1855_Goedsche_156_325.txt

kommen! machen wir uns bereit, sie zu empfangen, und möge die heilige Jungfrau uns schützen. Halten Sie die Bodenluke im Auge, ich werde die Tür nehmen. Nieder mit Jedem, der herein zu dringen wagt!"

Jeder von ihnen hatte ein Paar der Kavalerie-Pistolen an sich genommen; der Offizier fasste an der Wand, gegenüber der Bodenluke, Posten, der Jäger an der Tür, an deren beiden Seiten zwei kleine Fensterchen, wie sie in den polnischen Hütten üblich sind, sich befanden, eben gross genug, um Licht und Luft hereinzulassen, aber zu eng, um zu einem Einsteigen, wenigstens bei einiger Vorsicht der Verteidigenden, gelegenheit zu geben. Beide waren von Aussen mit Läden verschlossen, die kleinen Fensterscheiben zerbrochen und mit Papier ausgeflickt.

Auch die Oeffnung des Bodenraumes war zum Glück nur so gross, dass Mann gebückt durch sie passiren konnte. Da mit der Seitenwand der Küche der Boden aufhörte und der Raum über derselben bis zu den Dachsparren frei war, lag der Zugang in der Wand ziemlich hoch, von der Erde aus mindestens in doppelter Mannshöhe, die Luke war jedoch offen und ohne Tür.

Der Jäger hatte absichtlich nur spärlich das Feuer wieder aufgefrischt und ein schwaches Licht verbreitete sich über den Raum, das jedoch stark genug war, um den im inneren Befindlichen den nötigen Ueberblick zu gewähren.

"Wenn ich nur wüsste," flüsterte der Diener, "wie Viele ihrer sind! Es ist zu dunkel draussen, um sie zu zählen und ich darf es nicht wagen, sie nochmals wie vorhin zu belauern."

Das Geräusch hatte sich verstärkt, man konnte deutlich hören, dass mehrere Personen, jedoch vorsichtig, in das Gehöft eintraten und an dem haus entlang schlichen. Der unter den Sohlen ihrer Stiefeln knisternde Schnee verriet sie.

Dann war Alles wieder still. – –

Die kühnen Wächter harrten. Ihre Mäntel lagen auf den verlassenen Lagerstätten, so dass sie in dem matten Lichte in einiger Entfernung leicht ein fremdes Auge täuschen konnten. Sie selbst standen in den dunklen Schatten verborgen, so dass sie nicht leicht bemerkt werden konnten.

Wiederum knisterte der Schnee und leise Schritte mehrerer Männer schlichen heran und hielten an der Tür des Hauses still.

Zugleich liess sich ein leichtes Geräusch auf dem Boden vernehmen. Wenige Augenblicke darauf erschien den scharfen Augen des jungen Mannes ein Gesicht in dem dunklen raum, eine Gestalt wurde erkennbarder Wirt des Hauses, – und der Offizier konnte sehen, dass seine Hand mit einem kurzen schweren Beil bewaffnet war. Die andere tastete nach der Leiter umher.

Sie suchte vergeblich. Der Kopf des Mannes bog sich vor aus der Luke, um zu schauen, ob sie nicht an Ort und Stelle sei. Das Blut des jungen Ulanen fieberte, seine Hand spannte sich um den Kolben der Pistole. Aber er fühlte, dass Ruhe und Vorsicht hier mehr galt, als Mut und Tapferkeit.

"Przeklęcie! Die Hundssöhne haben richtig die Leiter weggenommen," flüsterte oben eine stimme. "bleibe Du hier, die Weiber sollen uns öffnen. Ich sehe, die Beiden liegen am Feuer."

Der Kopf verschwand. Wiederum war eine lange Pause. Dann hörte der Jäger an das Fenster der kammer klopfen und eines der Weiber aufstehen und herankommen. Es folgte ein kurzes Flüstern, darauf machte die Frau den Versuch, ihre Tür zu öffnen, und als sie dies zu ihrer Verwunderung nicht konnte und die Verrammelung bemerkte, teilte sie dies eilig den Männern draussen mit.

Ein wilder Fluch, – dann eine kurze Beratung folgten.

Gleich darauf erschien der Wirt auf's Neue oben an der Bodenluke, schaute sich um und schickte sich dann an, herabzuklettern.

Der Augenblick des Handelns war gekommen.

"Zurück da! bleibe dort oben oder ich schicke Dir eine Kugel durch den Kopf!"

"Mögen die Teufel Deine Mutter quälen! Bin ich Herr in meinem haus oder nicht? – Setzt die Leiter an, ich muss hinunter!"

"bleibe, wo Du bist, Schurke," sagte ruhig der Jäger, "wir wissen, was Du willst und welche Gesellschaft Du bei Dir hast. So wahr ich an Gott und die Heiligen glaube, Jeder, der diesen Raum vor vollem Tageslicht betritt, ist ein Kind des Todes! Also troll' Dich und lass uns in Frieden."

"Ist's so gemeint, Hundssohn? – Her mit der Leiter, Michael, wir wollen doch sehen, ob sie, die wir von den Wölfen gerettet, uns aus dem eigenen haus zu jagen wagen."

Eine zweite Gestalt wurde sichtbar und schob eine Leiter durch die Luke. Der Krugwirt half.

"Jetzt hinunter, Michael; ich will sie von Deinen Pferden zerreissen lassen, wenn sie es wagen, Dir ein Haar zu krümmen. Hinunter, Junge, sag' ich!"

Der junge Mann setzte den Fuss auf die erste Stufe der Leiter, ein Dritter zeigte sich hinter ihnen.

Ruhig und kaltblütig hob der Offizier, der bis jetzt im Schatten gestanden und sich bei seiner geringen Kenntniss des Polnischen nicht in die Verhandlung gemischt hatte, die Pistole; im nächsten Moment fiel der Schuss, der junge Bauer öffnete die arme, stiess einen Schrei aus und stürzte schwer von der Höhe der Leiter herab aus die Tenne des Küchenflurs. Gleichzeitig mit dem Schuss war mit einem raschen Sprung der Jäger von der Tür her unter der Luke und entriss mit kräftigem Griff die Leiter den Händen