am 18. war stürmisch, und der Seraskier fand einen unerwarteten Widerstand in Chosrew und seinem Anhang.
"Man wirst mir vor, dass ich ein Russenfreund sei," rief der alte Veteran des Kabinets und der Schlachten. "Wohl, ich bin für den Frieden. Aber wenn mein Bart nach russischem Pulver riecht, so duftet der Eure nach französischen Salben!"
Der Divan ging auseinander, ohne zu einem Entschluss gekommen zu sein.
An diesem Abend warteten die Sultana und Nausika, die Odaliske des Sultans, die Tochter des Janos, vergebens auf das erscheinen des Grossherrn.
Es war bereits zehn Uhr Abends, also etwa vier Uhr nach türkischer Zeitrechnung, als vom goldnen Horn her ein grosses Kaik seinen Weg nach Tschiragan nahm und eine ziemliche Strecke weit über den Palast hinaus anlegte. drei in kurdische Mäntel gehüllte Personen stiegen aus und schienen von einem Offizier der schwarzen Eunuchen des Sultans am Ufer erwartet zu sein, denn – ein solcher verbeugte sich alsbald tief vor ihnen und schritt dann vor ihnen her, nach den Höhen zu, die sich hinter dem Palais erheben und die Gärten desselben bilden, den einzelnen Wachen ein Loosungswort zuflüsternd, das sie ungehindert passiren liess. Der Weg führt hinter Tschiragan auf Arnaudkoi zu terrassenartig steil in die Höhe, oft geht man zwischen Felswänden, oft zwischen 30 Fuss hohen Mauern, welche die Gärten des Sultans vor jedem fremden blick schützen. Erst auf der Höhe kann der blick sich frei und weit entfalten und umfasst den untern Bosporus bis rechts nach Skutari hin und links zum Turm von Anatoli Hissar, dem asiatischen Schloss.
Auf der Höhe dieses Berggipfels steht ein in italienischem Styl gebautes, ziemlich grosses elegantes Haus. Die Stürme des Pontus und die linden Zephyre des Südens umspielen seine Mauern, und die feurige Sonne des Orients brennt in seine Jalousieen und auf seine Balkone. Es liegt auf einer der schönsten Stellen von Gottes schöner Erde und ist die wohnung zweier Deutschen, des Obergartendirektors des Sultans und seines Substituten, beides geborene Baiern. Auch die Posten der Gehilfen und Untergärtner sind meist von jungen Deutschen bekleidet.
Das Haus steht in einem gleichfalls von einer hohen Mauer umgebenen, aber möglichst nach europäischer Art eingerichteten Garten, der unmittelbar an den des Grossherrn stösst. Eine gleiche Mauer, durch welche ein einziges schmales Pförtchen führt, zu welchem nur der Obergärtner und sein Stellvertreter den Schlüssel haben, trennt sie.
In dem Augenblick, wo wir die Vier hier hinauf begleiten, lag freilich nicht der Glanz hellen Sonnenscheins, des Frühlings oder Herbstes über jener herrlichen Aussicht, aber deshalb war sie nicht minder reizend im bleichen Lichtstrahl des Mondes, der ohnehin die Eigenschaft hat, die Farben aufzuzehren, und desto grossartiger die Formation und Plastik in Licht und Schatten hervortreten zu lassen. Ein weisser Reif, auf den Felsenplateau's selbst eine dünne Schneedekke, lag über dem ganzen Bilde, und der schmale Wasserspiegel, nach Stambul hin sich öffnend, glänzte – wo er aus dem Schatten der Bergwände trat – gleich einem Silberband.
Doch war es nur Einer von der Gesellschaft, der diesem herrlichen Anblick einige Augenblicke widmete, der bereits mehrfach erwähnte deutsch-französische Baron, der sich auf der Höhe des Plateau's umwandte und, seine gefährten weiter gehen lassend, die Augen über dies Eden der Nacht schweifen liess. Dann folgte er ihnen rasch, denn die egoistischen Gedanken des Ehrgeizes, des Interesses und der sorge in der eigenen Brust machen den Menschen gleichgültig für die Herrlichkeiten des Allmächtigen um ihn her. Der beste Beweis in der schneidend bittern Weise Larochefaucaulds, dass der Mensch alles Erschaffene für sich erschaffen glaubt. –
Das Haus mit seinen Umgebungen war still und öde, am Zugang hatte ihnen der Obergärtner selbst das Tor geöffnet, wieder geschlossen und war dort zurückgeblieben. Der Eunuch führte sie quer über den Platz zu dem Pförtchen, das sich in die Gärten des Grossherrn öffnete und klopfte in eigentümlicher Weise an dasselbe. Sogleich wurde es geöffnet, sie traten ein und fanden sich dem Tschannador-Aga gegenüber, der sie mit einer schweigenden Verbeugung empfing und vor ihnen herschritt. Die Pforte wurde von dem Eunuchen wieder geschlossen und er lehnte sich, den Säbel ziehend, aussen an dieselbe, um jede Annäherung zu verhindern.
Der Aga ging vor der schweigenden Gesellschaft durch die seltsamen gewundenen Gänge des Gartens her, und sie stiegen mehrere Terrassen hinab. Obschon der Winter die Vegetation erstarrt, die Bäume entblättert hatte, konnte man im hellen Lichte des Mondes doch die eigentümliche Ausstattung und Einrichtung des Ortes um so mehr ersehen, als das sonst so belebende Grün in den türkischen Gärten eben nur Nebensache ist, und der Baron – der zum ersten Mal diesen sonst unzugänglichen Ort betrat – benutzte die gelegenheit zum Umschauen. Auf dem natürlichen Felsen der Bergwand waren vielfach künstliche Felsgruppen in seltsamen phantastischen Formen angebracht, grosse Marmorbecken fingen in der bessern Jahreszeit Cascaden von wasser auf, oder bildeten die bei den Türken so beliebten Springbrunnen. Pagoden und wunderliche in Arabesken und Schnörkel verlaufende Tiergruppen, bunt bemalt, standen überall. Wo der Wind den Reif und Schnee von den Gängen und Rabatten hinweggefegt, sah man diese mit bunten Steinen, Muscheln und Porzellan eingefasst; zahlreiche Grotten, Kiosks, Tempel, chinesische Dächer und Pavillons in den baroksten Formen mit reicher Vergoldung und Malerei waren überall ziemlich ordnungs- und geschmacklos angebracht.
Nach einem der letzteren von grösserem Umfange wendete die Gesellschaft die Schritte. Zwei Tschannadors hielten die Wache am Eingang, durch welchen jetzt die Fremden das Innere betraten; ähnliche