dunkle Gestalten bewegten sich um das Gebäude. Sie befanden sich hier in einem erleuchteten und von Kohlenpfannen erwärmten Vorgemach, wo sie die Mäntel ablegten und sich der Stiefel entledigten, um nach türkischer Sitte die Füsse mit weichen Pantoffeln zu bekleiden.
Die beiden Begleiter des baron zeigten sich jetzt als zwei Moslems, der Eine ein Greis mit langem grauem Bart, listigen Augen und kühn hervorspringender Nase, der Andere als ein stattlicher Mann von einigen dreissig Jahren mit geistreichen und lebendigen Zügen.
Nach kurzer Zögerung für die Toilette der Eintretenden verschwand der Aga durch den Vorhang der gegenüber liegenden Tür, erschien dann auf's Neue und gab den Harrenden den Wink, sich zu nähern. Er selbst blieb im Vorgemach zurück.
Das Gemach, in das sie traten, füllte mit Ausnahme des kleinen Vorzimmers die ganze Rundung des Pavillons. Es war von einer Krystallkrone erleuchtet und gleichfalls von silbernen Kohlenbecken durchwärmt, aus denen zugleich der leichte Duft einer wohlriechenden Essenz durch das Gemach strömte. Die Jalousiefenster waren sorgfältig mit dicken turkomanischen Teppichen verhängt, damit kein Lichtstrahl nach aussen dringen konnte. Rings um die Wände liefen Divans und gegenüber der Tür ruhte auf denselben die schlaffe Gestalt des Sultans, zu seinen Füssen ein stummer Mohrenknabe auf dem Boden knieend, der das Nargileh des Grossherrn in Brand erhielt und mit seinen grossen braunen Augen auf jeden Wink des Gebieters lauschte.
Der Sultan und der stumme Knabe waren allein in dem Gemach.
Die hände auf die Brust gekreuzt, nahten sich die beiden Türken dem Herrscher, warfen sich in einiger Entfernung vor ihm nieder und verharrten in dieser Stellung mit zu Boden gehefteten Augen. Der Baron machte eine tiefe Verneigung und blieb in gebeugter Haltung am Eingang stehen, bis der Grossherr das erste Wort gesprochen.
Dieser hatte sich halb aufgerichtet auf dem Divan, das kostbare Mundstück des Rohres zur Seite gelegt und streckte beide hände nach dem Jüngsten der Knieenden.
"Khosch dscheldin2, mein Bruder Halil. Ich hoffe, Eure Laune und Eure Gesundheit sind gut und Ihr werdet es dem Grossherrn, Eurem Schwager, nicht nachtragen, dass er Euch noch nicht öffentlich empfangen konnte, wie es Einem gebührt, der mit einer Tochter aus dem haus Omar's das Lager teilt."
H a l i l -P a s c h a , der jüngere Schwager des Sultans, durch die Intriguen des Seraskiers aus Constantinopel verbannt und von jeder Beteiligung an den Staatsgeschäften entfernt, war erst vor zwei Tagen auf eine Botschaft Chosrew's, denn dieser war sein Begleiter, nach Stambul heimlich zurückgekehrt. Er war als Russenfreund bekannt, früher längere Zeit am hof von St. Petersburg Gesandter gewesen und hatte dort viele Auszeichnungen genossen. Er gehörte mit Chosrew zu den entschiedensten Gegnern des Krieges, und dessen Beförderer hatten ihn daher auf alle Weise vom Sultan fern gehalten; dem schlauen alten Grosswessir war es aber dennoch gelungen, ihm diese heimliche Audienz zu verschaffen.
"Möge Dein Schatten lang sein, o Zuflucht der Welt, und die Sonne Deiner Gunst neu auf den Getreuesten Deiner Diener fallen," antwortete ehrerbietig der Pascha, indem er, ohne die hände des Padischah zu berühren, den Zipfel seines Rockes an Stirn und Brust führte. "Meine Gesundheit ist gut und wird noch besser sein, wenn sie sich im Strahl Deiner Nähe sonnen kann. Du bist der Herr, Du befiehlst und unser Wille ist Nichts!"
"Ne apalum, was kann ich tun?" sagte der Sultan. "Ich bin von Verrätern umgeben, die mich in diesen Krieg stürzen. Ich habe so Vieles anhören müssen, dass mein Kopf wirr ist. Wie befindet sich die Fatimé Sultana, meine Schwester?"
"Die Küsten Asiens erscheinen ihr schwarz, seit sie die Zenanah des Grossherrn nicht mehr betreten darf."
"Desto öfter hab' ich den Teufel von Adilé dort," murrte der Sultan; "ich bin nicht Herr mehr in meinen eigenen Gemächern und diese Weiber lachen in meinen Bart. Sei willkommen, Wessir, Du bist einer der Getreuen meiner Mutter und kennst mein Herz. Nehmt Platz an meiner Seite, ich gestatte es Euch. Wer ist der Franke?"
"Schatten Gottes," sagte der alte Wessir, indem er mit seinem Begleiter Kissen vom Divan nahm, sie unsern des Sultans auf den Boden legte und darauf niederhockte, "erinnere Dich, dass Du mir erlaubt hast, ihn vor Dein Antlitz zu bringen. Es ist ein treuer Mann und ein Vornehmer in den Ländern der Franken. Er sehnte sich, Deinen Schatten zu küssen, und ich wollte, wir hätten vor acht Monden sein Anerbieten angenommen, das er vom Czar der Russen brachte."
Der Sultan rieb sich verlegen die Stirn.
"Was meinst Du, Vater?"
"Erinnere sich Deine Majestät," sagte Halil, "dass es die Flotte von jener Festung Sebastopol war und hunderttausend Mann guter Truppen, die uns der Czar zu Hilfe senden wollte, um die Dardanellen zu sperren."
"Ich bin wie ein Ball zwischen zwei Händen," sagte der Sultan finster. "Ist der Padischah bosch, Nichts, dass er das Erbe seiner Familie nicht mehr selbst verteidigen kann? Diese Franken machen uns zu Weibern, und sie haben gezittert vor dem Hauch meiner Väter!"
Die beiden Pascha's schwiegen verlegen, – sie wussten, wie recht der arme Sultan hatte.
"Lasset den Franken näher treten."
Auf einen Wink Chosrew's näherte sich der Baron mit