der Wirt. "Der Teufel könnte sein Spiel haben und Einer entkommen und dann wären wir Alle verloren. Ueberdies sind sie bewaffnet und würden sich scharf wehren. Die Freunde, die Iarkow herbeiholt, werden mit der Heiligen Hilfe hier sein, ehe der Tag graut, und dann liegen die Edelleute grad' im tiefsten Schlaf. Auch brauchen wir Jene, um den Schlitten und die Pferde hinweg zu führen, damit wir Alle zu haus getroffen werden und kein Verdacht auf uns fällt."
"Es war gut, Vater," meinte der junge Bursche, "dass wir die Büchse bei Seite gebracht haben. Die Narren glauben sie dort unter'm Schnee, während sie hier wohl aufgehoben ist."
Er brachte das Gewehr zum Vorschein, das er unter der Streu verborgen hatte, und besah es von allen Seiten.
"Verflucht, dass wir's nicht brauchen können," grollte der Alte. "Es ist eines von den neuen Dingern, wie sie die Jäger des Herrn haben, ohne Schloss und Stein, aber unsereins versteht damit nicht umzugehen. Schande, dass uns der Herr die Flinten weggenommen, und uns bloss die Aexte und Messer zu unserer Verteidigung gelassen hat."
"Eine Axt ist ein schönes Ding," meinte der Andere, "wo sie hinschlägt, trifft sie sicher. Die Brüder sagen, der russische Kaiser habe es befohlen, dass die Armen keine Flinten mehr besitzen sollen. Hei! was war es für ein ander Leben, als wir vor vier Jahren Büchse und Säbel hatten und die Schlösser der Edelleute plünderten mit unsern Brüdern in Galizien, und die Köpfe der stolzen Herrn einschlugen, als wäre der Donner des himmels über sie gekommen!"
"Du warst ein wilder Teufel, J a n k o w i t s c h , es war gut, dass sie Dich nicht fingen. Sie hätten Dich an den ersten Baum aufgeknüpft."
"Ei, ich weiss, dass Du nicht besser warst, als Du bei den Weissmützen stand'st unter Uminski. Boris hat mir's oft genug erzählt."
"Tysiąc byci mać mordowalo!4 Sollten wir unser Leben denn für die Edelleute opfern, wenn es dabei nicht Etwas zu plündern gegeben hätte? Ein Herr ist wie der andere und drüben in Russland haben sie's wahrlich noch besser als wir hier. Müssen wir nicht Holz fällen und das Vieh hüten in den Sümpfen Jahr aus, Jahr ein? und haben die Wölfe oder Bären ein Stück zerrissen, muss es unser rücken nicht entgelten? Ich habe mir sagen lassen, drüben aus Weissrussland liessen viele Herren ihre Leibeigene lernen, zu was sie Geschick haben, und sie kamen in den grossen Städten zu Ehren und Reichtum. Wo ist dies je einem der Unsern geschehen? Ich war ein Mal mit dem Herrn in Kiew, um Pferde zum Markt zu treiben, und hab's wohl gemerkt. Die Bauern des Kaisers drüben sind reiche Leute gegen uns!"
"Ob Boris mit dem Jungen kommen wird?"
"Warum sollt' er nicht? Ein solcher Fang findet sich selten, und er lässt einen Freund nicht im Stich, wenn er auf seine Faust und sein Messer rechnet. Reich' mir die Wotkaflasche, Michael."
Der Branntwein machte die Runde.
"Nun legt Euch auf's Ohr und schlaft," sagte der Wirt, "vor der zweiten Hahnenkräh' können die Burschen unmöglich hier sein, und ich wüsste nicht, weswegen wir den Schlaf verlieren sollten. Wir haben morgen in der Frühe viel zu tun, um alle Spuren zu tilgen und das Gut fort zu schaffen. Iarkow wird uns schon wecken, wenn er kommt."
Er warf sich auf die Streu und die beiden Andern folgten alsbald seinem Beispiel. – – –
Das Feuer des Heerdes war im Verlöschen, der Raum fast dunkel, als eine Hand leise die Schulter des jungen Offiziers schüttelte und dieser, an rasches Erwachen gewöhnt, auffuhr und im selben Augenblick nach dem unter dem Mantel neben ihm ruhenden Säbel griff.
Doch die Hand legte sich rasch auf seinen Mund und eine stimme flüsterte an seinem Ohr:
"Stille, es gilt unser Leben!" Der Offizier erkannte im Halbdunkel den Jäger Bogislaw, der sich lang an seine Seite kauerte. "Ich sehe, Sie sind von rechter Soldatenart," flüsterte dieser, "im Augenblick munter und die Hand an den Waffen. Wir werden sie brauchen! Bleiben Sie still auf Ihrem Lager und hören Sie mich an, denn jede Bewegung könnte uns zu früh verraten, ich traue den Weibern da drinnen nicht."
Der Offizier tat, wie der Jäger verlangte, und horchte aufmerksam auf die Mitteilung desselben.
"Wir sind einer Bande jener mörderischen Schurken in die hände gefallen," sagte Bogislaw, "die bei dem Aufstande von 49 an der galizischen Gränze raubten und plünderten. Der Wirt hat seinen Sohn nach anderen Genossen ausgeschickt, uns zu bewältigen. Wie viele ihrer kommen werden, weiss ich nicht. Ich habe sie belauscht und erfahren, dass wir Zeit zu unsern Vorbereitungen haben. Sie gedenken uns erst im Morgenschlaf zu überraschen."
"Es soll den Schuften nicht gelingen," sagte der junge Mann. "Sie werden sich blutige Köpfe holen. Aber was hindert uns, ihnen zuvorzukommen? Wir sind drei gegen drei und gut bewaffnet. Sie vermögen nicht, uns aufzuhalten."
"Sie vergessen den Wald und