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vor der überflüssige Nahrung findenden Glut von Unten her schmolz. Während die Mörder noch flohen, war Bogislaw, die Andern zu Hilfe rufend, schon beschäftigt, die heruntergeworfenen, Streugarben fortzuräumen, damit die aus der Luke sprühenden Funken diese nicht entzünden möchten. Es gelang, sie rasch bei Seite zu schaffen.

Der frische Morgenwind hatte unterdessen das Feuer immer weiter verbreitet und nach kaum einer Viertelstunde stand fast das ganze Dach des langen Gebäudes trotz der Nässe in offenen Flammen. Die Verwirrung und der Lärmen waren gross, denn die Pferde und das Vieh, die in den Ställen untergebracht waren, rissen sich bei dem herabfallenden Feuerregen los und stürzten durch die von den Räubern offen gelassenen Türen in's Freie. Sie sprangen im Gehöft, vor dem lodernden Brande scheuend, wild umher, oder durchbrachen die Einhegung und flohen in den Wald.

Die Wut und Verzweiflung der betrogenen Mörder, die sich jetzt verloren achten konnten, da der Brand Aufmerksamkeit erregen musste und ihnen zugleich die Beute entriss, war gross. Bei dem immer mehr sich verbreitenden Morgenlicht konnten die Belagerten schauen, wie sie umhertobten zwischen den stampfenden Pferden, nicht an Rettung denkend, ratlos und nur herüber drohend zu den Verwegenen, die ihrer Ueberzahl so glücklich getrotzt.

Aber deren eigene Lage wurde jetzt auch immer gefährdeter und verzweifelter. Obschon der mit Streu gefüllte Boden, wie wir bereits bemerkt haben, nicht über den Küchenflur weglief, sondern mit einer Wand abschloss, so war doch diese zu schwach und selbst brennbar, um lange das Feuer aufzuhalten, und auch der Dachstuhl über der Küche geriet bereits in Flammen, so dass nur wenige Augenblicke noch ohne Lebensgefahr in dem raum zu verweilen war.

Unter diesen Umständen gab es nur einen Entschluss, den: mit gewaffneter Hand sich Bahn durch die Gegner zu brechen. Die Ausführung war natürlich um so schwieriger, als die drei Männer, wenn auch kühn und tapfer, doch jetzt ohne Feuerwaffen, einer doppelten Anzahl zur Wut gebrachter Feinde gegenüber standen und noch die Dame und den armen Kranken zu schützen hatten. Der Augenblicke der überlegung waren nur wenige gewährt, aber jetzt bei hellem Tageslicht übersah der Ablerblick des jungen Soldaten die Gefahr und erkannte rasch den einzigen Ausweg, der Hoffnung liess. Gerade über dem haus, nahe am Eingange des Gehöfts, lag ein halb offenes Schuppengebäude, in dem auch der Schlitten der Reisenden untergebracht war. Konnte man dieses erreichen, so vermochte man wenigstens, sich mit grösserer Sicherheit weiter zu verteidigen.

Der Plan war bald gemacht, wenige Worte genügten zur Verständigung. Der Offizier und das junge Mädchen erklärten mit Festigkeit, dass sie den armen Soldaten den Flammen nicht zur Beute lassen wollten. So wurde dieser denn aufgerichtet und die junge zarte Gräfin schlang selbst seinen Arm um ihren Nacken und stützte ihn, dass er auf dem gesunden Fuss und einem improvisirten Stock sich langsam fortbewegen konnte. Zur Linken des Paars trat der alte Graf, mit dem Säbel des Soldaten bewaffnet, zur Rechten der Dame der Offizier, – sein ernster, entschlossener blick sagte, dass nur der Tod die Bahn zu ihr öffnen werde. Der Jäger Bogislaw stand an der Tür, die Hand am schirmenden Holzriegel, die Büchse des Grafen zur Seite, das Messer, das die Kehle des Wolfes durchschnitten, im Gürtel.

Ein donnerndes Krachen beschleunigte ihren Entschluss, – hinter ihnen brach bereits ein teil des Daches zusammen und die Trümmer begruben die Leiche des jungen Räubers.

Wilder jubel der Männer und Weiber erscholl draussen, sie glaubten die Reisenden verloren – –

Bogislaw riss den Riegel hinweg, die Tür flog auf, über die Schwelle sprangen der alte und der junge Soldat, von gleicher Energie beseelt, – hinter ihnen d'rein schwankte das Mädchen mit dem Kranken und der Jäger mit hochgeschwungener Büchse deckte ihnen den rücken.

Das offene Gebäude, das sie zu ihrer Zuflucht ersehen, war kaum vierzig Schritt von dem brennenden haus entfernt, – dennoch aber war der kurze Weg ein wilder Kampf für das Leben.

Einen Augenblick lang blieben die Räuber bestürzt über den kühnen Streich, dann, auf Slenko's, des Wirtes, gellenden Ruf stürzten sie von allen Seiten herbei und machten einen wütenden Angriff auf die kleine Schaar. Der Wirt selbst sprang auf den Offizier los und führte einen furchtbaren Schlag mit der Axt nach ihm, der den Säbel, mit dem dieser parirte, mitten durchbrach, während ein Anderer sich zwischen den Offfzier und seine Schutzbefohlene stürzte und diese von ihrem Begleiter riss, der vergebens einen Schlag mit dem Stock nach ihm führte und zu Boden geworfen wurde. Der Mann, den seine Genossen Boris genannt hatten und der an der linken Schulter verwundet war, hatte bereits mit einem gefährten den Grafen angegriffen und Bogislaw, der Jäger, wehrte sich tapfer mit dem Kolben gegen die beiden letzten Feinde.

Von allen Dreien verteidigte sich der Graf mit dem besten Glück, denn ein scharfer Hieb seiner alten einst kampfgewohnten Faust hatte im ersten Augenblick schon den rechten Arm seines zweiten Bedrängers gelähmt und seine scharfen Hiebe und Stösse hielten den riesigen Räuber Boris in Entfernung.

"Zum Teufel," rief der Graf, "das Gesicht kenn' ich! – Will ein Pole seinen Obersten morden, unter dem er bei Grochow und Ostrolenka gekämpft hat?"

"Niech cię djabli wezmą5" fluchte der Bandit, einen kräftigen Streich führend. "Ich habe Dich längst erkannt, aber Verderben über Euch Edelleute, die Ihr uns zu unserm Unglück verlockt habt! Nieder mit Dir, alter