an die nächsten Bäume binden.
Die Gräfin war zu einem in der Nähe des Gehöfts auf dem vorbeiführenden einsamen Wege angebundenen Gefähr der Fremden gebracht und in den Schlitten gehoben worden. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihr Retter verwundet war und das Blut stark aus seinem Arm hervordrang und ihn zu entkräften drohte. Während sie ihr Tuch fest um die Wunde schlang und die Blutung zu stillen suchte, kamen auch der Jäger und die Fremden herbei. Die Letzteren stürzten sich sogleich auf den Offizier, küssten den verwundeten Arm und übernahmen das Geschäft des Verbindens der Wunde, in dem sie geschickt und erfahren schienen. Dann auch kamen der Graf und der Jäger an die Reihe.
Während dessen fand eine kurze Veratung statt, was man zunächst beginnen wolle. Der Offizier hatte einige Worte mit den Fremden in ihrer unbekannten Sprache gewechselt und führte darauf den Grafen bei Seite.
"Mein Herr," sagte er, "das Schicksal hat uns seltsam zusammengeführt und schwere Gefahren gemeinschaftlich bestehen lassen. Der glückliche Zufall unserer Rettung ist mir selbst noch unklar, aber ich habe eine Bitte an Ihre Ehre, es ist die, wenn Sie das Schloss des Fürsten mit jenem Gespann, das ich zu Ihrer Disposition stelle, erreichen, Sie in der dort versammelten Gesellschaft nicht näher der beiden Männer erwähnen, die unsere Rettung bewirkt haben, und die hier mit mir zurückbleiben werden."
"Sie müssen mit uns gehen," entgegnete bestimmt der Graf. "Sie bedürfen von uns Allen zuerst besserer Hilfe, und mein Jäger und unsere fremden Retter können hier zurückbleiben, bis wir Beistand senden können, der vielleicht schon auf dem Wege ist, da man sicher den Brand bemerkt hat."
"Es ist unmöglich, Herr! ich habe mit diesen Männern zu sprechen."
"So sind sie Ihnen bekannt? ich hörte Sie in fremder Sprache mit ihnen reden und einen Namen, der mir nicht unbekannt ist. Sie sind ..."
"Ich bin Djemala-Din, des Imam Schamyl ältester Sohn und russischer Offizier."
"Sie waren noch diesen Sommer im Kadettencorps zu Petersburg? Verzeihen Sie die Frage."
"So ist es!"
"Dann kennen wir Sie schon lange, nicht bloss durch Ihr unglückliches Schicksal, das Sie in die hände Ihrer Feinde geliefert, sondern auch durch die Freundlichkeit und den Schutz, den Sie meinem Enkel, dem einzigen kind meiner einzigen Tochter, erwiesen haben. Der Knabe – Michael von Lasaroff ist sein Name – war mit Ihnen in dem Corps und hat uns oft von Ihnen geschrieben."
Er reichte ihm mit sichtlicher Freude die Hand. Der junge Mann nahm sie zögernd und mit einem Erröten an, das sein vom Blutverlust bleiches Gesicht färbte.
"Ich kenne den Knaben und liebe ihn," sagte er, "aber Sie irren, mein Herr, wenn Sie sagen, dass ein unglückliches Schicksal mich in die hände von Feinden geführt hat. Der Czar ist mir ein Vater gewesen, dem ich mehr verdanke, als meinem Erzeuger in den Schluchten des Elbrus, und nie wird meine Treue und Dankbarkeit für ihn enden."
Er sprach dies mit einer Festigkeit und Energie, die offenbar den bestimmten Entschluss eines kräftigen Herzens zeigen und jede weitere Berührung dieses Gegenstandes zurückweisen sollte.
"Missverstehen Sie mich nicht, Herr Graf," fuhr er fort, "wenn ich Sie dennoch bitte, von meiner Zusammenkunft mit jenen Männern, von der Sie der Zufall zum Zeugen gemacht, zu schweigen. Ich spreche zu einem mann von Ehre, und sage Ihnen daher unverhohlen, dass es Leute meines Volkes sind, die mein Vater mit einer Botschaft an mich gesandt zu haben scheint. Das Weitere weiss ich selbst noch nicht, – doch ist es oft geschehen, auch in Petersburg, dass ich auf ähnliche Weise Kunde erhielt von meiner entfernten Familie. Aber es könnte mir und Jenen nur von Gefahr sein, wenn unsere Zusammenkunft argwöhnischen Spähern bekannt würde."
Der Graf reichte ihm nochmals die Hand.
"Nehmen Sie mein Wort, Herr Lieutenant, für unser Aller Vorsicht. Bogislaw, mein Diener, ist ein treuer Mann und wird Sie nicht geniren, indem ich ihn hier zu Ihrem Beistande zurücklasse. Nach der Versicherung des Juden, der Ihre Freunde hergeführt, können wir in einer Stunde im schloss meines Freundes sein und Ihnen alle Hilfe senden. Dort sprechen wir mehr von Ihnen." –
Die weiteren Anordnungen waren rasch getroffen. Der Jude sollte mit seinem Schlitten, der nur Raum für zwei Personen bot, den Grafen und die Dame zum Schloss des Fürsten bringen, wohin jetzt beim Tageslicht keinerlei Gefahr mehr war, und mit dem Gefähr und weiterer Hilfe zur Abholung des Offiziers und der Gefangenen zurückkehren, Bogislaw aber bis dahin bei den Letzteren bleiben. –
Als der Offizier sich dem Schlitten näherte, streckte ihm die Gräfin die zierliche Hand entgegen und ihr Auge ruhte mit Innigkeit auf ihm.
"Ich höre von meinem Oheim, mein Herr," sagte sie, "dass Sie selbst noch andere Ansprüche auf unsere Dankbarkeit haben, als das Blut, das Sie in dieser Nacht für mich vergossen. Kommen Sie ja recht bald uns nach, Herr Djemala-Din, damit ich Ihnen besser sagen kann, als hier, wie tief wir Ihnen verpflichtet sind." –
Der junge Offizier beugte sich errötend über die Hand und küsste sie; der Graf empfahl ihm noch besonders, aus seine Wunde Acht zu haben, und dahin flog der