bist der Todfeind Fuad's und der Sultana," sagte er hastig zu Halil, "ich kann Dir nicht glauben! Rede Du, Chosrew, der Lehrer und Schützer meiner Jugend!"
"Halil und der Dschaur reden die Wahrheit. Das Weib Deines Herzens ist gemordet worden, aber sie hat standhaft geschwiegen und sich der Zuneigung des Grossherrn würdig gezeigt."
Der Sultan erhob sich; seine Augen flammten, wie einst die seines Erzeugers, das bleiche Gesicht rötete sich dunkel.
"Beim Barte Mahmud's, meines grossen Vaters, ich will nicht umsonst Hunkiar der Bluttrinker heissen, denn sie soll gerächt werden an meinem eigenen Blut! Hinaus, Knabe, und rufe den Aga."
Der greise Wessir war aufgesprungen und hatte sich dem wütenden Herrn in den Weg geworfen.
"Halt ein, Padischah! Um des Propheten willen, bedenke, was Du tust und höre den Rat Deiner Freunde!"
Der Grossherr fasste die hände der Beiden.
"Ich weiss es, Ihr seid dem Sohne Mahmud's treu und ich darf auf Euch zählen. Sie sollen sterben, sterben alle drei, die diese Tat an meinem Herzen vollbracht haben, das sie liebte. Ein Mal hab' ich es bezwungen, als die Hand meines Vaters grausam auf mir lag; jetzt bin ich der Herr und wehe den Schuldigen!"
Er war ausser sich, und selbst der intriguenvolle, nur seinen Interessen folgende Abenteurer sah mit aufrichtigem Bedauern auf den jungen Monarchen, der, der Herr von Millionen, der Herrscher in drei Weltteilen, mit all' seiner Macht nicht vermocht hatte, ein schwaches Weib zu schützen, das er liebte.
Der Aga war in das Gemach getreten und stand harrend am Eingang, während der Greis und Halil-Pascha den