, die Tür zu öffnen, waren seit einiger Zeit ganz still geworden. Dagegen vernahm das scharfe Ohr des Jägers ein Geräusch, gleich dem eines vorsichtigen Arbeitens an einer Wand, und traf danach seine Vorbereitungen.
Plötzlich donnerten wütende Artschläge an die Eingangspforte und zugleich suchten ähnliche aus dem inneren der kammer die Tür derselben zu sprengen; in wenigen Augenblicken flog sie in Stücke.
Aber Bogislaw hatte Aehnliches erwartet, die Tür splitterte, aber öffnete sich nicht, denn vor ihr bis zu Manneshöhe lagen jetzt eine Masse schwerer Gegenstände aufgehäuft, die aller Anstrengung des Fortdrängens spotteten.
Durch die Zwischenräume der Verschanzung streckte mit der ganzen Kaltblütigkeit eines alten Soldaten der Graf sein Jagdgewehr und zielte auf die beiden dunklen Gestalten, die hier den Eingang zu erzwingen suchten, aber der Hahn fuhr nieder auf das Piston, ohne dass ein Schuss erfolgte. Er warf die Flinte zu Boden und drückte eine der Pistolen durch die Oeffnung ab, – der Erfolg war derselbe. Dem Stoss eines durch die Oeffnung funkelnden langen Messers entging er nur durch eine rasche Seitenbewegung.
Ein Schrei der Dame verkündete auch auf ihrem Posten Gefahr – der Offizier war mit einem Sprunge an ihrer Seite und sah die Gestalt eines Mannes, bemüht, durch die enge Fensteröffnung einzubrechen. Einige Stösse des Säbels trieben ihn zurück, – fast gleichzeitig knallte der Schuss des Jägers durch ein Fenster und wiederum brach einer der Banditen zusammen und schleppte sich stöhnend zur Seite. Zum zweiten Male wichen die Räuber, doch dies Mal nur aus dem Bereich der Fenster und eine kurze heftige Beratung wurde gepflogen.
"Wir müssen zu Ende kommen," sagte der Krugwirt unter gräulichen Verwünschungen, "der Tag graut und es darf Keiner leben von ihnen, sonst sind wir verloren. Mein Michael ist erschossen, Stephanowitsch tot, Boris verwundet, wir müssen Rache haben, und sollte es unser letztes Blut kosten. D'rauf, Kameraden!"
Er wollte auf's Neue an die Tür, doch Boris, der Verwundete, riss ihn zurück.
"Zum Boden! Die Garben hinunter und dann über sie her, ich und Sarko halten die Tür."
Die Mörder begriffen, sie eilten nach dein Aufgang, der in den Ställen zum Boden führte.
"Es sind ihrer noch immer sechs mit dem Kerl, den ich gezeichnet," sagte ärgerlich der Jäger. "Der Bursche wandte sich gerade um und bekam die Kugel nur in's Fleisch. – Doch, Herr, jetzt, glaube' ich, wird es Ernst und gilt es, für's Leben zu fechten!"
Graf Lubomirski hatte das Gewehr und die Pistolen untersucht. Eine aus den Läufen tropfende Feuchtigkeit belehrte ihn, dass die Weiber die gelegenheit benutzt haben mussten, bei dem Aufschlagen des Nachtlagers in der kammer wasser in die Läufe zu giessen, wobei sie zugleich die Pulverflasche stahlen. Er bewaffnete sich mit dem Säbel des armen Ulanen, der machtlos dem Kampfe zusehen musste.
"Das Tageslicht dämmert herauf," sagte der Offizier; "wenn wir uns noch eine Stunde zu halten vermögen, kann ein Zufall uns Rettung bringen. Sie werden es nicht wagen, den vollen Tag abzuwarten –"
Der Ruf des Soldaten unterbrach ihn – er zeigte nach der Bodenluke. Sie war gefüllt mit einem grossen Bunde von Schilf und Schobenstreu, von denen der Boden voll lag; während, das Bund von unsichtbarer Hand herabgestossen wurde, drängten sich von der Seite bereits ein zweites und drittes schützend vor die Oeffnung.
Rasch fuhr die Pistole des Offiziers in die Höhe, der Schuss krachte und man hörte die Kugel klatschen, aber ein wildes Hohngelächter belehrte sie, dass die Räuber das Mittel gefunden, den Schuss unschädlich zu machen, und dass die Kugel nicht durch den dicken elastischen Schirm der Garbe zu dringen vermocht hatte. Wiederum, rasch hintereinander, fielen zwei Bunde herunter und andere drängten sich oben.
Die Gefahr war dringend, Alle begriffen den Plan der Elenden und dessen sicheres Gelingen. Noch einige Bunde und die Räuber konnten sich unbesorgt herabstürzen und, während sie selbst ihre Aufmerksamkeit teilen mussten, sie im Handgemenge angreifen.
Da, während der junge Soldat wie schützend vor die halb ohnmächtig in der Tür der kammer knieende Dame trat, die Faust fester um den Säbelgriff gespannt, durchfuhr ein glücklicher Gedanke des Jägers Seele. Im Nu war er zum Heerde gesprungen, sein Fuss stiess die noch glühende Asche auseinander und seine Hand suchte einen halb verkohlten Brand. Im nächsten Augenblick war ein Busch der trockenen Schoben darum gewunden, ein Schwung, durch die Luft setzte die improvisirte Fackel in vollen Brand, und noch ehe die nächste Garbe den Boden erreichte, flog sie in die geöffnete Luke. Rascher, als das Wort es zu erzählen vermag, folgte ein zweiter, gleicher Brand, und der wilde Fluch ihrer Feinde verkündete, dass das unerwartete Auskunftsmittel seinen Zweck erreicht hatte. Flammen knisterten in der Luke auf, ehe eine halbe Minute verging, schlug schon die volle Lohe empor, – das Feuer hatte die Schoben und das Gestreu, das die Banditen gerade um die Luke gehäuft, erfasst, und vergeblich waren alle Anstrengungen, die Flamme zu ersticken, die wie eine züngelnde Schlange durch die trockenen Vorräte des Bodens hin lohete. Kaum dass sie Zeit hatten, sich eilig über denselben zurückzuflüchten bis zu dem Ausgang, der in die Ställe führte, so füllte schon Qualm und Dampf den langen Raum und hatte die Flamme an vielen Stellen ihren Weg zum Schobendach gefunden, dessen feuchte Schneedecke