?"
Der junge Tschetschenze war bleich wie der Tod geworden, – seine gesunde Hand zuckte krampfhaft nach dem Herzen – sein grosses dunkles Auge rollte wie irr über das Mädchen, während er sich auf dem Sopha emporgerichtet hatte.
"Sie nach dem Kaukasus – und ich hier? – grosser Gott, ich glaubte, Sie kehrten nach Warschau zurück!"
"Was ist Ihnen, mein Freund? – fassen Sie sich – man wird auf uns achten."
Er blickte wild um sich.
"Was kümmert mich Ihr Oheim – was der Fürst! Ich Tor, der ich war – fort, ihnen nach, dass sie meinem Vater sagen: sein Sohn ist bereit! – Und meine Ehre – mein Eid – –"
"Sie sind ausser sich – was kümmert Sie ein elternloses Mädchen, das in Ihrer fernen Heimat, die Sie nicht mehr lieben, eine Zufluchtsstätte finden soll?"
"Ich, Djemala-Din, mein Vaterland nicht lieben, wo S i e sind, – ich Sie nicht wiedersehen – Sie, Wanda?" er presste krampfhaft die hände in einander und gegen die Brust, dass der Verband des Armes sich löste und ein purpurner Strom herausschoss – "beim Blute Schamyl's weigerte ich meinem Vater den Gehorsam! Beim Blute Schamyl's! Wanda, am Elbrus sehen wir uns wieder!" und ohnmächtig sank er zurück auf das Ruhebett. – –
Fussnoten
1 Benennung der niederen polnischen Schänken. 2 Polnisch: Der Teufel mag Dich holen! 3 Hundssohn. 4 Mögen die Teufel Deine Mutter quälen! – ein gebräuchlicher polnischer Fluch. 5 Möge der Teufel Dich holen! 6 Stadt in Kleinasien, 15 Meilen von Brussa. Bem trat bekanntlich in Widdin zum Islam über; sein treuer Begleiter und Diener, der Artillerie-Sergeant Janek, der Wächter seines Grabes, erzählt den Reisenden, dass er als guter Katolik gestorben.
Der Aufruhr.
Während der Schlachtendonner bereits an der Donau und an den Küsten Klein-Asiens tobte, trieb die europäische Diplomatie noch immer ihr listiges Spiel, gleich als gälte es, nicht nur die Völker, sondern sich selbst zu täuschen. Jeder Einsichtsvolle in ganz Europa fühlte und wusste, dass der Krieg zwischen den Westmächten und Russland unvermeidlich sei, dass er das Ziel aller Einmischung und aller Intriguen, der Zweck aller Vorbereitungen war, und dennoch flogen täglich die Couriere nach allen Richtungen, dennoch wurde Project auf Project, Vorschlag auf Vorschlag gehäuft für Ausgleichung und Frieden, und die Höfe von Berlin und Wien schwelgten in Vermittelungen.
Zwei Männer allein in Europa wussten, was sie wollten: der Kaiser Louis Napoleon in Paris und Lord Palmerston in London; denn auch dem Giganten des Nordens, dem Czaren Nicolaus, begannen die Ereignisse über das hochgetragene Haupt zu wachsen, sein Glück, sein Stolz und seine Diplomatie hatten ihn getäuscht. Nur das Vertrauen auf sich selbst und sein Volk und der ungebeugte Mut wankten nicht.
Wir haben den gang der politischen Verhandlungen am Schlusse unsers ersten Bandes bis zum Ende des Monats October geführt, und nehmen sie dort zu kurzem Ueberblick wieder auf.
Noch immer tagte die wiener Conferenz. – Die englische Regierung hatte am 1. und 2. November das österreichische und preussische Cabinet aufgefordert, dass unter Beseitigung der andern Vorschläge die Grossmächte sich über einen von Lord Stratford am 21. October mit den andern Gesandten in Constantinopel aufgestellten und abgesandten Notenentwurf vereinigen möchten, da man annehmen könne, dass dieser der Pforte annehmbar erscheinen werde. In der Conferenz der vier Gesandten in Wien am 3. wurde dieser Entwurf vorgelegt, der österreichische, preussische und französische Bevollmächtigte erklärten jedoch diese Vorschläge bei der veränderten Sachlage nicht mehr für geeignet und Russland hielt nach der Kriegserklärung und Eröffnung der Feindseligkeiten zur Beendigung des Streits einen feierlichen Friedensvertrag für nötig.
Dagegen lehnte die französische Regierung einen vom Grafen Buol am 25. October gemachten Vorschlag ab, welcher eine Verständigung zwischen Russland und der Pforte über Wien intendirte.
Graf Buol schlug nun unterm 6. vor, dass die Conferenz eine Note entwerfen möge auf Grund der olmützer Verhandlungen. Diese Note würde die Pforte auffordern, zu verhandeln und selbst anzugeben, unter welchen Formen und Bedingungen. Zugleich müsse Waffenstillstand verlangt werden. Die englische und französische Regierung erteilten auch bis zum 11. November ihre Genehmigung zur Abfassung einer solchen Note. Ehe es aber zu derselben kam, hatte das österreichische Cabinet die auf ein früheres Project (vom 6. October) von Russland gemachten, von den Westmächten aber nicht genehmigten Gegenvorschläge an seinen Gesandten nach Constantinopel gesandt, mit der Instruction, sie bei der Pforte zu unterstützen.
unterdessen tat der englische Gesandte das Gleiche mit einem ihm unterm 24. October übersandten Plan seines Cabinets, dem auch Frankreich zugestimmt hatte. Reschid Pascha erklärte, dass er vor zwei Monaten noch annehmbar gewesen, jetzt aber nicht mehr.
Man sieht hieraus, dass nicht weniger als v i e r Ausgleichungsprojecte in demselben Augenblick sich kreuzten:
Die russischen Vorschläge vom 17. October von
Oesterreich in Constantinopel abgesondert unter
stützt;
der Vorschlag des österreichischen Cabinets
vom 6. November;
der ältere von Lord Stratford (unterm 28. Sep
tember und – 1. October) vorgeschlagene, von den
Westmächten unter'm 24. October genehmigte
Plan;
der neue Entwurf von Lord Stratford bei der
missglückten Verschiebung der Feindseligkeiten un
term 21. October von Constantinopel aus gemacht.
Sie alle ergingen sich hauptsächlich über die Art und Form der Ausgleichung und schadeten natürlich einer dem andern, wie