Rebell!"
Er unterlief den Greis und umschlang ihn, Beide rangen wütend gegen einander, der Eine geschwächt durch die Zahl seiner Jahre, der Andere durch die Wunde.
Weiter hin schlug sich noch immer Bogislaw mit den beiden Männern.
Der Offizier, als seine Waffe zersplitterte, hatte sie von sich geworfen und sich auf seinen Angreifer gestürzt und ihn umfasst. Auch dieser liess das Beil fallen und rang mit ihm. Ein Todesschrei hielt die fliehende Gräfin auf – sie sah, wie das Beil des jungen Räubers, welcher sie von dem Soldaten gerissen, den Kopf des Gefallenen spaltete, und sank, die Augen vor dem grauenhaften Anblick mit den Händen verhüllend, in die Knie. Im nächsten Augenblick war der blutige Mensch an ihrer Seite und schwang die noch triefende Axt.
Ein blick zur Seite hatte dem jungen Offizier die Gefahr gezeigt, in der die Dame schwebte. Mit einer wütenden Anspannung jeder Muskelfaser schleuderte er in gewaltiger Kraft den starken Wirt von sich und war mit einem Sprunge, gleich dem Tiger, der sein Junges verteidigt, in der Gräfin Nähe. Seine Linke fing den Stiel der Mordaxt auf und hielt sie fest im gewaltigen Griff, indess die Rechte in die im Kampf aufgerissene Uniform fasste und mit Gewalt einen Gegenstand losriss, der darunter um den Hals geschlungen zu hängen schien. Im nächsten Augenblick flog eine kleine stählerne Scheide auf den Schnee und eine kaum handlange blaugraue Klinge tauchte sich im kräftigen Stoss bis an die haltende Faust in das Herzblut des Räubers, dass dieser lang den Boden maass. Wie ein Sturmwind hatte der junge Mann die Gräfin erfasst und sie halb schleifend zu dem Schuppen getragen, vor dessen Eingang er jetzt wie ein Cherub mit seiner kurzen unzureichenden Waffe stand.
Es war der zweite Sohn des Wirts gewesen, den sein Dolchmesser von gewundener altertümlicher Form zu tod getroffen; – heulend, wie der grimmige Wolf seiner Wälder, stürzte der Vater auf ihn zu, rücksichtslos gegen das eigene Leben. "Przeklęty! Du hast meine Söhne gemordet, Du musst sterben!" Der Stoss des Dolches streifte seine Wange und riss sie blutig, aber er achtete der Wunde nicht, und im nächsten Moment hatte er den jungen Mann gefasst und zu Boden geworfen. Er kniete auf seiner Brust, bestrebt, die Faust der haltenden Hand zu entreissen, die sich bemühte, das lange Mordmesser, mit dein sie jetzt bewaffnet war, von sich abzuwehren. Alle Furien des Hasses und der Wut trimuphirten in den flammenden Augen, in den fletschenden Zähnen. Die losgerungene Faust holte weit aus zum Todesstosse – –
"Main! Djemala-Din! Retten Sie Herrn DjemalaDin!" eine fremde stimme in jüdischem Dialekt dicht neben den Kämpfenden rief die Worte. –
Das Messer des Wirtes fuhr nieder – – – eine rasche Bewegung des jungen Offiziers wendete den Stoss, die spitzige Klinge durchbohrte nur den linken Unterarm – im nächsten Augenblicke spritzte Blut und Gehirn über den Liegenden und mit zerschmettertem Schädel stürzte der Pole über sein Opfer weg. Ein Fussstoss warf die blutige Leiche bei Seite und eine kräftige Hand half dem so unerwartet Geretteten empor. Neben ihm standen zwei fremde Männer im weiten jüdischen Talar, unter dem eine seltsame fremde Tracht hervorschimmerte, Beide lange, mit Silber und Elfenbein eingelegte Pistolen in den Händen, von denen die eine noch von dem eben getanenen Schuss dampfte. Starke gebogene Nasen unter dunkel blitzenden Augen, schwarze sorgfältig gepflegte Bärte zierten beide Gesichter von fremdartigem, aber majestätischem Schnitt – einige Schritte hinter ihnen stand ein dritter Mann, gleichfalls in jüdischer Tracht, deren Berechtigung jedoch seine Physiognomie und die Angst und Furcht, die sich auf ihr ausprägten, deutlich verkündete.
Die Augen der Männer waren fragend, freudig, begeistert auf den jungen Mann gerichtet.
"Bist Du wirklich Djemala-Din, des grossen Imams Sohn?" Die Frage ward in einer Sprache an ihn gerichtet, die das Ohr des jungen Mannes seit 16 Jahren nur selten und ausnahmsweise vernommen; dennoch schlugen diese Klänge, in denen er die ersten Laute gestammelt, die Erinnerungen der Knabenzeit bewahrt hatte, wohltuend und verständlich an sein Ohr und er antwortete sogleich in ihnen: "Schamyl ist mein Vater! – aber seht! – helft!" – er eilte trotz der Wunde dem treuen Jäger zu, der hart bedrängt war, – im Nu standen die seltsamen Fremden an seiner Seite und stürzten auf die noch kämpfenden Räuber, die bei der unerwarteten Verstärkung zu entrinnen suchten. Aber nur dem kühnen Boris gelang die Flucht, indem er sich auf eines der Pferde warf und in dem Glutregen des einfallenden Daches auf jenem das Tor und den Wald gewann; die andern drei, von denen zwei verwundet waren, wurden nach kurzem Widerstand überwältigt, zu Boden geworfen und gebunden. Die beiden Weiber schienen sich schon während des wilden Kampfes geflüchtet zu haben. – Auch der Graf und der Jäger bluteten aus leichten Wunden und atmeten dankend auf über die unverhoffte Rettung.
Während der Graf mit des Offiziers und des Juden Hilfe das von den Schrecken des Abends und der Nacht tief erschütterte Mädchen aus der gefährdenden Nähe des brennenden Gehöfts geleiteten, war Bogislaw mit den beiden Fremden beschäftigt, die von den Flammen wildgewordenen Tiere abzuwehren, und wenigstens den Schlitten der Reisenden aus dem Brande zu retten. Auch das gelang nur mit Mühe, alles Andere war verloren und unter den Trümmern des zusammenstürzenden Hauses begraben. Da bereits auch die Schuppen und dürftigen Nebengebäude von den Flammen ergriffen wurden, musste man die gefangenen Räuber herausschleppen und