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, die sie oben fest hielten und die im Schreck über die rasche Tat sich öffneten.

"Verfluchte, Ihr habt mein Kind erschossen!"

Die kurze, schwere Axt, von der Hand des Vaters geschleudert, flog durch die Luft, aber Bogislaw war ausser dem Bereich seiner Hand und der Offizier machte eine rasche Seitenbewegung, dass sie unschädlich an ihm vorbeisauste und an die Kammertür zur Rechten schlug, die eben rasch von innen geöffnet wurde. Der Graf, seine Pistolen in der Hand, erschien in derselben, hinter ihm, bleich, verstört, aus dem tiefen Schlaf geweckt, die Gräfin Wanda.

Zugleich erscholl das Gekreisch der Weiber in der kammer, wildes Lärmen der Männer draussen, die ihr Werk verraten sahen, und ihre Axtschläge donnerten gegen Tür und Läden.

Stenko, der Wirt, war im Begriff, in seiner Wut hinabzuspringen, als sich bedächtig der Arm des jungen Offiziers mit der zweiten Pistole hob und nach ihm zielte.

"Zurück!"

Der Dritte, der mit dem Kneipenwirt auf dem Boden war, riss diesen von der Luke zurück:

"Hinunter zu den Andern!" Sie verschwanden.

Die Gräfin in der Tür der kammer wies zitternd, erregt aus den blutenden Mann, der sich am Boden krümmte.

"Um Gotteswillen, ein Mord! was ist geschehen?"

Mit der Hochherzigkeit weiblicher natur flog sie zu dem Verwundeten, ihm Hilfe zu leisten.

"Was bedeutet das Alles, Bogislaw?" fragte der Graf. "Werden wir angegriffen?"

"Mein Verdacht hat sich bestätigt," sagte der Jäger rasch und kurz. "Wir sind in diesem haus in einer Falle und der Wirt hat seine Mordgenossen herbeigerufen. wahren Sie uns den rücken dort nach dem Boden zu, Herr Graf! Hierher, Herr Lieutenant!"

Die kräftigen Abschläge draussen zerschmetterten die Läden der Fenster und donnerten gegen die zum Glück starke Tür. Stenko hatte den Genossen die Gewissheit gebracht, dass sie entdeckt waren, und ihre Wut versuchte einen allgemeinen heftigen Angriff.

Der junge Offizier war an das Fenster zur Rechten gesprungen. Durch die zerbrochenen Scheiben langte eben ein Arm nach dem Riegel, um ihn aus den Haspen zu heben.

"Sparen Sie den. Schuss. Den Säbel, den Säbel!"

Der Offizier hatte bereits die Pistole fallen lassen und die eindringende Faust gefasst. Aber die Kraft derselben, die ihn zugleich packte, war stärker als die seine, sie zog seinen linken Arm aus dem Fenster fast bis an die Schulter hinaus und zwei, drei hände fassten draussen an den Arm. Er war in einer völlig wehrlosen Lage.

In dem Augenblick entriss eine Hand der seinen den blanken Säbel und die Klinge fuhr dicht an seinem Kopf vorbei durch das Fenster auf die Gegner. Der Stoss, den der alte Graf geführt hatte, musste getroffen haben, denn ein wilder Aufschrei erscholl, der Arm des Offiziers wurde losgelassen und schnell zog er ihn zurück. Zugleich knallte aus dem andern Fenster ein zweiter Pistolenschuss und die Vorsicht und Ruhe des Jägers war Bürge, dass er ihn nicht ohne sicheres Ziel abgefeuert hatte. Die wilden Verwünschungen, das Schmerzensgestöhn draussen bewiesen, dass der Angriff blutig empfangen worden, – die Tobenden zogen sich eilig zurück aus dem Bereich der Schusswaffen.

Jetzt erst gewann der Diener Bogislaw Zeit, seinen Herrn näher von den Vorgängen zu unterrichten. Die Männer fühlten, dass sie eilig ihre weiteren Vorbereitungen zu treffen hatten, da offenbar der Angriff wiederholt werden würde.

Bogislaw sprang nach der kammer, um aus dem Gepäck seines Herrn die Pulverflasche zu holen und neu zu laden.

"Przeklęcie! ich kann sie nirgends finden, die Weiber müssen sie gestohlen haben, als sie in der kammer handtierten. Doch haben wir noch Ihre Flinte und Pistolen, Herr Graf, sie sind geladen. Wer nimmt den Posten in der kammer ein, um zu verhindern, dass die Schurken hier durch das Fenster brechen?"

Es war die wenigst gefährdete Stelle; Aller Augen wandten sich auf die Gräfin, die in stillem Gebet noch immer an der vorigen Stelle knieete. Das Gebet galt einem toten. Der kräftige, jugendliche Körper des Verwundeten hatte wild gegen den Tod gekämpft, den die innerliche Verblutung rasch herbeiführte, denn die Kugel hatte quer durch die obere Brust geschlagen, und während des Kampfes an den Fenstern streckte sich zuckend der Leib und lag dann still und starr.

Der Oheim hob das Mädchen empor und führte sie halb tragend zu der kammer. Es war keine Zeit zu Erörterungen und zur Schonung der Gefühle. Er konnte sie nur kurz bedeuten, dass sie auf das geschlossene Fenster achten und, wenn es erbrochen würde, um Hilfe rufen solle.

Dann trugen Bogislaw und der Offizier den von dem Kampf aus seinem Fieberschlaf erwachten Soldaten an die Wand gegenüber der Bodenluke und befahlen ihm, fest diese im Auge zu behalten.

Der Jäger stand schon wieder auf seinem Posten und recognoscirte durch eines der zerbrochenen Fenster. Die Räuber hatten sich zurückgezogen und waren unsichtbar. Die Nacht lag noch immer finster um das Haus, nur durch die weisse Fläche des Schnees gemildert. Auf ihr nahe dein zweiten Fenster erkannte man eine dunkle Gestalt regungslos ausgestreckt: die Verteidigung hatte bereits ein zweites Menschenleben gekostet.

So verging eine längere Zeit, während der nur wenige Worte gewechselt wurden. Es schien fast, als ob die Banditen das Grauen des Morgens abwarten wollten, um ihre Gegner besser zu sehen. Die Weiber in der kammer, die mehrfach versucht hatten