Schlitten. ––––––––––––––––––––––––––––
Es war eine seltsame Gruppe, die sich jetzt um die dampfenden Trümmer des Hauses versammelt hatte, deren noch fortglimmender Brand Schutz gewährte gegen die Kälte des Wintermorgens. – Auf einem halb verkohlten Balken sass – in den zurückgelassenen Pelz des Juden gehüllt – der junge Offizier, bleich von dem Blutverlust und der Aufregung seines inneren, vor ihm auf dem Boden kauerten die kräftigen Gestalten der beiden Tschetschenzen, der Boten des mächtigen Häuptlings, seines Vaters. In einiger Entfernung hatte sich der Jäger Bogislaw eine warme Stelle gesucht, und bewachte mit finsterm blick die drei gebundenen Polen, die Flinte für jeden Angriff neu geladen zwischen den Knieen, da er an der Leiche des Wirtes das gestohlene Pulverhorn wiedergefunden hatte. dicht daneben lagen die Körper der drei im letzten Kampf Erschlagenen, während die beiden Andern unter den Trümmern des Hauses begraben waren. über dem Allen wölbte sich der jetzt ungetrübte blaue Winterhimmel, so heiter und rein, als ahnte er nicht, welche Kunde von Schrecken und Mord der dunkel qualmende Rauch ihm zuführte.
"Du hast uns gesagt, o Herr," begann der Aelteste der Tschetschenzen, "dass Du Djemala-Din, der älteste Sohn und Erbe des heiligen Mannes bist, der das Volk der Mürbiden beherrscht und zum Kampf führt gegen die Feinde seiner Freiheit. Kannst Du uns ein Zeichen geben, an dem wir erkennen mögen, dass Der, welcher das Gewand unserer Feinde trägt, wirklich vom Blute Schamyl's stammt?"
Der junge Mann zog ruhig den kleinen Dolch hervor, mit dem er das Herz des Räubers durchbohrt, und zeigte ihn den Beiden. Auf der blaugrauen Klinge war ein Spruch des Korans eingegraben.
"Das ist das einzige, was mein Vater mir gab, ehe er sich von der Felsenwand Achulgo's in den Strom warf, der ihn aus der Gewalt seiner Feinde trug."
Die beiden Tscherkessen empfingen mit Ehrfurcht das Zeichen, besichtigten es genau und drückten es dann an Brust und Stirn.
"Wir sehen die Chiffre des Imam," sagte der vorige Redner, "und glauben Dir, o Jüngling. Djemala-Din, Sohn des unbesieglichen Fürsten des Kaukasus, nimm den Gruss Muhrad Ben Hassan's und Ali's, des Osseten."
Sie neigten Beide knieend das Haupt vor dem jungen Mann und führten seine linke Hand an Stirn und Brust.
Nach dieser Ceremonie zog der Aeltere der Boten aus dem Futter seines Rockes ein mit seidenem Band umwickeltes Schreiben, küsste dasselbe und legte es in die Hand des jungen Mannes.
"Der Imam," fuhr er fort, "hat zu zweien seiner Tapferen gesprochen: 'Es ist Zeit, dass der Erstgeborene meines Saamens kehre in das Land seiner Väter und an der Seite seiner Brüder stehe in dem grossen Kampfe, der sich bereitet. Geht und bringt ihn vor mein Angesicht.' – Deine Diener sind zur grossen Stadt Odessa gekommen, wo dem Imam ein treuer Mann lebt, der über der Hoffnung der Tschetschenzen stets ein offenes Auge gehalten. Von ihm erhielten wir Kunde, dass der Czar der Moskows Dich von seinem Antlitz gewiesen und in dieses Land der Wälder geschickt hat. Die Männer des Elbrus bargen sich in fremde Tracht und wandten sich nach Kiew, wohin uns Briefe wurden an vertraute Männer aus jenem verachteten Volk, das bestimmt ist, Handel zu treiben über die ganze Welt. So kamen wir gestern heimlich nach der Stadt, in der Du lebst mit Deinen Kriegern. Aber wir hörten, dass Du sie verlassen, und säumten nicht, uns aufzumachen, lange, ehe die Schatten der Nacht gewichen waren, um Dir nachzufolgen und keinen Augenblick zu verlieren. Der Prophet hat es gnädig gewollt, dass der Flammenschein dieses Hauses uns vom Pfade ab zur Stätte gerufen hat, wo der Sohn des Fürsten in Not war. Wir segnen den Propheten, dass er uns erlaubte, Djemala-Din aus der Hand der Mörder zu erretten, die seiner Tapferkeit zu Viele waren."
Der Offizier reichte bei der Erzählung Beiden die Hand.
"Ich danke Euch, meine edlen, und werde dieser Stunde nimmer vergessen, komme auch, was da wolle!"
Er nahm das Schreiben seines Vaters, löste das Band und entfaltete es. Dasselbe war in russischer und türkischer Sprache abgefasst; während er las, bedeckte eine düstere Falte die männlich freie Stirn.
"Mein Vater schreibt mir," sagte er endlich finster, "dass ich seinen Boten folgen solle, sobald ich dieses Schreiben erblickt, bei Tag und Nacht. Mein Vater vergass, dass sein Wort verpfändet ist dem grossen Czaren dieses Reiches."
"Der Imam hat Nichts vergessen," entgegnete der Mürdite, "aber der Geist hat ihm verkündet, dass die Zeit um sei, da sein Sohn als Geissel dienen musste dem fremden Herrn, und dass er das Recht habe, ihn an seine Seite zu rufen."
"Dann möge mein Vater seinen Erstgeborenen zurückfordern von dem Czaren."
"Es ist nicht die Zeit und gelegenheit dazu. Grosse Dinge bereiten sich im Osten und die herrschaft der Moskowiten an den Küsten unsers gesegneten Meeres ist ihrem Ende nahe. Dein Vater befiehlt, und es ist an Djemala-Din, zu gehorchen."
"Wenn der Fürst der Mürditen auch sein Wort gelöst glaubt," sagte der junge Mann ernst, "so möge er doch bedenken, dass Djemala-Din dem Czaren das seine als Krieger verpfändet hat, und dass er