die Wölfe. Ohne Führer würden wir uns schwerlich bei Nacht zurechtfinden und den Mördern vielleicht in die hände laufen. Auch hindern uns die Gräfin und der arme Bursche dort an der Flucht, der jetzt im Wundfieber stöhnt und den wir doch nicht ihrem Messer überlassen können."
"Aber was ist zu tun? – wir wollen den Grafen wecken."
"Noch nicht, Herr. Wir müssen erst unsern Verteidigungsplan entwerfen. Ich weiss nicht, ob die Weiber da drinnen schlafen, und jede Bewegung könnte uns verraten. Ich sehe, Sie haben Ihre Sattelpistolen bei sich."
"Sie sind geladen und auch die meines Burschen. Aber wir haben keine Patronen bei uns."
"Tut Nichts. Drinnen beim Grafen liegt Pulverhorn und Kugelbeutel, und die Jagdflinte des Herrn. Meine Büchse haben die Schurken gestohlen, aber sie nützt ihnen nicht, und da sie weiter kein Schiessgewehr haben, sind wir im Vorteil. Ich denke, wir lassen den Grafen und die junge Gräfin noch ein Paar Stunden ruhen und halten abwechselnd Wache. Bis dahin können wir überlegen, was wir am besten tun. Nehmen Sie die erste Wache, Herr, und wecken Sie mich in zwei Stunden, oder wenn Sie das geringste verdächtige Geräusch hören. Vielleicht kommt mir im Schlaf ein guter Gedanke."
Er schlich zurück zu seinem Lager, nachdem er noch vorsichtig die Leiter abgehoben, die zum Boden führte und sie leise quer vor die Kammertür zur Linken geschoben hatte; der Offizier, der zu seinem bedächtigen und mutigen gefährten volles Vertrauen gefasst, beschloss, sich ganz seiner Einsicht zu fügen. Die Pistolen im Bereich der Hand, stützte er den Kopf auf den Arm und versank in tiefes Nachsinnen.
Wohin führten ihn seine Gedanken? wohin wanderte seine Phantasie?
Bilder seiner Kindheit erhoben sich umher, der mächtige Felsenhorst, auf dem der Adler nistet, wilde abenteuerliche Gestalten im blitzenden Silberpanzer, – Waffen, – brausende Bergströme, – das Getobe des wilden Kampfes, – Ströme von Blut, – und der Knabe emporgehoben von den Armen eines hohen blassen Mannes mit langem dunklem Bart und blitzendem Auge! – Dann Nacht um ihn her, gerötet vom Flammenschein brennender Häuser, das wilde Geheul der Stürmenden, blitzende Bajonnete, donnernde Salven, – Dampf, Rauch, Blut, Feuer, – Tod und Gefahr ringsum! –
Und wiederum aus der frühesten Kindheit liebliche, seltsame Bilder: Frauen, in dichte Schleier gehüllt, die Brust von dem weichen Leder des Berghirsches eng umschlossen, blitzende Steine und Geschmeide um Haar und Hals; – am dunklen Felsenhang die Ziege kletternd, – und von den hohen Bergwällen der blick des spielenden Knaben hinabtauchend auf Fels und Tal und weit darüber hin die silberglänzende Fläche des weiten Meeres! –
Dann kamen die Erinnerungen seiner späteren Jahre, die Erziehung im Corps zu Petersburg, das Bild der Jugendfreunde und Kameraden, die jetzt weit zerstreut waren über das unermessliche Reich, – die leuchtende Gestalt des kaiserlichen Herrn, den er so oft geschaut, dem er Treue geschworen, er, der – –
Und nun vielleicht hier unrühmlich, ohne Namen, ohne Ruhm zu enden unter dem Beile eines Mörders; vergessen zu werden unter dem Leichenhügel des Schnees, zerrissen von den gierigen Bestien des Waldes, die seine Leiche aus der heimlichen Gruft gescharrt! –
Dazwischen tauchte ein lichtes schönes Bild auf, seit wenigen Stunden erst gekannt, und dennoch verlockend, reizend vor seinen Augen stehend, – W a n d a , – die junge Gräfin, für die er sein Blut vergiessen, die er zu retten versuchen, oder mit der er sterben sollte. – –
Eine wilde, energische Kraft, wie edles Blut vom Herzen strömend, schoss durch seine Adern; er fühlte, dass das dunkle schwärmerische Auge des Mädchens ihn zu jeder Tat und Anstrengung begeistern könne. – –
Die Stunden vergingen, es war Zeit, den Jäger zu wecken, und er tat es. Im Augenblick war der Pole munter und bat ihn, nun seinerseits unbesorgt eine Stunde der Ruhe zu pflegen.
Aber der Geist des jungen Mannes war zu aufgeregt, als dass er Schlaf zu finden vermocht hätte. Er überliess zwar seinem Begleiter, ohne sich einzumischen, alle Vorbereitungen, doch schaute er ihnen wach und aufmerksam von seinem Lager aus zu.
Bogislaw horchte erst aufmerksam an dem Eingang, der zu der kammer führte, in der die Weiber schliefen. Dann untersuchte er sorgfältig die Haustür.
Sie war zum Glück ziemlich fest, aber ohne Verschluss, als dass ein ziemlich starker Querbaum in Haspen vor dieselbe gelegt werden konnte.
Die Türen beider Kammern öffneten sich nach der Küche, sie konnten demnach verrammelt werden.
Es blieb noch der Eingang von der Bodenluke her.
Die Dispositionen des Jägers waren schnell getroffen. Er hing den grossen hölzernen Riegelbaum vor die Tür und begann vor der kammer der Frauen von den in der Küche aufgetürmten grossen Holzstücken einen förmlichen Wall zu bauen, der bald halbe Mannshöhe erreicht hatte und die Bretter der Tür festielt.
Darauf schob er ein neues Scheit in das Feuer und fachte dieses wieder an. –
"Es wird eben so gut sein," sagte er leise nach allen diesen Vorbereitungen, "wenn wir meine herrschaft schlafen lassen, bis die Gefahr wirklich erscheint. Der Graf ist ein alter Soldat und wird auf dem Platz sein." –
Die Uhr des Offiziers zeigte die vierte Stunde, als draussen ein leises Geräusch sich hören liess und Bogislaw seinem gefährten winkte.
"Sie